Klosterhof - Bistro im Maxhaus / Preiskategorie II

Eintrag vom Montag, 8. März 2010

Ich bin dann mal weg. Obwohl: Ich glaube nicht, dass Hape Kerkeling
das alles auf seiner Pilgerreise gegessen hat. Das war nämlich ein
5-Gang-Jakobsweg-Menü, das ich da verspeist habe. Im Maxhaus, dem
ehemaligen Franziskaner Kloster am Maxplatz. Dort gibt es nämlich seit
neuestem auch ein Restaurant: Den Klosterhof. Und zur Tour de Menu
werden dort kulinarische Spezialitäten entland des Jakobsweges
aufgetischt.

Das Ambiente ist schon außergewöhnlich. Man sitzt nämlich
mitten im Atrium. Das Dach komplett verglast, so dass man abends sogar
in den Sternenhimmel blicken kann. Aus den Fenstern rund herum entlang
des Kreuzgangs fällt grünliches Licht in den Raum. Richtig schön. Ein
Sekt vorweg. Wir können starten: “Confierte Ente auf baskischem,
kleinem, feinem Bohneneintopf”. Das Beste an einer Ente ist ja die
Haut, finde ich. Die muss richtig schön knusprig sein. Deswegen bin
ich auch skeptisch, weil diese hier eher wabbelig aussieht.
Seltsamerweise kann die aber richtig was. Überhaupt kein komisches
Gefühl im Mund. Ganz im Gegenteil. Die Ente mit der Sauce und den
Bohnen - eine tolle Kombination. Irgendwie süßlich und dann doch
wieder deftig. Macht Spaß! Was noch mehr Spaß macht, ist der Wein
dazu. Ein weißer Spanier, der wunderbar leicht und fruchtig ist.
Überhaupt sind es ganz tolle spanische Weine, die das mediterrane Menu
begleiten. Es folgt “Jakobsmuschel auf schwarzem Reis im bunten
Algenbett und roter Paprikareduktion”. Himmel, wie das aussieht auf
dem Teller. Was für Farben. Der schwarze Reis, die grünen Algen, die
orangefarbene Paprikasauce und die helle Jacobsmuschel. Eine
Augenexplosion. Geschmacklich auch fast. Einziges Manko: Die Muschel
hätte länger gekonnt. Ein bisschen zu weich und zu labberig. Und der
Reis war eher ein Risotto. Trotzdem kitzelt die Kombination mit den
Algen den Gaumen. Die geben dem Gang das gewisse Etwas.

Das fehlt mir zunächst beim “Atlantik-Kabeljaurückenfilet auf der Haut
gebraten in Kräuter-, Olivenkruste und Auberginentörtchen mit Iberico
Käse-Aromen”. Der Fisch eher nichtssagend, langweilig. Bis, ja bis ich
ihn mit einem Streifen vom Iberico-Käse belege. Auf einmal knallt es
im Mund. Jetzt passt es. Toll. Richtig gut. Und die Portionen sind
wirklich perfekt. Man ist vor dem Hauptgang noch nicht so
vollgestopft, dass man kämpfen muss. Es ist also noch Platz für das
“Gebräunte Weidelamm auf grünen Kartoffelperlen und eingemachten
Tomatenkompott”. Dazu gibt es einen Roten, der dermaßen nach dicker,
fetter, dunkler Kirschmarmelade riecht und schmeckt, dass das schon
eine Mahlzeit für sich sein könnte. Ich steh nicht so auf Lamm, das
hier ist aber echt gut. Schmeckt und riecht nicht nach Ziege. Das ist
schon mal das Wichtigste für mich. Ganz zart. Tolle Sauce. Aber der
absolute Hammer sind die Tomaten. Davon möchte ich eine ganze Schüssel
voll. Die schmecken so tomatig, als hätte man sie aus der prallsten
Sonne Kaliforniens geholt. Unglaublich dieses Aroma. Die
Kartoffelperlen sind dagegen eher öde. Ist mir aber egal. Die Tomaten
hauen alles raus.

Was übrigens sehr angenehm ist: Auf dem Tisch steht eine Menü-Karte,
in der ganz ausführlich steht, was man da alles bekommt. Heißt: Der
Service zählt nicht bei jedem Gang auf, was da jeweils auf dem Teller
liegt. Finde ich angenehmer als jedes Mal zu nicken. Ich weiß doch,
was es gibt. Jetzt nämlich noch das Dessert: “Gebrannte Vanillecreme
mit Krachmandel und Rosmarinkrokant”. Ein sehr kleiner Nachtisch, aber
perfekt zum Abschluss. Die Karamellkruste knackt, was das Zeug hält.
Und die Creme ist ein Genuss. Leider gibt es keinen Dessertwein. So
eine Auslese hätte perfekt dazu gepasst.

Fazit: Mal was anderes. Das Bistro besticht auf jeden Fall durch sein
einzigartiges Ambiente. Modern und doch inmitten von alten
Klostermauern. Man sitzt wie unter freiem Himmel. (Apropos: Sie müssen
da unbedingt zur Toilette, auch wenn Sie gar nicht müssen :-) Der Gang
dorthin hat was! Also trinken Sie viel!) Es war rappelvoll, trotzdem
hatte der freundliche Service alles im Griff und im Blick. Perfektes
Timing. Und das Essen? Wirklich richtig gut. Mediterran leicht. Tolle
Kombinationen und Aromen. Mit nur wenigen Abstrichen. Fünf Gänge
inklusive Aperitif für knapp 40 Euro. Inklusive Weinbegleitung für 56.
Ist ok. Wichtig übrigens: Es kann nur bar gezahlt werden. Sonst müssen
Sie halt spülen, wenn Sie nur die EC-Karte dabei haben.

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Tanja Marschal hat diesen Eintrag am 8. März 2010 um 13.00 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.