Der Griff an die Macht - Was treibt Laschet da?

Die Union ist nicht stärkste Kraft geworden. Trotzdem wollen sie mit den Grünen und FDP über eine mögliche Koalition verhandeln. Ein verzweifelter Versuch von Armin Laschet?

© Land NRW / Mark Hermenau

Nach der Bundestagswahl laufen schon erste offizielle Gespräche über eine Regierungsbildung: Grüne und FDP haben sich getroffen. Und auf den Fotos die in den sozialen Netzwerken verbreitet werden sieht man: Die scheinen sich ganz gut zu verstehen. Die SPD will den beiden "kleineren" Parteien jetzt Gespräche anbieten - und auch die Union - also CDU und CSU. Letzteres nur, weil Armin Laschet das unbedingt will. Und das erscheint irgendwie verzweifelt, vor allem wenn man auf eine Yougov-Umfrage blickt. Demnach ist die Mehrheit der Deutschen dafür, dass Laschet von allen Ämtern zurücktritt.

Man muss sich fragen, was macht Laschet da?

Warum hält Armin Laschet so sehr daran fest, doch noch irgendwie Kanzler zu werden, obwohl er mit der Union ein schlechteres Wahlergebnis eingefahren hat, als die SPD? Was wir da gerade erleben, das ist ein Kampf ums politische Überleben, denn entweder er wird Kanzler oder gar nichts. Laschet hat einmal gesagt, sein Lebensmotto sei, "Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist". Und für ihn ist das Rennen ums Kanzleramt noch nicht gelaufen. Erst, wenn das wirklich vorbei ist, also SPD, Grüne und FDP eine Ampelkoalition geschmiedet haben, wird er von der Hoffnung ablassen, Jamaika bilden zu können und Kanzler zu werden. 

Erweckt er den Eindruck, da weiß einer nicht, wann man in Würde aufhören sollte?

Schlechte Umfragen, Kritik, man könnte meinen, Armin Laschet, weiß nicht wann er aufgeben muss. Das kann man so sehen, aber Laschet ist bekannt, dass er sich von Umfragen, von Kritik von Gegnern da nicht so leicht aus dem Konzept bringen lässt. Man könnte das auch anders sehen: Da kämpft jemand wirklich bis zum Schluss für das, woran er glaubt. Und man könnte auch sagen: Respekt, der Mann kann echt was wegstecken, der Mann hat Nerven und hält Kurs auch wenn der Wind mal so richtig von vorne weht. Allerdings halten in der CDU immer weniger zu Laschet: Es haftet der Beigeschmack des Verlierers an ihm und deshalb gibt es klare Absetzbewegungen. Rational ist das aber nicht. Denn: Es gibt ja die realistische Chance, dass die Union zusammen mit der FDP und den Grünen eine Regierung bilden können. Das ist mehr als nur ein Hirngespinst von Armin Laschet. Laschet hat eine Nähe zu den Grünen und zur FDP sowieso. Und eben weil es diese Chance noch gibt, wird Laschet von seiner Partei nicht abgeräumt.

Wer hat den Kanzlerkandidaten geschadet?

Laschet werden viele Fehler im Wahlkampf angekreidet. Da sei der Grund für das schlechte Abschneiden der CDU. Und ja, natürlich hat der Lacher im Flutgebiet viel Sympathie gekostet. Aber bisher hat sich kaum jemand in der CDU öffentlich getraut zu sagen, dass Markus Söder von der Schwesterpartei CSU dem Wahlkampf massiv geschadet hat durch sein ständiges Sticheln. Da hat die SPD ein ganz anderes Bild abgeliefert, die sind geschlossen aufgetreten. Bei der CDU muss echt noch viel aufgearbeitet werden und die meisten laufen gerade ziemlich kopflos herum.

(Text: José Narciandi)

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