Ich brauche Schlaf, Schlaf, Schlaf!

Eintrag vom Samstag, 6. Oktober 2007

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Ich bin fix und fertig. Ich werde noch zum Experten in Langstreckenfahrten! Innerhalb von sechs Tagen bin ich nun zweimal 20 bzw. 26 Stunden im Greyhound-Bus zuerst nach Broome und jetzt nach Exmouth gefahren. Ich habe eine kleine Odyssee hinter mir, und nun sehne ich mich nur noch nach Schlaf. Warum?

Gestern Morgen fuhr ich in Broome um 8 Uhr morgens los. Die 20-stündige Fahrt nach Exmouth sollte ich mit Lesen, Musikhören und unzähligen Versuchen verbringen, eine bequeme Schlafposition zu finden. Die Landschaft bot nicht viel Abwechslung: rote Erde, schroffes Gebirge und vertrocknete Vegetation. Als wir durch die Dunkelheit fuhren, erkannte ich in der Ferne und teilweise nahe des Highways lodernde Buschfeuer.

Zahlreiche waghalsige Känguruhs, Vögel und Rinder hielten den Fahrer und uns Mitfahrenden mit ihren plötzlichen Überquerungsversuchen der Strasse wach. Für einige von ihnen waren wir leider zu schnell. Um etwa 2 Uhr morgens musste ich den Bus wechseln. Nicht aber etwa an einer beleuchteten Busstation, wo sich auch andere Leute aufhielten. Ich hielt es zuerst fuer einen Scherz, als der Fahrer mir zurief, dass hier - an einer einsamen, dunklen Highway-Kreuzung inmitten der Wildnis - Endstation für mich sei. Hier sollte in einer halben Stunde ein anderer Bus vorbeifahren und mich aufsammeln, um mich dann innerhalb von einer Stunde an mein Ziel nach Exmouth zu fahren.

So stand ich da, mutterseelenallein im Dunkeln. Rundherum nichts als Gebirge und Flachland. Es war kalt. Noch letzte Woche hatte ich in Darwin bei knapp 40 Grad geschwitzt, und nun stand ich mitten in der Nacht bibbernd da und sehnte mich nur nach einem warmen Bett. Ich wickelte meinen Schlafsack um mich. Wenigstens sah ich einen atemberaubenden Sternenhimmel und manch eine Sternschnuppe.

Dem Busfahrer war es sichtlich unangenehm, mich da allein stehen zu lassen, aber er musste weiter. Die weiteren Fahrgäste wollten schließlich weiter. Netterweise schrieb er sich meine Handynummer auf - er wollte einfach nur sichergehen, dass ich hier nicht zu lange ausharren musste. Gut, dass ich Empfang hatte - und das ist ironisch gemeint! Tatsächlich tauchten in der Ferne irgendwann die Scheinwerfer des anderen Busses auf.

Um 4.15 Uhr war wieder Endstation. Diesmal an einer geschlossenen Tankstelle. Klar, um 4.15 Uhr morgens hat nichts auf - auch nicht die Rezeption meiner Jugendherberge. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich wieder in meinen Schlafsack zu packen und auf den Tankwart und die Öffnung des Cafés zu warten.

Nun ist es mittags. Ich schreibe diese Zeilen zu Ende und werde dann ein wenig Schlaf nachholen. Wer aber meint, dass ich vom Reisen genug hätte, der irrt sich. So hat sich zum Beispiel die lange Fahrt nach Broome gelohnt. Es ist ein kleines Städtchen im Norden Westaustraliens mit gerade mal 14.000 Einwohnern, und dennoch kennt jeder Australier diesen Ort. Broome ist das Synonym für Outdoor-Action und kilometerlange, weisse, breite Sandstrände. Das türkisfarbene Wasser lädt jeden bei rund 38 Grad zu einem erfrischenden Bad ein, und abends sieht man hier gemeinsam mit kamelreitenden Familien, Pärchen und Musikern einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Das Stadtzentrum - Chinatown - ist klein und übersät mit Juweliergeschäften, die sich alle auf eins spezialisiert haben: Perlen. Broome wurde in den 1880-er Jahren von japanischen Unternehmern als Zentrum der Perlenfischerei aufgebaut. Etwa hundert Jahre lang zog die Aussicht auf gute Bezahlung und Reichtum chinesische Händler und Perlentaucher an. Diese sollten später durch indigene Sklaven ersetzt werden. Während einer interessanten Tour in einem Perlenfischerei-Museum erfuhr ich mehr über die inhumanen Arbeitsbedingungen, Ausrüstungen und viele Todesgründe der Taucher. Hier wird übrigens auch die größte und teuerste australische Perle aufbewahrt: mit 31 Millimetern Durchmesser und einem Wert von 180.000 australischen Dollar. Heute haben Zuchtfarmen das Perlentauchen auf offener See abgelöst.

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Marité Schulte-Trux hat diesen Eintrag am 6. Oktober 2007 um 10.00 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.