
Mikrocars in Düsseldorf im Check
Immer mehr Mikrocars rollen durch Düsseldorf. Bundesweit wuchs der Bestand in drei Jahren um fast 80 Prozent. Was steckt hinter dem Trend - und worauf solltet ihr achten?
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Autor: Philipp Klees
Immer mehr Mikrocars in Düsseldorf: Was ihr wissen müsst
Sie fallen auf, wenn man genau hinschaut: kleine, geschlossene Fahrzeuge, die durch Düsseldorfs Straßen rollen und auf den ersten Blick wie ein kompaktes Stadtauto wirken - aber deutlich langsamer sind. Mikrocars, auch Mopedautos genannt, sind auf dem Vormarsch. Bundesweit wuchs ihr Bestand in nur drei Jahren um fast 80 Prozent. Was hinter dem Trend steckt, was diese Fahrzeuge können - und wo ihre Grenzen liegen - haben wir beim ADAC Nordrhein nachgefragt.
Klein, langsam, vierrädrig: Was ein Mikrocar ist
Ein Mikrocar ist im Kern ein Moped mit vier Rädern und einem Dach. Gesetzlich gelten diese Fahrzeuge als Leichtkraftfahrzeuge: Sie haben maximal 6 Kilowatt Leistung und dürfen höchstens 45 km/h fahren. Damit sind sie kein Ersatz für ein Auto auf der Autobahn - wohl aber für kurze Alltagswege in der Stadt, etwa zur Schule, zur Ausbildung oder zum Einkaufen.
Gefahren werden darf ein Mikrocar bereits ab 15 Jahren. Nötig ist dafür die Führerscheinklasse AM. Hier steckt allerdings eine Besonderheit: Die Fahrausbildung und Prüfung für die Klasse AM finden in der Regel auf einem Zweirad statt. Wer die Prüfung besteht, darf anschließend aber ein vierrädriges Fahrzeug steuern - das sich in Fahrverhalten und Handling grundlegend von einem Motorroller unterscheidet. Der ADAC empfiehlt deshalb ausdrücklich, zusätzlich ein Fahrtraining mit dem eigenen Mikrocar zu absolvieren.
Fast 80 Prozent mehr in drei Jahren
Die Nachfrage nach Mikrocars steigt spürbar. Nach aktuellen Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) waren Ende 2025 bundesweit rund 46.000 Mikrocars haftpflichtversichert - Ende 2022 waren es noch knapp 26.000.
Ja, nach aktuellen Zahlen des GDV waren Ende 2025 rund 46.000 Mikrocars haftpflichtversichert. Ende 2022 waren es noch knapp 26.000. Der Bestand ist damit innerhalb von 3 Jahren um fast 80 % gewachsen. Das zeigt, noch sind Mikrocars eine Nische, aber eine deutlich wachsende.
Wie viele dieser Fahrzeuge davon in Düsseldorf unterwegs sind, lässt sich nicht beziffern. Stadtspezifische Zulassungszahlen werden laut Stadt nicht erhoben, der GDV erfasst nur bundesweite Daten.
Sicherheit: Mehr Schutz als ein Roller - aber kein Vergleich zum Pkw
Wer in einem Mikrocar sitzt, sitzt angeschnallt in einer geschlossenen Fahrgastzelle. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber einem Roller: Bei einem Unfall wird man nicht unmittelbar auf die Straße geschleudert. Damit ist das Schutzpotenzial eines Mikrocars grundsätzlich höher als das eines Zweirads.
Mit einem normalen Pkw ist ein Mikrocar beim Unfallschutz aber nicht zu vergleichen. Für Leichtfahrzeuge gelten keine gesetzlichen Mindestanforderungen an die Crashsicherheit, wie sie für normale Autos vorgeschrieben sind. ADAC-Tests zwischen 2006 und 2018 zeigten teils erhebliche Schwächen: bei der Fahrstabilität im Ausweichtest ebenso wie bei der Sicherheitsausstattung. Airbags sind selten serienmäßig, ABS gibt es nur bei einzelnen Herstellern - und teilweise nur gegen Aufpreis.
Ein Microcar vermittelt zwar optisch das Gefühl, dass man in einem Auto sitzt, beim Unfallschutz ist es aber mit einem normalen PKW nicht zu vergleichen. Für diese Fahrzeuge gelten nicht dieselben gesetzlichen Anforderungen an die Crashsicherheit. Außerdem haben ADAC-Tests gezeigt, dass es da durchaus Schwächen bei Fahrstabilität und Sicherheitsausstattung gibt. Gegenüber einem Roller hat das Microcar trotzdem einen Vorteil: Man sitzt angeschnallt in einer geschlossenen Fahrgastzelle und wird beim Unfall nicht unmittelbar auf die Straße geschleudert. Also ein Mikrocar schützt besser als ein Roller, erreicht beim Unfallschutz aber längst nicht das Niveau eines normalen Autos.
Ein weiteres Risiko entsteht durch die Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h. Im Stadtverkehr ist das kein Problem. Außerorts und bei Dunkelheit kann der Geschwindigkeitsunterschied zu anderen Fahrzeugen jedoch gefährlich werden: Ein Mikrocar sieht aus wie ein normales Auto - wer sich mit 70 oder 100 km/h von hinten nähert, unterschätzt den Unterschied schnell. Längere Fahrten auf Landstraßen und Nachtfahrten empfiehlt der ADAC deshalb ausdrücklich nicht.
Das Dach hat seinen Preis: Was ein Mikrocar kostet
Günstiger als ein Roller ist ein Mikrocar nicht. Im Gegenteil: Neue Modelle starten laut ADAC bei rund 8.000 Euro. Viele Fahrzeuge kosten deutlich mehr als 10.000 Euro, einige bis zu 20.000 Euro. Hinzu kommen laufende Kosten für Versicherung sowie Energie oder Kraftstoff. Kfz-Steuer und Hauptuntersuchung fallen dagegen nicht an.
Wer ein Mikrocar kauft, zahlt gegenüber einem Roller vor allem für zwei Dinge: vier Räder und ein wetterfestes Dach. Wer diese Vorteile nicht zwingend braucht, fährt mit einem Roller in der Regel deutlich günstiger.
ADAC fordert gesetzliche Mindeststandards
Aus Sicht des ADAC besteht politischer Handlungsbedarf. Der Verband fordert, dass der Gesetzgeber auch für Leichtkraftfahrzeuge verbindliche Mindestsicherheitsanforderungen einführt - vergleichbar mit denen für normale Pkw. Fahrzeuge, die wie kleine Autos aussehen und bereits von 15-Jährigen gefahren werden dürfen, sollten bei Fahrstabilität und Insassenschutz nicht hinterherhinken. Die Hersteller bräuchten stärkere Anreize, bessere Sicherheitstechnik einzubauen.
Also unser zentraler Punkt ist auch, für diese Leichtfahrzeuge brauchen wir gesetzliche Mindestsicherheitsanforderungen. So ein Fahrzeug, das wie ein kleines Auto aussieht und auch von 15-Jährigen gefahren werden darf, sollte bei der Sicherheit nicht unnötig hinterherhinken. Die Hersteller müssen deshalb stärkere Anreize bekommen, bessere Sicherheitstechnik einzubauen. Gerade bei Fahrstabilität und Insassenschutz sehen wir erheblichen Verbesserungsbedarf.
Für Düsseldorf gilt: Wer ein Mikrocar für den Alltag in der Stadt in Betracht zieht, sollte die Einschränkungen bei Sicherheit und Kosten kennen. Als wettergeschützte Lösung für kurze Stadtfahrten kann das Fahrzeug seinen Zweck erfüllen - für alles darüber hinaus ist es nicht gemacht. Antenne Düsseldorf bleibt für euch am Thema dran.


