Schweinejagd im Bananenfeld

Eintrag vom Sonntag, 30. Mai 2010

Schuhe aus, leise sein, lauschen, in absoluter Finsternis ein paar Schritte weiter barfuß über den trockenen, harten Ackerboden gehn. War da was? Ein Rascheln? Ein Grunzen? Taschenlampe an, Gewehr in die richtige Richtung - und? Fehlalarm, nur eine Ratte.

So begann ein aussergewöhnlicher Abend mit meinem Supervisor aus der Bananen-Crew. Er hatte mich zum Jagen eingeladen. Pete wohnt 25 Kilometer ausserhalb von Tully, Queensland, wo ich derzeit im Hostel wohne, auf dem Gelände der Bananenfarm. Allein, mit seinen drei Hunden und drei Katzen auf einem kleinen Berg. Rundherum ist eine Kuh - und  eine Pferdewiese. Idylle pur. Mit seinem Jeep sind wir in Richtung Bananenfelder gefahren, sein Gewehr, eine Taschenlampe  und die Digitalkamera im Gepäck. Als er das Licht des Autos ausgemacht und geparkt hat, mitten im Feld, wurds mir schon ein bisschen mulmig, weil ich wirklich die Hand vor Augen nicht gesehen hab. Aber da ich die Umgebung von der täglichen Arbeit kenne, konnte ich mich zumindest ein bisschen orientieren. Nach einem halbstündigen Fußmarsch durch die Felder hat Pete das erste Mal die Taschenlampe angeknipst. Die Stille wurde von einem Rascheln durchbrochen. Im Lichtkegel der Lampe - nichts.

Ein- bis zweimal die Woche geht er jagen, für seine Tiefkühltruhe und die Fressnäpfe seiner Hunde. Doch heute scheinen wir kein Glück zu haben. Auf dem Rückweg reden wir ein bisschen lauter, haben die Hoffnung fast aufgegeben. Ich habe das Gefühl, dass er enttäuschter ist als ich, denn er wollte mir ja unbedingt zeigen, wie diese Jagd erfolgreich funktioniert.

Fast am Auto angekommen höre ich, dass er stehenbleibt. Und direkt neben uns höre ich ein lautes Grunzen und Hufe auf dem trockenen Boden.er knipst die Lampe an und im Lichtkegel steht die Sau mit ihrem Ferkel. Keine zwei Sekunden später drückt Pete ab und der Knall zerreisst die Stille des Bananenfeldes. Nachladen - noch ein Schuss. Treffer. Die schwarz-rosa Schweine liegen zuckend auf dem Boden, beide tödlich am Kopf getroffen. Zufrieden schiessen wir ein paar Fotos, hieven die Kadaver auf die Ladefläche des Jeeps und fahren zurück. Jetzt beginnt die Arbeit. Aufschneiden, zerteilen. Die Hunde sind in freudiger Erwartung, ich schaue staunend zu, wie Pete routiniert und ohne viel Blutvergiessen das Fleisch verarbeitet.

Am nächsten Tag gab es dann für mich noch eine Premiere. Schweinerücken in Champignon-Rahm-Sauce. Fast zwei Stunden habe ich die Hostelküche in Anspruch genommen und bin mit dem Ergebnis immernoch zufrieden. Diese Woche gibt es den Rest, denn rund zwei Kilo Schweinefleisch liegen noch in meinem Fach in der Tiefkühltruhe. Dass ich meine erste Wildschweinjagd in einem australischen Bananenfeld machen werde, hätte ich mir auch nie träumen lassen.

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Rob hat diesen Eintrag am 30. Mai 2010 um 8.50 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.