Der Staat im Staate

Sachen gibt’s, die gibt’s nicht! Wer wusste, dass es innerhalb Australiens ein weiteres Land gibt? Der wusste dann mehr als ich. Natürlich wollte ich der Sache auf den Grund gehen und mir das unabhängige Hutt River Province Principality näher ansehen. Aufgrund ständiger Steuererhöhungen und Zwist mit der westaustralischen Regierung entschied sich der Bauer Len Casley 1970, ein unabhängiges Fürstentum zu gründen. Das Resultat: die Entstehung eines 75 Quadratkilometer grossen Territoriums, das Prinz Leonard und Prinzessin Shirley seit nun mehr als 30 Jahren ihr Eigen nennen.

Dort angekommen wurde ich von Seiner (selbst ernannten) Hoheit persönlich in Empfang genommen und über das Gelände geführt. Ich hatte mir weit mehr von einem Fürstentum versprochen als nur einen heruntergekommenen Bauernhof. Aber immerhin: Angeblich hat es 13.000 Einwohner, ein eigenes Postamt, Militär und eine eigene Verfassung. Überall waren Bilder des Prinzen und der Königsfamilien, Medaillen und Briefe von Rittersorden aus aller Welt zu sehen. Mein erster Gedanke: Der Typ kann echt gut mit Photoshop umgehen!

Zum Abschluss bekam ich noch neben mein australisches Visum einen weiteren Stempel in meinen Pass. Verrückte Geschichte, oder? Ich frage mich noch immer, ob man Prinz Leonard und sein unabhängiges Fürstentum ernst nehmen kann!? Die australische Regierung “toleriert” es angeblich.

Inzwischen bin ich in Perth angekommen. Von hier aus werde ich mit einem Mietauto den Südwesten des Landes erkunden, der vom kühleren Klima und von der üppigen Vegetation her völlig anders ist als das, was ich in den vergangenen Monaten zu sehen bekommen habe.

27. Oktober 2007, Marité Schulte-Trux

Maggie, die Große

Darf ich vorstellen: Maggie, die Große! Maggie ist unser neuer Zuwachs und ganzer Stolz im Haibecken von Ocean Park. Sie misst ganze drei Meter und bringt 250 Kilo auf die Waage. Respekt und Ehrfurcht - das sind die Gefühle, die bei ihrem Anblick aufkommen. Haie in Aquarien zu beobachten, ist eine Sache, aber live beim Fang eines Tigerhais dabei zu sein, ist eindeutig ein unvergessliches Erlebnis!

Nach nur rund einer Stunde auf unserem kleinen Fischerboot brach Hektik aus. Plötzlich musste alles ganz schnell gehen: Die Boje, an der eine schmackhafte Makrele befestigt war, spielte verrückt. Mit einem Blick wussten meine beiden Kollegen: Das ist ein riesiger Tigerhai! Schnell wurde das 40 Meter lange Seil näher ans Boot gezogen, der Anker gelichtet, das Boot langsam in Richtung Ufer gesteuert und der Hai ins seichte Wasser der Bucht gezogen.

Erst, als wir vor dem Tier standen, es befreiten und ins Haibecken befördern wollten, sahen wir, was uns für ein riesiges und wunderschönes Tier “ins Netz” gegangen war. Außer dem relativ großen Haken waren weder ein Netz noch Betäubungsmittel im Spiel gewesen! Es verlangte fünf Leute und all unsere Kraft, um den Hai vom Ufer erst einmal auf einer Bahre auf eine Sanddüne hinaufzuschleppen und dann ins Haibecken zu befördern. Wir hechelten die Düne hinauf. Es war heiß, und der Hai musste auf schnellstem Wege ins Wasser.

Besucher klatschten, und wir atmeten erleichtert auf, als sich das neue Ocean-Park-Mitglied zunächst leicht desorientiert, aber dennoch wohlauf im Becken befand. Sie ist bei weitem der größte Hai und wird wohl in den nächsten Monaten bis zu ihrer erneuten Freilassung unsere Hauptattraktion sein.

Es dauerte nicht lange, bis ich den perfekten Namen für sie fand: Nach all der Anstregung belohnten wir uns mit einem Magnum-Eis. Dank meiner verbleibenden Lateinkenntnisse leitete ich von “Magnus, der Große” den Namen “Maggie, die Große” ab.

20. Oktober 2007, Marité Schulte-Trux

Besuch im Haifischbecken

Haie, Stachelrochen, Seeschlangen, Schildkröten und viele andere bunte Meerestiere waren es, die mich vor vielen Jahren fast dazu bewogen haben, Meeresbiologie zu studieren. Nun habe ich für eine Woche in Ocean Park, einem Marinetierpark in Shark Bay, die Möglichkeit, Meeresbiologen über die Schulter zu schauen und selbst anzupacken. Während interessanter und lehrreicher Führungen erfahren die Besucher mehr über all die in der Shark Bay vorkommenden Meeresbewohner.

Die Hauptattraktion sind eindeutig die Haie, unter anderem ein Tigerhai, aber auch die giftigen Seeschlangen und Stachelrochen gehören dazu. Ständig fahren die Mitarbeiter aufs Meer hinaus, um neue Meerestiere einzufangen oder sie nach einigen Monaten Gefangenschaft wieder zu befreien. So soll es auch in Bälde dem drei Meter langen Tigerhai ergehen. Nach fünf Monaten im grossen Haibecken soll er durch einen neuen ersetzt werden. Zu dritt werden wir hinausfahren - ich bin mehr als gespannt und aufgeregt, dabei sein zu dürfen!

Man muss allerdings nicht weit aufs Meer hinausfahren, um eine Vielfalt an Fischen und Haien vorzufinden. Selbst vom Ufer aus kann man im seichten Wasser in 15 Meter Entfernung die grossen, dunklen Umrisse von Haien erkennen. In den kommenden Sommermonaten wird es hier nur von Haien wimmeln. Daher kommt auch der Name “Shark Bay” (Haibucht).

Und wie kann ich mich als Wwoofer in Ocean Park einbringen? Ganz einfach: Aquarien und Becken von außen und innen säubern, die Tiere füttern, bei Reparaturarbeiten und auch im Café behilflich sein. Angeblich soll auch bald wieder das Haibecken gesäubert werden. Das heißt, ein paar Taucher werden sich unter die Zitronen-, Riff- und Tigerhaie mischen müssen. Würde ja liebend gerne mit von der Partie sein … mal sehen ob ich nächste Woche über ein neues Abenteuer berichten kann!

13. Oktober 2007, Marité Schulte-Trux

Ich brauche Schlaf, Schlaf, Schlaf!

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Ich bin fix und fertig. Ich werde noch zum Experten in Langstreckenfahrten! Innerhalb von sechs Tagen bin ich nun zweimal 20 bzw. 26 Stunden im Greyhound-Bus zuerst nach Broome und jetzt nach Exmouth gefahren. Ich habe eine kleine Odyssee hinter mir, und nun sehne ich mich nur noch nach Schlaf. Warum?

6. Oktober 2007, Marité Schulte-Trux