Essen vor dem Müll retten – so können Sie sich in Düsseldorf dafür einsetzen

Jedes achte gekaufte Lebensmittel wird weggeworfen. Durchschnittlich  sind das 82 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr- und das bei jedem von uns. Darauf macht das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit seiner Kampagne „Zu gut für die Tonne“ aufmerksam. Immer mehr Unternehmen wollen sich engagieren und entwickeln beispielsweise Apps, mit denen jeder von uns helfen kann, achtsamer mit Lebensmitteln umzugehen.

Lebensmittelverschwendung zieht große negative Folgen für unsere Umwelt mit sich: Ressourcen, wie Wasser, Land und Transportmittel werden sinnlos verbraucht. Auch ethisch und wirtschaftlich ist das achtlose Wegwerfen bedenklich, denn viele Menschen in ärmeren Teilen der Welt hungern und Preise steigen, wenn immer mehr Lebensmittel gekauft werden. Hochgerechnet auf ganz Deutschland landen trotzdem 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich im Müll. Dem wollen viele Unternehmen und Initiativen entgegensteuern. Wir stellen einige von ihnen vor, die in unserer Stadt vertreten sind.

Too Good to Go: die Betreiber der App haben es sich unter dem Slogan „Teller statt Tonne!“ zum Ziel gemacht, die sinnlose Verschwendung von Lebensmitteln der Vergangenheit angehören zu lassen.  Nach Log-In und Eingabe eines Ortes im Suchfeld erscheinen Restaurants,Cafés & Co die mitmachen. Durch einen Klick auf das ausgewählte Restaurant kann man sehen, ob es dort noch Essen abzuholen gibt. Eine Übersichtskarte ist außerdem auch mit dabei. Sobald man über die App für kleines Geld einen Gutschein gekauft hat, ist die Abholung einer Foodbox im Restaurant möglich. Alles was noch da ist und was man haben möchte, darf vor Ort in die Box gepackt werden. In Düsseldorf machen bereits über 15 Lokale mit- Tendenz steigend.

RESQ: Auch mit dieser App kann man Überreste vorm Wegschmeißen bewahren und gleichzeitig für wenig Geld leckere Mahlzeiten bekommen. Ähnlich wie bei To good to Go  bieten Restaurants übrig gebliebene Portionen an. Orte in der Nähe werden auch hier auf einer Liste und einer Karte angezeigt. Praktisch: es ist möglich, das Essen nach der Online-Bezahlung bis zu einem bestimmten Zeitraum zu reservieren, sodass es nicht sofort abgeholt werden muss. Rund 40 Betriebe in Düsseldorf sind schon mit dabei.

Mealsaver: Eine weitere App, die die Lebensmittelverschwendung stoppen möchte. Auch hiermit lässt sich übrig gebliebenes Essen bei Restaurants bestellen und zu einem vereinbarten Zeitpunkt abholen. Außerdem kann man sich vor Ort je nach Lust und Laune eine Foodbox aus den Essensresten zusammenstellen. Somit kombiniert die App die Methoden von To Good to Go und RESQ. Das Berliner Start-Up betreibt auch einen passenden Blog rund um das Thema Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Lebensmittelachtsamkeit. Bisher machen allerdings fast nur Restaurants in Berlin mit. 1-2 Kooperationspartner sind es aber auch schon in unserer Stadt.

 

Auch Menschen, die kein Smartphone besitzen, können sich für Lebensmittelachtsamkeit engagieren.

Die Initiative Foodsharing hat es sich seit Mai 2013 zur Aufgabe gemacht, der Verschwendung von Lebensmitteln ein Ende zu setzen. Nach Anmeldung auf der Seite ist man „Foodsharer“ (Essensteiler). Das bedeutet, dass man private Essenskörbe mit anderen Mitgliedern teilen, oder auch von ihnen abholen kann.  Sobald Essen übrig ist, sei es von der letzten Party oder weil ein Urlaub bevorsteht, kann online aufgeschrieben werden, was zu verschenken ist. Nach Erstellung erscheint der Essenskorb auf einer Übersichtskarte und kann anschließend von anderen aus der Community angefragt werden. Abschließend wird ein Treffpunkt ausgemacht, an dem das Essen zu einem bestimmten Zeitpunkt angeholt werden kann.

Eine weitere Möglichkeit der Initiative sind die „Fair-Teiler“- Orte, an denen übrig gebliebene Lebensmittel abgelegt und mitgenommen werden können. Oft sind das Kühlschränke, aber auch Regale oder sogar Fahrräder! Sie werden auf der gleichen digitalen Karte angezeigt wie die Essenskörbe.  Auf der Seite wird dokumentiert, was momentan im jeweiligen Fair-Teiler zu finden ist. In Düsseldorf gibt es beispielsweise das Fairteiler-Fahrrad Frieda Fielfraß in Derendorf, den Umsonst-Laden in Oberbilk, das Fridolin Fielfraß – Foodsharing-Fahrrad in Düsseldorf-Mitte und den HHU Givebox-Fairteiler an der Universität.  Das Tausch-Prinzip gilt hier übrigens nicht: wer etwas benötigt und herausnimmt, muss nicht unbedingt wieder etwas hineinlegen. So sollen überschüssige Lebensmittel genau dahin verteilt werden, wo sie gerade gebraucht werden.

„Foodsaving“ bietet eine andere Chance zum Mitmachen. Sogenannte Foodsaver (Essensretter), die sich mithilfe der bereitgestellten Dokumente informiert haben, können sich bei kooperierenden Unternehmen überschüssige Lebensmittel abholen. Diese dürfen behalten und privat weitergegeben werden. Die Reste werden als Essenskörbe auf die Seite gestellt oder an gemeinnützige Organisationen, wie beispielsweise Tafeln und Suppenküchen, verteilt. Darüber hinaus ist es möglich, betriebsverantwortlicher Foodsaver zu werden, der den Austausch zwischen Unternehmen und Foodsavern koordiniert.

Und auch im eigenen Kühlschrank kann man noch Essen vor dem Wegwerfen retten

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft informiert  auf einer eigenen Homepage der Kampagne „Zu gut für die Tonne umfassend über das Thema Lebensmittelverschwendung. Eine mobile App ist zudem verfügbar. Sie enthält zum Beispiel Rezept-Vorschläge, wie man seine Reste noch sinnvoll verwerten kann. Auf der Homepage gibt es außerdem viele Infos rund um die Folgen, die Lebensmittelverschwendung für Umwelt und Wirtschaft hat. Für ihr Engagement gegen Lebensmittelverschwendung wurden im Namen der Initiative bereits vier Bundespreise und Förderpreise an die besten Projekte verliehen.