
Neue Regeln für Strom in Düsseldorf: Was ihr wissen müsst
Düsseldorf wächst - und das Stromnetz kommt an seine Grenzen. Die Netzgesellschaft Düsseldorf führt neue Vergaberegeln ein. Für die meisten Haushalte ändert sich nichts.
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Autor: Philipp Klees
Düsseldorf wächst - und mit der Stadt wächst der Strombedarf. Vor allem große Neuansiedlungen wie Rechenzentren fordern das Stromnetz zunehmend. Die Netzgesellschaft Düsseldorf (NGD) hat deshalb ein neues Vergabeverfahren für besonders große Stromanschlüsse eingeführt. Für 97 Prozent aller Haushalte und Betriebe in Düsseldorf ändert sich dabei nichts. Wer aber einen sehr großen Stromanschluss benötigt, muss sich auf neue Regeln einstellen.
Wen betreffen die neuen Strom-Regeln in Düsseldorf?
Die neuen Regeln betreffen nur sehr große Stromanschlüsse ab 3,5 Megavoltampere, zum Beispiel für Rechenzentren oder große Energiespeicher. Haushalte, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur und die meisten Gewerbebetriebe sind nicht betroffen.
- Nicht betroffen: Haushalte, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur und die meisten Gewerbeanschlüsse - das sind rund 97 Prozent aller Anschlussanfragen.
- Nicht betroffen: klassische Industriebetriebe sowie neue Wohn- und Gewerbegebiete - diese werden weiterhin unkompliziert bedient.
- Betroffen: ausschließlich Großanschlüsse oberhalb von 3,5 Megavoltampere - etwa Rechenzentren oder große Energiespeicher.
Warum kommt das Düsseldorfer Stromnetz an seine Grenzen?
Das Netz kommt an seine Grenzen, weil einzelne Großprojekte extrem viel Leistung anfragen, vor allem Rechenzentren. Nach Angaben der Netzgesellschaft steigen diese Anfragen seit 2025. Ein einzelner Großanschluss kann zeitweise so viel Strom brauchen wie ein ganzer Stadtteil, etwa Benrath. Das eigentliche Problem sind dabei nicht die üblichen Zusatzbedarfe durch Industrie oder Wohngebiete, sondern einzelne Großprojekte mit extrem hohem Leistungsbedarf im Hochspannungsnetz. Wie groß diese Projekte sein können, macht ein Vergleich greifbar: Ein einzelner Großanschluss kann zeitweise so viel Strom benötigen wie ein ganzer Stadtteil - etwa Benrath. Das hat uns Stefan Nykamp gesagt. Er ist einer der Geschäftsführer der Netzgesellschaft Düsseldorf.
Heute entstehen sehr schnell neue, extrem große Bedarfe. In Düsseldorf beispielsweise steigen seit 2025 die Anfragen für besonders leistungsintensive Projekte an, insbesondere eben für Rechenzentren. Einige dieser Projekte erreichen Größenordnungen, die einen erheblichen Anteil der gesamten Düsseldorfer Stadtlast ausmachen. Wichtig: Es sind eben nicht nur die Industriebetriebe oder viele Wärmepumpen oder Wallboxen, die für die aktuellen Herausforderungen sorgen, sondern eben vor allem einzelne Großprojekte mit extrem hohen Leistungsanforderungen.
Die Summe aller angefragten Großanschlussleistungen übersteigt die aktuell verfügbaren Kapazitäten im Hochspannungsnetz deutlich. Düsseldorf steht damit nicht allein: Nach Angaben der Netzgesellschaft stehen auch andere große Stadtnetzbetreiber in Deutschland vor denselben Herausforderungen.
Mir ist wichtig, direkt zu Beginn klarzustellen, dass unser Stromnetz alle aktuellen Anforderungen von Kunden erfüllt. Zusätzliche Bedarfe im klassischen Rahmen, wie zum Beispiel von Industrie oder für neue Wohn- und Gewerbegebiete, werden unkompliziert bedient. Was uns allerdings vor große Herausforderungen stellt, ist ein sprunghafter Anstieg von Anschlusswünschen mit extremem Leistungsbedarf, vor allem im Hochspannungsnetz. Das geht tatsächlich auch allen anderen großen Stadtnetzbetreibern so. Daher schaffen wir neue Kapazitäten und werden diese dann fair verteilen.
Was ist das Windhundprinzip - und warum reicht es nicht mehr?
Beim Windhundprinzip wird zuerst bedient, wer zuerst fragt. Bei normalen Anschlüssen funktioniert das problemlos. Bei Projekten mit extrem hohem Strombedarf lassen sich die Kapazitäten so aber nicht mehr fair und vorausschauend verteilen.
Bei den Anfragen handelt es sich vor allem um Großanschlüsse oberhalb von 3,5 Megavoltampere. Damit lässt sich in bestimmten Zeiten ein ganzer Stadtteil wie Benrath versorgen. Darunter, unter dieser Leistungsgrenze, befindet sich das Massengeschäft der Netzanschlüsse. Wir können so beispielsweise aktuell 97% aller Anschlussanfragen erfüllen, die eben unter dieser Leistungsgrenze sind. Bei den verbleibenden 3% der Anfragen müssen wir haushalten, weil die Summe der angefragten Großanschlussleistungen deutlich größer ist als die verfügbaren Kapazitäten im Hochspannungsnetz.
Wie funktioniert das neue Vergabeverfahren für Großanschlüsse?
Große Anschlussanfragen werden künftig gebündelt und zu festgelegten Zeitpunkten bewertet, abhängig von der freien Netzkapazität. Die Netzgesellschaft ermittelt diese Kapazität jedes Jahr neu, spätestens zum 1. September. Für 2026 sind aktuell keine freien Kapazitäten für Großanschlüsse verfügbar.
Das neue Verfahren verfolgt dabei vier Ziele:
- Faire und diskriminierungsfreie Verteilung vorhandener Kapazitäten
- Gleichbehandlung aller Anfragen
- Frühzeitige Planungssicherheit für Antragsteller
- Langfristige Sicherung der Versorgungssicherheit
Unser Ziel ist es, vorhandene Kapazitäten fair und diskriminierungsfrei zu verteilen, alle Anfragen gleich zu behandeln und frühzeitig Planungssicherheit für die Kunden zu schaffen. Das bisherige Prinzip war: Wer zuerst kommt, wird zuerst berücksichtigt. Und diese stößt nun eben an seine Grenzen. Mit dem neuen Verfahren werden große Netzanschlussverfahren künftig gebündelt und zu festgelegten Zeitpunkten bewertet. Grundlage ist die dann immer verfügbare Netzkapazität. Das Verfahren gilt für Großanschlüsse von mehr als 3,5 Megawatt und damit für einen sehr kleinen Teil der Anfragen.
Ist die Stromversorgung in Düsseldorf noch sicher?
Ja. Nach Angaben der Netzgesellschaft ist die Versorgung für Haushalte und Unternehmen nicht gefährdet. Die Regeln betreffen nur die Frage, ob zusätzliche, extrem große Verbraucher neu ans Netz angeschlossen werden können. Die bestehende Versorgung für Haushalte und Unternehmen bleibt davon vollständig unberührt.
Versorgungssicherheit hat für uns immer oberste Priorität. Die hier angesprochene Thematik bezieht sich ausschließlich auf die Frage, ob zusätzliche extrem große Verbraucher in das Stadtgebiet von Düsseldorf neu angeschlossen werden können. Die bestehende Stromversorgung für Haushalte und Unternehmen ist nicht gefährdet.
Für Privathaushalte, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur und die meisten gewerblichen Anschlüsse ändert sich nichts. Das betrifft dann rund 97% aller Anfragen, die damit von dem Verfahren gar nicht betroffen sind.
Lohnt sich ein Antrag auf einen Großanschluss trotzdem?
Ja, Anträge können jederzeit gestellt werden, auch wenn aktuell keine Kapazitäten frei sind. Sie werden im nächsten Vergabezeitraum berücksichtigt und helfen der Netzgesellschaft bei der Planung des künftigen Bedarfs.
Die Anträge können jederzeit gestellt werden und sind uns sehr wichtig, damit wir den künftigen Bedarf kennen. Wir gehen dann eben auch mit den Kunden in die Einzelgespräche. Die Anträge berücksichtigen wir in den nächsten Vergaberunden und berücksichtigen dabei aber den kontinuierlichen Ausbau unserer Kapazitäten.
Netzausbau: 800 Millionen Euro für mehr Kapazität
Netzausbau in einer gewachsenen Großstadt wie Düsseldorf ist komplex, langfristig geplant und genehmigungsintensiv. Trotzdem treibt die Netzgesellschaft den Ausbau intensiv voran. Das Ziel: Die Netzkapazität in Düsseldorf soll bis Mitte der 2030er-Jahre nahezu verdoppelt werden. Geplant sind unter anderem neue Umspannanlagen, die Erweiterung von Hochspannungssystemen sowie Investitionen in Mittel- und Niederspannungsnetze und die Digitalisierung der Netzinfrastruktur.
Wir investieren massiv in den Ausbau des Stromnetzes. Dazu gehören neue Umspannanlagen, der Ausbau von Hochspannungssystemen oder auch Mittel- und Niederspannungsnetzen und die Modernisierung und Digitalisierung der Netzinfrastruktur. Unser Ziel ist es, die Netzkapazität bis Mitte der 2030er Jahre nahezu zu verdoppeln. Dafür werden wir etwa 800 Millionen Euro in die Hand nehmen.
Allein 2026 investiert die Netzgesellschaft rund 80 Millionen Euro in das Düsseldorfer Stromnetz. In den kommenden Jahren sollen die Investitionen auf einen dreistelligen Millionenbetrag steigen - über zehn Jahre plant die Netzgesellschaft insgesamt rund 800 Millionen Euro für die Stromnetzinfrastruktur ein.
Allein in den kommenden 10 Jahren werden wir etwa 800 Millionen Euro für die Stromnetzinfrastruktur investieren. Das zeigt, mit welcher Entschlossenheit wir die Voraussetzungen für Wachstum und Transformation schaffen.
Was ist flexibles Lastmanagement - und wie hilft es kurzfristig?
Weil der Netzausbau Zeit braucht, prüft die Netzgesellschaft parallel Übergangslösungen. Dazu gehören flexible Netzanschlussvereinbarungen und verbessertes Lastmanagement: Unternehmen können zum Beispiel vereinbaren, ihre volle Leistung nicht jederzeit abzurufen oder ihren Strombezug in Zeiten geringerer Netzauslastung zu verlagern - etwa in die Nacht.
Ja, und genau solche Modelle prüfen wir derzeit in Zusammenarbeit mit den Kunden. Unternehmen können beispielsweise vereinbaren, ihre volle Leistung nicht jederzeit abzurufen oder ihren Strombezug stärker in Zeiten mit geringer Netzauslastung, wie zum Beispiel nachts, zu verlagern. So ließen sich zusätzliche Spielräume schaffen, um mehr Großanschlüsse zu ermöglichen.
Folgen für Unternehmen: Anschlussleistung nicht immer sofort verfügbar
Die Netzgesellschaft räumt offen ein, dass die aktuelle Situation für Unternehmen und für die Stadt selbst eine Belastung darstellen kann. Für Betriebe mit sehr großem Leistungsbedarf bedeutet das konkret: Anschlussleistungen sind nicht immer sofort verfügbar.
Für Unternehmen mit sehr großem Leistungsbedarf kann die Situation derzeit eine Herausforderung sein, weil Anschlussleistungen nicht immer sofort verfügbar sind. Umso wichtiger sind transparente Vergaberegeln und ein beschleunigter Netzausbau. Unser Ziel bleibt, Düsseldorf als attraktiven Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln und die nötige Infrastruktur bereitzustellen.
Umso wichtiger seien nach Einschätzung der Netzgesellschaft transparente Vergaberegeln und ein beschleunigter Ausbau - damit Düsseldorf auch künftig ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleibt.
Das Fazit der Netzgesellschaft
Die Stromversorgung in Düsseldorf ist stabil. Gleichzeitig reagiert die Netzgesellschaft mit einem neuen Vergabeverfahren und massiven Investitionen auf das starke Wachstum der Stadt. Für Privathaushalte und die meisten Betriebe ändert sich nichts. Nur bei den ganz großen Stromkunden wird jetzt genau geprüft, wie begrenzte Kapazitäten im Hochspannungsnetz fair verteilt werden.
Die Stromversorgung in Düsseldorf ist stark und zuverlässig. Gleichzeitig investieren wir so stark wie noch nie zuvor in den Ausbau unserer Netze, damit Düsseldorf weiter so erfolgreich wächst, sich neue Unternehmen hier ansiedeln und wir gemeinsam die Transformation erfolgreich gestalten können.
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
- Betroffen: nur Anschlüsse ab 3,5 Megavoltampere - rund 3 Prozent aller Anfragen
- Nicht betroffen: 97 Prozent aller Anschlüsse (Haushalte, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur, Gewerbe)
- Für 2026: keine freien Großkapazitäten verfügbar - Anträge trotzdem sinnvoll
- Kapazitätsprüfung: jährlich, spätestens zum 1. September
- Investition 2026: rund 80 Millionen Euro
- Geplante Investition in zehn Jahren: rund 800 Millionen Euro
- Ziel: Verdopplung der Netzkapazität bis Mitte der 2030er-Jahre
- Auch andere Großstadt-Netzbetreiber in Deutschland stehen vor denselben Herausforderungen


