1. Test: Sascha - Rotisserie & Bar

Eintrag vom Donnerstag, 19. September 2013

Das Men├╝:

Selleries├╝ppchen mit Stippe

oder

Bouillabaise mit Greyerzer, Rouille, Cro├╗tons

Landpastete mit Aprikosen, Salatbouquet

Muschelragout mit Linguinis

oder

Geschmorter Tafelspitz vom Auerochsen mit lauwarmen Kartoffelsalat

Zitronengras-Griesflammerie mit Beerenkonfit├╝re

Der Test:

Es geht loooooos! Leute, ich hab so Bock drauf, auch wenn’s hart wird und der Bauch am Ende wieder ├╝ber dem Hosenbund h├Ąngt. Mein erster Test steht unter dem Motto “Heimisches Gl├╝ck”. Das klingt gut heute. Ein langer Arbeitstag geht zuende und heimisches Gl├╝ck klingt vertraut und nah. Das brauche ich jetzt. Und der Mann, der mir das gibt, hei├čt Sascha Cohen. Der Chef am Herd in Saschas Rotisserie & Bar. Ich war schon einige Male dort und ehrlich, ich kann es nicht mehr h├Âren, wenn jemand sagt: “Das war ja mal ne Imbissbude!” So what? Damit hat das Restaurant beim besten Willen nix mehr zu tun. Ganz im Gegenteil: Es hat Charme und Atmosph├Ąre. Ein k├╝nstlerisches Kleinod ist daraus geworden, in dem franz├Âsisch-deutsch gekocht wird. Ich find’s super. Fehlt also nur noch, dass mich auch das Men├╝ bei der Tour jetzt ├╝berzeugt. Vier G├Ąnge erwarten mich und meine Begleitung.

Als Vorspeise die Wahl: “Selleries├╝ppchen mit Stippe” oder “Bouillabaise mit Greyerzer, Rouille, Cro├╗tons”. Eigentlich hatte ich mich auf die Bouillabaise eingeschossen, mein Begleiter steht aber derma├čen auf Fischsuppe, dass ich ihm den Vortritt lasse und zwecks Beurteilung beider Speisen das Selleries├╝ppchen nehme. Ich gebe zu, etwas missmutig, weil mich allein vom Namen her Sellerie nicht ganz so anmacht wie Bouillabaise. Aber: Gott sei Dank! - Nein, nein, nicht dass Sie meinen, die Bouillabaise sei schlecht gewesen. Ganz im Gegenteil!!! Ich habe noch nie jemanden so schnell eine Suppe ausl├Âffeln sehen wie mein Gegen├╝ber. Dazu gab’s Schmatz-, St├Âhn- und Grunzlaute. Ich durfte zumindest probieren. Gro├če Klasse! Aber dieses Selleries├╝ppchen war eine kleine Sensation. So unspektakul├Ąr wie das Gericht klingt, so spektakul├Ąr war es. Die m├╝ssen Sie essen! Am liebsten h├Ątte ich mich wie Obelix in diesen Zaubertrank geschmissen. Auf jeden Fall also Daumen hoch f├╝r beide Suppen!

Jetzt bin ich nicht so der Pasteten-Fan, um es mal verhalten auszudr├╝cken. Im Normalfall geht man ja auch dort essen, wo einem das ganze Men├╝ auf den ersten Blick zusagt. Ich nicht - ich w├╝rfel die Restaurants quer durch, wenn die Tour ansteht. Insofern bleibt mir nichts anderes ├╝brig, als die “Landpastete mit Aprikosen und Salatbouquet” zu probieren.

Noch ehe ich den ersten Bissen zu mir nehmen kann, hat meine Begleitung die komplette (!) Landpastete verdr├╝ckt. Gut, ich habe auch mehr gequatscht als er, aber irgendwie fand ich das fast unheimlich. Ich also: “Hast du soooo einen gro├čen Hunger?” Er: “├ľh. N├Â. Aber die ist unfassbar lecker!” Also traue ich mich jetzt auch. Was soll ich sagen? Daf├╝r, dass ich Pastete ├╝berhaupt nicht mag, war die verdammt lecker. Ich habe die H├Ąlfte aufgegessen. Normalerweise kann ich nach dem ersten Bissen nicht mehr schlucken! Kein Scherz. Insofern: Wenn mich jemand dazu bekommt, etwas zu essen, was mir v├Âllig gegen den Strich geht - Hut ab! Die andere H├Ąlfte meiner Landpastete verschwindet ungef├Ąhr genauso schnell im Bauch meines Begleiters… Der schw├Ąrmt in den h├Âchsten T├Ânen: “Genauso muss sie sein! Nein, sie ist noch besser als genauso!”

Beim Hauptgericht wieder die Qual der Wahl. Ich stehe seit meinem Sardinienurlaub total auf Nudeln mit Muscheln. Hier gibt es jetzt “Muschelragout mit Linguinis”. Normalerweise w├╝rde ich mich direkt drauf st├╝rzen. Aber die Alternative, die klingt genauso verlockend: “Geschmorter Tafelspitz vom Auerochsen mit lauwarmem Kartoffelsalat”. Was macht man da nu? Ich will beides! Also wieder Kompromiss. Der Mann an meiner Seite nimmt das Muschelragout, ich den Tafelspitz. Das sieht beides optisch nicht nur aus wie ein Gedicht, es ist es auch. Das Muschelragout, sagt mein Begleiter, ein Traum. Und das hier ist der Tafelspitz:

foto-tafelspitz-gedreht.jpg

Das Fleisch ist butterzart, die Sauce wahnsinnig aromatisch. Wow. Ich hab’s immer noch auf der Zunge. Der Kartoffelsalat mit den Gurken dazu hat was sehr erfrischendes. Geschmacklich passt hier alles wie f├╝r einander geschaffen. Saulecker. Wir trinken dazu ├╝brigens ein Fl├Ąschchen Grauburgunder. Auch der ist toll. Eigentlich bin ich schon satt. (Mein Magen weitet sich erst nach dem dritten Restaurant…) Aber Dessert geht ja immer: “Zitronengras-Griesflammerie mit Beerenkonfit├╝re”. Super. Mal nichts zuckers├╝├čes. Perfekter Abschluss. Knapp 40 Euro kostet die Reise ins “Heimische Gl├╝ck” und ist jeden Cent wert. F├╝r mich ist Sascha Rotisserie nach wie vor eine absolute Entdeckung. Er hinter’m Herd und der Laden an sich haben was positiv Wildes. Ich mag das. Ich kann es nicht erkl├Ąren, aber es gibt mir so ein Gef├╝hl,…. hmm, vielleicht wie bei guten Freunden zu essen, die alle an der Kunstakademie studieren. Auch wenn das f├╝r Sie jetzt keinen Sinn ergibt: Das Men├╝ ist super!

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hat diesen Eintrag am 19. September 2013 um 10.09 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.