
Update: Ein neues Drogenhilfezentrum an der Eisenstraße?
Ein Drogenhilfezentrum? Bitte nicht bei uns! Die Stadt plant eine neue Drogenhilfe-Einrichtung an der Eisenstraße - und der Widerstand aus der Bevölkerung ist beachtlich. Wir haben uns die jeweiligen Argumente angehört - und geschaut, was eigentlich konkret geplant ist.
Veröffentlicht: Dienstag, 03.02.2026 08:40
Update (10. März): Zweite Infoveranstaltung
Am Donnerstagabend (12. März 2026) plant die Stadt eine weitere Infoveranstaltung zur Einrichtung auf der Eisenstraße. Um 18 Uhr möchte sie in der VHS am Bertha-von-Suttner-Platz über das konkrete Konzept informieren. Schon letzte Woche hat die zuständige Beigeordnete Miriam Koch dieses Konzept im Ausschuss für Gesundheit uns Soziales vorgestellt. Am Donnerstag sollen Anwohnende und Interessierte jetzt noch einmal die Möglichkeit bekommen, mit den beteiligten Expertinnen und Experten in den Austausch zu gehen.
Details zum Konzept für die Eisenstraße
Das Konzept für die Eisenstraße besteht aus insgesamt 16 Modulen. Diese Module umfassen alle Hilfsangebote, aber auch alle organisatorischen Aspekte, die mitgedacht werden müssen: Verwaltung, Sicherheitsdienst, Koordination, Sozialarbeit, Streetwork, Tages-/Nachtaufenthalt, sozialpsychiatrischer Dienst, medizinische Versorgung, Pflege, hauswirtschaftliche Versorgung, Beschäftigungsangebote, frauenspezifische Angebote, eine Drogennotfall-Schulung, Umfeldmanagement, Hausordnung und Gewaltschutzkonzept.
Wichtig zu wissen: Nicht alle Module des Konzepts sollen gleichzeitig umgesetzt werden. Stattdessen liegt der Fokus zuerst auf der Tageseinrichtung im Erdgeschoss des Gebäudes: "Das NAV – Café ist ein niedrigschwelliges, Begegnungs- und Aufenthaltsangebot für Menschen mit substanzbezogenen Abhängigkeitserkrankungen", heißt es im Konzept. Das Café ist auf die Grundversorgung der Menschen und sogenannte "Überlebenshilfe" ausgerichtet.
Langfristig sollen alle Etagen des Gebäudes in der Eisenstraße 49 genutzt werden. In den oberen Etagen entstehen unter anderem eine Pflegestation, Büroräume für die Sozialdienste und insgesamt 60 "niederschwellige Unterbringungsmöglichkeiten", also Zimmer bzw. Schlafplätze für drogenabhängige Menschen.
Zeitplan und Ausblick
Aktuell wird die Eisenstraße 49 noch für die städtische Winterhilfe für wohnungslose Menschen genutzt. 60 Personen nutzen das Gebäude laut Frau Koch derzeit regelmäßig als Notschlafstelle. Sie geht allerdings davon aus, dass die wärmeren Temperaturen jetzt bald dazu führen, dass sich diese Zahl reduziert. Zudem werde man den Menschen Alternativen anbieten, so Koch. Darüber hinaus hat die Selbsthilfegruppe "Guttempler" derzeit auch noch Räumlichkeiten in der Eisenstraße. Auch sie soll einen neuen Standort von der Stadt bekommen.
Erst wenn das Gebäude leer steht, kann ein verbindliches Sicherheitskonzept für die gesamte Einrichtung ausgearbeitet werden. Die Stadt arbeitet hier eng mit einem Dienstleister zusammen, der den Personalbedarf mit Blick auf das Konzept und die Räumlichkeiten angibt.
Der Start der Umbauarbeiten ist von der aktuellen Belegung des Gebäudes laut Frau Koch allerdings nicht abhängig. Der geplante Sichtschutz im Bereich des Innenhofes, der an das Lessing-Gymnasium grenzt, soll demnach so bald wie möglich kommen.
Frau Koch geht davon aus, dass die Einrichtung bis zum Sommer in Betrieb genommen wird. Bis zur Sommerpause im Rathaus werde sie auch ein gesamststädtisches Konzept vorlegen, so Koch. Damit sei sie vom Ausschuss für Gesundheit und Soziales beauftragt worden. Dieses Konzept umfasst dann weitere Einrichtungen im Innenstadtbereich. Dazu zählen unter anderem die NUB an der Markenstraße und die beiden großen Notschlafstellen in Bahnhofsnähe (siehe unten). Auch die Drogenhilfeeinrichtung an der Flurstraße wird in diesem Zuge weiterentwickelt (siehe unten). Durch eine engere Betreuung in den Einrichtungen und vielfältige Beratungsangebote möchte die Stadt die Situation sowohl für Anwohnende als auch für die Abhängigen selbst verbessern, heißt es im Konzept.
Update (12. Februar): Die Perspektive der Stadt
Die Stadt hat Anfang Februar die erste Infoveranstaltung zum Drogenhilfezentrum in der Eisenstraße abgehalten. Damit ist sie dem Wunsch der Streetworker und Anwohnenden nach Transparenz nachgekommen. Vor Ort hat die zuständige Beigeordnete Miriam Koch zunächst die Pläne für die Eisenstraße erläutert und dann konnten die anwesenden rund 300 Personen Fragen stellen. Die Veranstaltung dauerte mehr als 2 1/2 Stunden. In den nächsten Wochen soll es noch weitere Infoveranstaltungen geben - unter anderem eine Begehung vor Ort (voraussichtlich im März) und eine Infoveranstaltung für Kinder.
Die Zielsetzung der Stadt
Die geplante Drogenhilfeunterkunft an der Eisenstraße ist Teil des städtischen Projekts Sicherheit im Bahnhofsumfeld. Die Stadt, die Düsseldorfer Polizei und die Bundespolizei arbeiten hier gemeinsam daran, den öffentlichen Raum zu entlasten und aufzuwerten. Bisher stand vor allem der Worringer Platz im Fokus der Maßnahmen - dort hat die Stadt zuletzt viel mit einer Bürgerinitiative vor Ort zusammengearbeitet. Die Maßnahmen sollen langfristig die Situation im gesamten Bereich zwischen Worringer Straße, Zentralbibliothek und Eisenstraße (also alles um den Hauptbahnhof herum) verbessern. Neben Repression und konkreten Hilfsangeboten gehört laut Frau Koch auch die Idee, Kultur genau an diese Ort zu bringen, zum Maßnahmenkatalog. Im Gebäude der alten Zentralbibliothek soll beispielsweise bald eine neue Kulturstätte entstehen, heißt es. Darüber hinaus arbeitet die Stadt demnach an einer verbesserten Beleuchtung und setzt mehr Reinigungskräfte sowie mehr Sicherheitspersonal in diesen Bereichen ein. Das langfristige Ziel: Die Menschen aus dem öffentlichen Raum holen. Davon erwartet sich die Stadt nicht nur ein verbessertes Stadtbild, sondern auch eine Verhaltensänderung der drogenabhängigen Menschen - und damit auch eine Verbesserung ihrer Situation.
Das Konzept für die Eisenstraße
Das Konzept in der Einrichtung an der Eisenstraße soll künftig jenem der NUB an der Markenstraße ähneln (siehe unten). Bisher konnten in dem Gebäude, das derzeit noch unter anderem als Unterkunft für Seniorinnen und Senioren ohne festen Wohnsitz dient, bis zu 130 Menschen betreut werden. Zukünftig sollen es maximal 60 Personen sein. So soll laut Stadt sichergestellt werden, dass die anwesenden Menschen gut betreut werden können. Diese Betreuung soll demnach medizinische, psychiatrische, psychosoziale und existenzsichernde Angebote umfassen. Das Besondere: Den drogenabhängigen Menschen soll der Konsum und auch der Handel mit kleinsten Mengen in der Unterkunft erlaubt werden (siehe unten). Zum zeitlichen Ablauf ist bisher bekannt, dass die Unterkunft in der Eisenstraße bislang noch als Notunterkunft für den Winter genutzt wird - das werde auch bis März so bleiben. Danach sollen Umbaumaßnahmen starten: Zum Beispiel sollen die Fenster zum Innenhof in Richtung Lessinggymnasium von innen blockiert werden. Mit einer Nutzung der Räumlichkeiten als Drogenhilfezentrum ist erst ab Sommer zu rechnen.
Das "Düsseldorfer Modell"
Frau Koch strebt ein "Düsseldorfer Modell" an - also ein Modell, dass sich am Züricher Modell (siehe unten) orientiert, aber an Düsseldorf angepasst ist. Das Besondere: Der Konsum von Crack wird in den Unterkünften erlaubt. Auch den Handel mit kleinsten Mengen Crack will die Stadt innerhalb der Unterkünfte erlauben - zumindest für die Eisenstraße ist das aktuell in Planung (siehe unten). Insgesamt sollen vier Unterkünfte eingerichtet werden, die ein gemeinsames Hilfenetz in Bahnhofsnähe bilden. Die angedachten Unterkünfte sind laut Frau Koch neben der NUB das geplante Drogenhilfezentrum an der Eisenstraße, die bisherige Notschlafstelle für Frauen an der Friedrich-Ebert-Straße und die Notschlafstelle für Männer an der Graf-Adolf-Straße. Die Konzept der Notschlafstellen müsste demnach entsprechend angepasst werden.
Zentrale Kritikpunkte der Anwohnenden auf der Infoveranstaltung
Viele Anwohnende befürchten, dass die Einrichtung auf der Eisenstraße "Crack in die Nachbarschaft holt". Sie befürchten zudem eine zusätzliche Sogwirkung durch die Einrichtung, also dass crackabhängige Menschen extra wegen der Unterkunft nach Düsseldorf bzw. zur Eisenstraße kommen könnten. Insbesondere der Jugendschutz komme in dem von der Stadt anvisierten Konzept zu kurz - es wurde kritisiert, dass Frau Koch den Begriff nicht explizit in ihrem Vortrag aufgegriffen hatte. Denn von den crackabhängigen gehe eine besondere Gefahr aus, da Crack aggressiv mache und das insbesondere für Kinder bedrohlich sein könne, so die Befürchtung. Als problematisch schätzen viele Anwohnende zudem das Sicherheitskonzept ein. Konkret fragen sie sich, wie die Sicherheit rund um die Unterkunft an der Eisenstraße 24/7 sichergestellt werden soll. Ein weiterer Punkt, der bei der Infoveranstaltung und auch darüber hinaus häufig aufkam, ist der Vergleich mit der Flurstraße (siehe unten). Hier wird vor allem kritisiert, dass die Stadt zu langsam reagiert habe, als sich die Probleme im Zusammenhang mit der Unterkunft an der Flurstaße zeigten - das will man an der Eisenstraße nicht erleben. Die Sorge ist groß, dass der Handel nicht nur in der Unterkunft, sondern auch vor der Unterkunft stattfinden könnte. Insbesondere problematisch finden die Anwohnenden den Plan, den sogenannten "Ameisenhandel" in der Unterkunft zu erlauben. Denn das fördere die Beschaffungskriminalität im Umfeld der Unterkunft und habe eine zusätzliche Sogwirkung, so die Anwohnenden. Sie fordern die Verlegung der Drogenhilfeinrichtung an den Stadtrand - weit weg von Schulen, Kitas und Wohngebieten. Als konkreter Vorschlag wird ein Industriegebiet in Reisholz genannt.
Insgesamt zeigt sich, dass die Anwohnenden bereits jetzt mit der aktuellen Situation unzufrieden sind. Viele beschreiben Drogenhandel auf Spielplätzen, Abhängige auf Schultoiletten oder dass Kinder auf ihrem Schulweg beobachten, wie Drogen konsumiert werden. Die Sorge: All das könnte sich durch die Unterkunft weiter verschlimmern.
So hat Frau Koch auf die zentralen Kritikpunkte reagiert
Frau Koch betonte zunächst, dass die Droge Crack und auch die entsprechenden Probleme bereits im Umfeld des Hauptbahnhofs und damit auch an der Eisenstraße angekommen sind. Das zeigten die zahlreichen Beschreibungen bestehender Probleme durch Anwohnende. Die Stadt gehe davon aus, dass genau diese Probleme durch die Einrichtung in der Eisenstraße behoben oder zumindest reduziert werden. Auch das Jugendamt sei Teil der Beratungen gewesen und von dem Konzept überzeugt, so Koch. Ein möglicher Pullfaktor - also dass wegen der Einrichtung mehr drogenabhängige Menschen nach Düsseldorf kommen könnten - lässt sich laut der sogenannten "Szenestudie NRW" nicht belegen. Demnach kommen 80% der drogenabhängigen Menschen in Düsseldorf auch von hier und eine Szeneverlagerung über Stadtgrenzen hinweg ist unwahrscheinlich. Das Sicherheitskonzept für die Unterkunft und das Umfeld der Eisenstraße sei noch nicht final ausgearbeitet, so Koch. Der Grund: Erst wenn das Gebäude leer steht, wolle man mit einem Sicherheitsdienst die Räumlichkeiten begehen und dieser müsse dann den notwendigen Personalschlüssel festlegen. Im Umfeld der Unterkunft ist laut Koch eine verstärkte Präsenz von Polizei und Ordnungsamt geplant. Zudem sollen bessere Beleuchtung und zusätzliche Reinigungskräfte für Sicherheit und Sauberkeit sorgen. Frau Koch geht davon aus, dass in jedem Fall genug Geld für ausreichend Kräfte zur Verfügung stehen werde. Als Beispiel gibt sie an, dass im Haushalt für das Jahr 2025 lediglich 250.000 für das Projekt Sicherheit im Bahnhofsumfeld eingeplant waren - aber dennoch eine Million Euro ausgegeben wurden. Das Projekt sei ein Ziel des Oberbürgermeisters und daher gehe sie davon aus, dass die Gelder bereitstehen würden, so Koch. Den Vorwurf, an der Eisenstraße entstehe eine neue Flurstraße, weist Koch zurück - das sei ein komplett anderes Konzept gewesen und daher nicht vergleichbar (siehe unten). Die Flurstraße werde dennoch nicht geschlossen, sondern solle als Teil des städtischen Hilfenetztes weiterbestehen. Das Konzept müsse allerdings angepasst werden, auch das sei in Planung. Und Koch betont: Die Stadt sei an einem engen Austausch mit den Anwohnenden der Eisenstraße interessiert (so wie zuletzt am Worringer Platz) und "wenn die Einrichtung ihr Ziel, die Menschen von der Straße zu holen, nicht erfüllt, greife ich ein".
Im Hinblick auf den Plan, den Handel von kleinsten Mengen Crack in der Unterkunft zu erlauben, stimmt Koch den Anwohnenden zu, dass es hierfür keine Gesetzesgrundlage gibt. Das sei in Zürich allerdings genauso - und man sei sich dennoch behördenübergreifend einig geworden, um das Konzept umsetzen zu können. Deshalb waren offenbar bereits Düsseldorfer Polizistinnen und Polizisten in Zürich, um sich das dortige Modell anzuschauen und man befinde sich im Austausch, so Koch. Noch gebe es aber in der Tat keine Genehmigung. Die Frage, wie die Drogen für den sogenannten Ameisenhandel denn in die Unterkunft gelangen würden - also woher die Kleinstdealer das Crack dann hätten, ließ Frau Koch unbeantwortet. Bei der Sorge nach einer Zunahme der Beschaffungskriminalität im Umfeld der Einrichtung verwies Frau Koch auf die bereits bestehende Problematik - die Stadt erwartet hier keine Verschlechterung der Situation.
Zum Vorschlag der Anwohnenden, die Unterkunft am Stadtrand einzurichten, verwies Koch auf Michael Harbaum von der Düsseldorfer Drogenhilfe. Dem Experten zufolge ist eine Verlegung an den Stadtrand fachlich nicht sinnvoll und erfüllt den Zweck der Unterkunft nicht (siehe unten). Abschließend erkennt Frau Koch an, dass im Hinblick auf die Transparenz bei der Kommunikation Verbesserungsbedarf bestehe - man hätte die Infoveranstaltung früher durchführen können, so die Beigeordnete. "Aber ich glaube, wie hätten trotzdem die gleiche Diskussion geführt", so Koch. Sie sei überzeugt von dem Konzept und sehe darin eine Chance für die Verbesserung der Situation im Bahnhofsumfeld - auch für die Anwohnenden.
Unsere Berichterstattung vor der Infoveranstaltung
Das geplante Drogenhilfezentrum an der Eisenstraße
An der Eisenstraße in Oberbilk, nahe des Hauptbahnhofs, soll ein neues Drogenhilfezentrum entstehen. Bisher ist in dem Gebäude ein Seniorenheim für ehemals wohnungslose Menschen untergebracht. Das soll jetzt an die Hagener Str. in Gerresheim umgesiedelt werden. An der Eisenstraße soll dann eine Anlaufstelle für drogenabhängige, insbesondere crackabhängige, Menschen entstehen. Nach unseren Informationen soll diese möglichst niedrigschwellig sein. So sollen möglichst viele Menschen von den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern erreicht werden können. Das neue Drogenhilfezentrum zeichnet sich deshalb durch eine Besonderheit aus: Der Drogenkosum soll in den Räumlichkeiten der Eisenstraße 49 explizit erlaubt werden. Zusätzlich soll laut Düsseldorfer Drogenhilfe auch der sogenannte "Ameisenhandel" innerhalb der Räumlichkeiten des Hilfezentrums erlaubt werden. Das Ziel: Den Konsum und den Handel von der Straße holen und in die Nähe von Sozialarbeitenden und medizinischer Versorgung in einen sicheren Raum verlagern.
Konkrete Hilfsangebote in der Einrichtung
Nach aktuellem Informationsstand (03. Februar 11:00 Uhr) soll das neue Drogenhilfezentrum an der Eisenstraße rund um die Uhr geöffnet sein, um eine dauerhafte Anlaufstelle zu bieten. Auch die Möglichkeit, in der Unterkunft übernachten zu können, ist laut Sozialarbeiter Oliver Ongaro angedacht. In der Einrichtung soll es Lebensmittel, medizinische Versorgung und Beratungsangebote für die drogenabhängigen Menschen geben. Der Konsum und auch der Handel in kleinsten Mengen soller erlaubt werden, um die Verweildauer in der Einrichtung zu erhöhen. Das sei für eine gelingende Beratung essenziell, so Ongaro. Der Konsum solle so komplett abgeschirmt von der Öffentlichkeit stattfinden. Dafür brauche es noch bauliche Veränderung, etwa eine höhere Mauer um den Innenhof, damit dieser nicht mehr einsehbar ist - für mehr Schutz auf beiden Seiten der Mauer. Außerdem soll es einen Sicherheitsdienst geben. Wie der genau organisiert wird, ist allerdings Stand jetzt noch offen. Oliver Ongaro von fiftyfifty fasst die geplanten Angebote so zusammen:
Hintergrund: Das städtische Projekt "Sicherheit im Bahnhofsumfeld"
Das neue Drogenhilfezentrum ist als Teil des städtischen Projekts "Sicherheit im Bahnhofsumfeld" geplant. Ziel des Projekts ist es, wie der Name schon sagt, die Sicherheit für die Menschen im Bereich des Hauptbahnhofs zu verbessern. Das Projekt läuft seit rund eineinhalb Jahren, bislang mit eher repressiven Maßnahmen. So wurde bislang die Baugrube des Grand Central geräumt, in der sich wohnungslose Menschen angesiedelt hatten, und der Worringer Platz wurde so umgestaltet, dass der Aufenthalt für obdach- und wohnungslose Menschen weniger attraktiv ist. Zudem haben Polizei und Ordnungsamt hier ihre Präsenz erhöht. Das hat zu einer Verlagerung der Probleme vor die Zentralbibliothek geführt - jedenfalls in Teilen. Denn bislang wird den Menschen keine ausreichende Alternative geboten, die ihren Bedürfnissen entspricht.
Die Perspektive der Streetworker
Die Streetworker der Düsseldorfer Drogenhilfe, des Straßenmagazins fiftyfifty und Care24, die sich bislang um die Betreuung der Seniorinnen in der Eisenstraße 49 kümmern, hatten Ende Januar zum Gespräch gebeten. Sie alle sehen in der Einrichtung auf der Eisenstraße eine Chance, das Konzept der Stadt weiter auszubauen und einen echten Anlaufpunkt für schwer suchtkranke Menschen zu schaffen. Für sie ist klar, dass die "öffentliche Verelendung" auf den Straßen in den letzten Jahren sichtbarer geworden ist und dass es neue Aufenthaltsplätze braucht, um den öffentlichen Raum zu entlasten. Denn durch verschiedene Aspekte der Stadtplanung, auch durch das Projekt "Sicherheit im Bahnhofsumfeld" seien zuletzt Aufenthaltsflächen weggefallen - und neue, ungeplante Aufenthaltsorte entstanden. Häufig benannte Probleme wie Beschaffungskriminalität, die viele Anwohnende im Umfeld der Einrichtung befürchten, gebe es aktuell eh schon, genauso wie den Konsum, der aktuell im öffentlich Raum stattfindet. Es sei also wichtig, zu handeln - Repressive Maßnahmen seien aber erst dann sinnvoll, wenn man den Menschen eine sichere Alternative anbieten könne. Das entspricht - in deutlich kleinerer und angepasster Form - der Idee des sogenannten Züricher Modells.
Was ist das Züricher Modell?
Das „Züricher Modell“ in der Drogenhilfe meint einen pragmatischen Ansatz, mit dem die Stadt Zürich in den 1990er-Jahren erfolgreich gegen ihre offene Drogenszene vorgegangen ist. Ausgangspunkt war eine stark sichtbare offene Szene mit vielen Abhängigen im öffentlichen Raum - so ähnlich, wie die Probleme, die wir aktuell auch in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs beobachten. Das Besondere beim Züricher Modell ist die Kombination aus Hilfe und Kontrolle: Neben repressiven Maßnahmen gegen Drogenkonsum und -handel im öffentlichen Raum werden umfassende niedrigschwellige Angebote geschaffen. Dazu gehören etwa Konsumräume, medizinische Betreuung, Sozialberatung und Streetwork. Ein besonderer Aspekt ist, dass in diesen Einrichtungen unter bestimmten Voraussetzungen der Verkauf von Kleinstmengen (sogenannter Mikrohandel) toleriert wird. So sollen sich Szene und Konsum aus dem öffentlichen Raum in kontrollierte Räume verlagern. Für die Pläne an der Eisenstraße muss hier natürlich einschränkend ergänzt werden, dass es noch kein umfassendes System in ganz Düsseldorf gibt. Die Einrichtung an der Eisenstraße wäre die erste ihrer Art. Das Zusammenspiel aus Repression und Aufenthaltsflächen müsste also erst noch wachsen. Zudem werden auch die repressiven Maßnahmen im Züricher Modell von geschultem Fachpersonal durchgeführt - und es ist davon auszugehen, dass die ruhige Ansprache durch Streetworker anders wirkt, also ein möglicher Platzverweis durch das Ordnungsamt. Hier müssten also noch Lösungen gefunden werden.
Das Konzept der NUB in Oberbilk
Seit März 2024 gibt es bereits ein ähnliches Konzept, dass ebenfalls auf den kontrollierten Konsum setzt: Die Niedrigschwellige Unterbringungs- und Beratungseinrichtung (NUB) ist eine Einrichtung für schwerstabhängige obdachlose Menschen, in der ihnen der Konsum erlaubt wird. 40 Personen finden hier eine sichere Unterkunft, in der sie medizinische Betreuung und Beratung bekommen. Betti Tielker von Care24 betont, dass die Verwahrlosung bei Crack erheblich größer sei als bei anderen Drogen, weshalb ein medizinisch-pflegerisches Setting zwingend notwendig sei. Die NUB ist seit Dezember 2024 an ihrem neuen Standort an der Markensstraße in Oberbilk - Konflikte mit Anwohnenden sind nicht bekannt.
Der Unterschied zur Flurstraße
Die Drogenhilfeeinrichtung an der Flurstraße in Flingern wird immer wieder als Negativbeispiel vorgebracht. Denn vor der Praxis für Substition (die kontrollierte Gabe von Ersatzstoffen bei Drogensucht) kommt es regelmäßig zu Konflikten zwischen Anwohnenden und drogenabhängigen Menschen. Sie unterscheidet sich allerdings in einem zentralen Punkt von der geplanten Einrichtung an der Eisenstraße, betont: Das Hilfezentrum an der Flurstraße ist kein Konsumraum. Das heißt, dass dort in den Räumlichkeiten des Zentrums keinerlei Drogen konsumiert oder auch nur besessen werden dürfen. Das hat dazu geführt, dass sich der Konsum vielfach auf den Bereich vor die Einrichtung und damit auf die Straße verlagert hat. Das Konzept der Eisenstraße ist somit neu und mit der Erfahrungswerten der Flurstraße direkt vergleichbar. Oliver Ongaro von fiftyfifty fasst das so zusammen:
Wir wünschen uns einen konstruktiven Austausch
Oliver Ongaro betont, dass man die Sorgen der Anwohnenden sehr ernst nehme. Für ihn brauche es vor allem eine bessere Kommunikation. Er gibt an, man habe schon im Dezember auf die Schulen und Kitas im Umfeld der Einrichtung zugehen wollen - zuvor seien aber dann bereits die ersten Petitionen online gegangen und ein ruhiger, offener Austausch habe nicht mehr stattfinden können. Das solle sich aber ändern. Insbesondere mit den Schulen und Kitas im Umfeld wünsche man sich einen konstruktiven, gut organisierten Austausch - von dem beide Seiten profitieren könnten, so Ongaro. Und Michael Harbaum von der Düsseldorfer Drogenhilfe hat eine klare Antwort an alle Anwohnenden:
Die Perspektive der Anwohnenden
Fast 1.900 Menschen haben inzwischen (03. Februar 2026) eine Petition gegen Umsetzung des Drogenhilfezentrums an der Eisenstraße unterschrieben. Darüber hinaus haben unsere Redaktion mehrfach Nachrichten besorgter Anwohnderinnen und Anwohner erreicht. Auch die Eltern der Kinder, die im Umfeld des geplanten Zentrums zur Schule oder in die Kita gehen, sind besorgt. Was sie alle eint: Die Sorge, dass der Konsum und auch der Verkauf von Crack im Umfeld des Drogenhilfezentrums zunehmen werden. Die Sorge ist vor allem in dem Vergleich mit der Einrichtung in der Flurstraße begründet - von deren Konzept soll an der Eisenstraße bewusst abgewichen werden, um diese Auswirkungen zu verhindern.
Auch die Angst vor wachsender Beschaffungskriminalität ist groß - insbesondere durch eine mögliche Sogwirkung der Einrichtung. Michael Harbaum von der Düsseldorfer Drogenhilfe verweist diesbezüglich auf die "Dorgenhilfebefragung NRW". Demnach kommen 80% der Menschen, die in Düsseldorf Drogen konsumieren auch von hier - die befürchtete Sogwirkung aus anderen Städten sei damit wiederlegt, so Harbaum. Er betont: Wir haben in Düsseldorf keine gesicherten Vergleichswerte, weil es eine derartige Einrichtung noch nicht gibt.
Was bei allen Kritiken an der neuen Einrichtung ebenfalls deutlich wird: Die Menschen wünschen sich mehr Transparenz, insbesondere seitens der Stadt. Denn auch die Frage nach der Umsetzung des geplanten Sicherheitskonzepts ist weiter offen: Im Gespräch sind eine Art Quartiersmanager oder auch ein Sicherheitsdienst, aber welche Zuständigkeiten und Befugnisse damit verbunden wären, ist offen. Auch deshalb ist für Jens Hartmann von der Bürgerinitiative gegen die Einrichtung klar: Das Konzept lässt ist nicht ausreichend durchdacht:
In Zürich sprechen geschulte Fachkräfte, meist Sozialarbeitende, die Menschen auf offener Straße an und fordern sie auf, die Konsumräume zu nutzen. Derartig geschultes Personal gibt es in Düsseldorf bislang nicht. Wie diese Repression also hier in der Stadt aussehen soll, ist bisher unklar. Wie einige weitere Aspekte. Jens Hartmann sieht sich von Seiten der Stadt nicht ausreichend informiert:
Die Perspektive der Betroffenen
Zum Pressegespräch Ende Januar in der Eisenstraße sind nicht nur Streetworker erschienen - auch vier Betroffene möchten ihre Geschichte teilen. Pino, Heiko, Gisa und Sven sind ehemals drogenabängig und wohnungslos, konnten aber durch das Projekts "Housing First" inzwischen wieder eine Wohnung beziehen und sind clean.
Pino betont die Bedeutung eines geschützten Raumes, um Menschen wie ihn überhaupt zu erreichen. Er hat seit seinem 15ten Lebensjahr 30 Jahre lang Drogen konsumiert, davon fünf Jahre lang Crack - und er erinnert sich gut an die Scham, die er deshalb immer empfunden hat. Aus seiner eigenen Erfahrung weiß er, wie wichtig die Gespräche mit den Streetworkern sind. Denn "ein bisschen bleibt immer hängen, irgendwann macht man dann mal eine Entgiftung". Für diese Gespräche brauche es aber einen geschützten Raum, so Pino:
Pino ist inzwischen clean, sogar ohne Substitution und steht kurz davor einen neuen Job anzutreten.
Die Forderung, Konsumräume an den Stadtrand zu verlegen, lehnt er ab, weil sie viel zu weit weg seien. Das Crack brenne einem die Hose durch, bis man dort angekommen sei. Es brauche deshalb Anlaufstellen, die gut erreichbar sind. Das bestätigt auch Michael Harbaum von der Düsseldorfer Drogenhilfe:
Gisa ergänzt, dass die bisherigen Konsumräume, die es gibt, "aus allen Nähten" platzten. Außerdem seien das keine sicheren Räume, in denen man sich aufhalten wolle. Zudem sei in der Eisenstraße 49 früher die Drogenabteilung der Kriminalpolizei untergebracht gewesen - diese Historie solle man nicht außer Acht lassen. In der Nähe gebe es zudem eine Substitutionspraxis, die keinerlei Aufschrei in der Bevölkerung ausgelöst habe und auch keine Probleme mache. Die Sorgen der Anwohnenden nimmt sie ernst, sagt sie, sie verstehe aber die Argumentation nicht: Denn es sei ja gerade das Ziel, die Kinder zu schützen, indem der Konsum von der Straße in sichere Räume verlegt wird. Deshalb fragt sie abschließend: Was wäre, denn wir's nicht machen? Denn die Droge werde sich weiterverbreiten - und niemand wolle Frankfurter Ausmaße in Düsseldorf, so Gisa.
Fazit
Was vor allem deutlich wird: Es sind noch einige Fragen offen. Den aktuellen Stand der Dinge bei der bisherigen Planung hat Oliver Ongaro aber ganz passend zusammengefasst:
Die Argumentation von Anwohnenden, Stadt, Streetworkern und Betroffenen hat eines gemeinsam: Der öffentliche Raum soll sicherer werden, insbesondere für Kinder. Es zeigt sich, dass es vor allem einen konstruktiven Austausch und gegenseitiges Verständnis braucht. Denn klar ist: Es muss eine Lösung gefunden werden, die von Betroffenen angenommen wird und dabei das Umfeld der Eisenstraße nicht zusätzlich belastet.
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Autorin: Julia Trompeter
