Kommission empfiehlt, 12 Straßen umzubenennen

Wir könnten uns bald an neue Straßennamen in Düsseldorf gewöhnen müssen. Eine Kommission aus Wissenschaftlern von der Mahn- und Gedenkstätte und dem Stadtarchiv hat im Auftrag der Stadt fast 100 Straßennamen untersucht. Sie schlägt jetzt vor, 12 Straßen umzubenennen. Darunter sind zum Beispiel die Wissmannstraße in Unterbilk, die Porschestraße in Flingern und die Petersstraße in Urdenbach. Ihre Namensgeber sind zum Beispiel durch Antisemitismus, Nationalsozialismus und Kolonialismus belastet. Fast zwei Jahre lang haben die Wissenschaftler an den Gutachten gearbeitet.

© v. l. n. r.: Benedikt Mauer (Stadtarchiv) und Sebastian Fleermann (Mahn- und Gedenkstätte) mit dem Abschlussbericht

Die Wissenschaftler haben drei Kategorien gebildet, für die Kategorie A empfehlen sie eine Umbenennung, die Namensgeber der Kategorie B gelten als diskussionswürdig und die der Kategorie C als unkritisch.

Im Rahmen der Arbeit des Beirates wurden zu 79 Persönlichkeiten Gutachten angefertigt© Landeshauptstadt Düsseldorf/David Young
Im Rahmen der Arbeit des Beirates wurden zu 79 Persönlichkeiten Gutachten angefertigt
© Landeshauptstadt Düsseldorf/David Young

Folgende Straßen wurden zur Umbenennung empfohlen (Kategorie A):

Pfitznerstraße: Hans Erich Pfitzner (1869-1949), deutscher Komponist, Dirigent und Autor

Petersstraße: Dr. Carl Peters (1856-1918), deutscher Kolonialpolitiker und Afrikaforscher

Wissmannstraße: Hermann von Wissmann (1853-1905), deutscher Offizier, Kolonialbeamter und Afrikaforscher; Reichskommissar

Porschestraße: Ferdinand Porsche (1875-1951), deutscher, österreichischer und tschechoslowakischer Automobilkonstrukteur und Unternehmer

Münchhausenweg: Börries Freiherr von Münchhausen (1874-1945), deutscher Lyriker; Senator der Deutschen Akademie der Dichtung

Lüderitzstraße: Franz Adolf Eduard von Lüderitz (1834-1886), deutscher Kaufmann; Kolonialist

Woermannstraße: Adolph Woermann (1847-1911), deutscher Kaufmann und Großreeder; Kolonialist

Leutweinstraße: Theodor Leutwein (1849-1921), deutscher Kolonialpolitiker; Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe und Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika

Schlieffenstraße: Alfred Graf von Schlieffen (1833-1913), preußischer Generalfeldmarschall

Wilhelm-Schmidtbonn-Straße: Wilhelm Schmidt(bonn) (1876-1952), deutscher Schriftsteller und Dramatiker

Heinz-Ingenstau-Straße: Heinz Ingenstau (1910-1971), deutscher Jurist; Stadtdirektor von Düsseldorf

Hans-Christoph-Seebohm-Straße: Hans-Christoph Seebohm (1903-1967), deutscher Politiker und Ingenieur; Bundesminister für Verkehr und Vizekanzler der BRD


Infos zu Ferdinand Porsche

Ferdinand Porsche zum Beispiel gilt als der Autobauer der Nazis als belastet. Er war tief in das NS-Regime verstrickt. Porsche hat zum Beispiel persönlich KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter für seine Werke angefordert - auch aus dem KZ Auschwitz - oder er hat eine „Ausländerkinder-Pflegestätte“ errichten lassen, in der rund 300 Kleinkinder ums Leben kamen. Auch nach der Befreiung vom Nationalsozialismus hat er keine Einsicht gezeigt. Damit könnte die Porschestraße in Flingern einen neuen Namen bekommen. Ein anderes Beispiel ist die Petersstraße in Unterbach. Benedikt Mauer vom Stadtarchiv erklärt, warum der Name belastet ist:

© Antenne Düsseldorf

Wisschenschaftler berücksichtigen Gesamtlebensleistung

Die Wissenschaftler betonen aber auch, dass sie sich immer die "Gesamtlebensleistung" der Namensgeber angeschaut und auch nach entlastenden Momenten gesucht haben. Ein Beispiel ist Joseph Beuys (Kategorie C): Er war zwar in der Hitlerjugend und der Wehrmacht, hat sich aber später in seinem Leben als Demokrat hervorgetan, so dass er entlastet werden konnte.

Zu den 12 Straßennamen, bei denen die Historiker eine Umbenennung empfehlen, kommen nochmal rund 25 Straßennamen in Kategorie B, die die Wissenschaftler für diskussionswürdig halten. Sie raten, die Namen zumindest durch eine Erklärtafeln zu ergänzen. Darunter ist zum Beispiel die Wagnerstraße, die nach dem Komponisten Richard Wagner benannt wurde. Er gilt als glühender Antisemit.

Die Wagnerstraße in Stadtmitte©
Die Wagnerstraße in Stadtmitte
©

Heute (23. Januar 2020) wurden die Gutachten den Kulturpolitikern vorgestellt. Ob Straßen neue Namen bekommen, muss der Stadtrat entscheiden.

Weitere Infos

So wurden die Straßennamen kategorisiert:

http://www.duesseldorf.de/fileadmin/Amt13/presseanhang/2001/200123Kategorisierung_Strassennamen.pdf

Die Gutachten der Kategorie A:

http://www.duesseldorf.de/fileadmin/Amt13/presseanhang/2001/200123Gutachten_Kategorie_A.pdf

Der gesamte Abschlussbericht:

http://www.duesseldorf.de/fileadmin/Amt13/presseanhang/2001/200123Abschlussbericht_Strassennamen.pdf

 

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