Taktisch wählen und was sind Erst- und Zweitstimme

Der Countdown läuft – die Bundestagswahl steht vor der Tür. Wen muss man wählen, wenn man bestimmte Koalitionen verhindern will? Und, wie war das nochmal mit Erst- und Zweitstimme?

Taktisch wählen, geht das diesmal?

Prinzipiell geht das, aber es ist viel schwieriger geworden. Weil die nächste Bundesregierung vermutlich aus drei Parteien gebildet werden wird. Man hat aber nur zwei Stimmen: Die Erst- und die Zweitstimme. Das Schwierige daran ist, dass man bisher taktisch für eine konkrete Zweier-Koalition wählen konnte. Wenn man als Wähler eine Koalition aus CDU und FDP angestrebt hat, dann hat man mit der Erst-Stimme den Direktkandidaten gewählt, der die besten Chancen hat. Das war bisher immer der Kandidat oder die Kandidatin der größeren Partei - also CDU. Und mit der Zweitstimme die FDP - schon hatte man taktisch gewählt. Das wird nahezu unmöglich jetzt. Was aber möglich wird: so wählen, dass man eine bestimmte Partei oder einen bestimmten Kanzlerkandidaten verhindert.

Das Prinzip ist simpel: man wählt die Parteien, die bestimmte Dinge schon ausgeschlossen haben. Nehmen wir mal die drei Spitzenkandidaten von Union, SPD und Grünen: Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock. Wenn man sich jetzt vorgenommen hat, Armin Laschet als Kanzler zu verhindern, dann gibt es drei Parteien, die man wählen kann: Die Linke, die AfD und die SPD. Alle drei Parteien werden nicht proaktiv dazu beitragen, dass Laschet Kanzler wird. Mit Linke und AfD will Laschet sowieso nichts zu tun haben und dass die SPD wieder in eine Große Koalition mit der Union geht, ist so gut wie ausgeschlossen.

Olaf Scholz als Kanzler in der Wahlkabine zu verhindern ist sehr schwierig - die einzige Chance ist, CDU wählen. Alle anderen Wahlkonstellationen haben eher das Potenzial, Olaf Scholz als Kanzler möglich zu machen. Und Annalena Baerbock durch taktisches Wählen versuchen zu verhindern geht, wenn man SPD oder CDU wählt. Übrigens, weil das im Wahlkampf oft eine Rolle gespielt hatte: Wer Rot-Rot-Grün verhindern will, der hat mehr Optionen, als nur CDU zu wählen. Als Wählerin oder Wähler hat man die Option die SPD zu stärken, oder die Grünen oder die FDP, weil die ja auch noch miteinander koalieren könnten. Aber klar, der klassische Weg gegen Rot-Rot-Grün wäre: CDU wählen.

Wie läuft das mit der Erst- und Zweitstimme?

Mit der Erststimme wählt man konkrete Direkt-Kandidaten, die fast jede Partei für einen Wahlkreis aufstellt. Also man wählt Personen. Mit der Zweitstimme wählt man die Partei und die Liste, die dahintersteht. Hier werden Parteien gewählt. Und damit, vereinfacht gesagt, auch das direkte prozentuale Verhältnis der Parteien im Bundestag zueinander.

Das bedeutet, dass man mit der Zweitstimme eher eine kleinere Partei wählen sollte, wenn man will, dass diese viele Sitze im Bundestag bekommen. Das hat damit zu tun, dass die kleineren Parteien eher selten ein Direktmandat über die Erst-Stimme holen. Da sind dann doch die Kandidaten von CDU und SPD in vielen Fällen gesetzt. 

Stimme einfach ungültig machen?

Offiziell gehörst man nicht zu den Nicht-Wählern, wenn man den Stimmzettel ungültig gemacht hat, weil man sich beteiligt hat. Das ist auch ein Statement. Aber eigentlich ist damit niemandem so richtig geholfen. In der Tat machen das aber einige Leute: Die werfen die Zettel unangekreuzt in die Wahlurne oder unterschreiben ihn. Ein Selfie in der Wahlkabine auf dem man sehen kann, wo die Kreuzchen gemacht wurden, ist übrigens verboten, weil das ein Verstoß gegen das Wahlgeheimnis ist.

(Text: José Narciandi)