Brand’s Jupp in Wittlaer / Preiskategorie I

Eintrag vom Samstag, 6. März 2010

Da waren der Kollege Dennis Lieske und ich aber ganz schön lange unterwegs vom Hafen aus. Das war eine richtige Tour de Rheinbahn zur Tour de Menu. Unser Ziel: Das Brand’s Jupp in Wittlaer, das ein österreichisches Tapas-Menu verspricht. Die haben dort immer ein bestimmtes Motto, sagte man mir, und dieses Mal eben unsere kulinarischen Nachbarn. Und schon mal vorweg: Die Tour dorthin hat sich mehr als gelohnt. Das Brand’s Jupp hat irgendwie was Verwunschenes. Sehr gemütlich. Ja, ich würde es fast “urig” nennen. Der Kollege Lieske und ich bekommen einen schönen, großen, runden Tisch am Fenster. (Wir sitzen uns also mit etwas Abstand gegenüber. Das hat bestimmt seine frisch gebackene Ehefrau  eingefädelt…)

Zur Einstimmung gibt es einen Prosecco mit Holunderlikör. Super, der macht uns nämlich wieder wach nach diesem langen Tag. Sechs Gänge warten auf uns inklusive Weinbegleitung und Kaffee. Wie sich das gehört: Stilecht mit Grünem Veltliner und Blauem Zweigelt. Es geht los: “Esterhazy-Frühlingssalat mit Palatschinken vom Räucherlachs”. Ganz, ganz großartig. Knackig, frisch, aromatisch, zauberhaft. Besser geht’s nicht. Ein Schlückchen Veltliner auf den Küchenchef! Auf den nächsten Gang habe ich eigentlich keine Lust. Ich bin nämlich nicht so der Suppen-Fan und auf Bärlauch steh ich auch nicht. Aber gut, probieren muss man ja mal. Das “Steirische Bärlauchsüppchen mit Kaiserknödel”. Habe ich gerade gesagt, dass ich keine Suppen mag? Ich liebe Suppen! Ab sofort! Diese ist die absolute Offenbarung. Der Hammer! Das A und O. Das I-Tüpfelchen. Das Salz in der Suppe. Äh? Ja. Wären wir allein gewesen - ich schwöre, ich hätte den Teller abgeleckt. Ich möchte Anlauf nehmen und mit einem großen Satz und weit geöffnetem Mund in den Suppentopf auf dem Herd springen. (Ist ja gut, ich beruhige mich ja…)

Weiter! Weiter! Das ist so lecker. “Nudelfleckerl mit Tiroler Bergkäse und krossem Tiroler Speck”. Auch hier: Super! Gibt’s nichts zu meckern. Es folgt: “Gratinierter Donauwaller mit Kren auf Rahmfisolen”. Bevor Sie jetzt wie ich an Kuchen denken - Donauwaller ist ein europäischer Wels, also Fisch. Den gibt es hier mit Meerrettich und sahnigen grünen Bohnen (= Rahmfisolen). Jetzt ist der Wels ein Fisch, der wirklich nach Fisch schmeckt. Etwas streng. Nicht jedermanns Geschmack. Dadurch, dass der aber eine Meerrettich-Kruste hat, hebt sich das wieder auf. Wenn ich jetzt unbedingt was suche, um kritisieren zu können: Es hätte vielleicht noch etwas mehr Kren sein können, dann wär’s perfekt gewesen. Aber das ist wirklich nur eine Kleinigkeit.

Es folgt die Königsdisziplin: “Original Wiener Schnitzel mit schlotzigem Kartoffelsalat”. Da bin ich aber mal gespannt. Kommt da jetzt so ein fett paniertes Etwas aus der Friteuse auf den Tisch? Ein echtes Wiener Schnitzel ist nämlich eine Kunst. - Trommelwirbel… - Tataa! Wow! Ein dünnes, fein paniertes und gebackenes Kalbsfleisch. Die Panade wellt sich und klebt nicht an - so wie es sein soll. Und wie das schmeckt! Wir gucken uns voller Entzückung in die Augen und rufen: “Franz!” und “Sissi!” Und dann werde ich aus dem Traum gerissen. Mist, der Kollege Lieske ist ja verheiratet. Egal. Ich bin glücklich mit diesem perfekten Schnitzel. Und der warme Kartoffelsalat dazu, der trotzdem total erfrischend ist. Was noch fehlt, ist der krönende Abschluss: “Mozarts gebackene Pralinen-Eiskugel auf Kirschröster”. Total abgefahren. Die Praline außen wie frittiert, aber nicht fies. Ganz warm und knusprig. Und innen eiskalt. Ohne Worte! Als wir raus gehen, frage ich den Herrn Lieske: “Was sagste?” Er: “Fantastisch!” Das war es. Und das ist auch das Fazit. Vor allem mit Blick auf Preis-Leistung. Knapp 30 Euro für sechs Gänge, mit Weinbegleitung knapp 40. Das ist fast ein Witz. Das ist unglaublich. Kopfschütteln. Danke für diesen zauberhaften Abend!

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Tanja Marschal hat diesen Eintrag am 6. März 2010 um 13.36 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.