Ein Abend im Saittavini in Oberkassel
Eintrag vom Freitag, 22. Januar 2010
Es ging diesmal über die Brücke nach Oberkassel. Am Barbarossaplatz raus und ab ins Saittavini (Luegallee 79, 40545 Düsseldorf, 0211 577979-18, Google-Maps). Ein Italiener, der eigentlich ein Weinladen ist. Zumindest tagsüber. Und einer der schönsten. Da kann man sich mit wunderbaren Tropfen eindecken und die Antipastitheke leer räumen. Abends sitzt man dann an kleinen Tischen unter großen Kronleuchtern inmitten der Weinregale. Ein Traum. Wirklich atmosphärisch kaum zu überbieten.Perfekt für’s erste Date oder einfach einen romantischen Abend. Aber das Gesamtpaket muss ja stimmen. Beim Blick auf die Karte muss ich schon schlucken. Vorspeisen ab 12 Euro. Bei den Hauptspeisen geht’s ab 16 los, meist aber so um die 20 Euro. Weil ich die Nerven meines zahlenden Chefs nicht überstrapazieren will, verzichte ich also schmerzlich auf die Vorspeisen, die sich zumindest richtig lecker und klassisch italienisch anhören: “Rindercarpaccio mit Rucola und Parmesan” oder “Vitello Tonnato”. Aber heute nicht. Stattdessen werfe ich einen Blick auf die Hauptgerichte. Wow.
Das klingt toll: Bio-Rinderfilet aus dem Piemont. Oh ja! Das nehm ich. Nehm ich nicht. Kostet nämlich 42 Euro. Heidewitzka. Dann soll es das Steinbuttfilet mit Limettensauce werden. Meine Freundin hat es auf die Ochsenbäckchen in Rotweinsauce abgesehen. Die Karte ist übersichtlich. Nicht allzu viele Gerichte, aber das muss ja auch gar nicht sein. Es gibt zum Beispiel noch einen “Loup de mer unter der Salzkruste mit frischen Kräutern gefüllt”, “Krustentier-Risotto mit Shrimps und grünem Spargel” oder “Nudeln mit Trüffeln”.
Während wir also auswählen, gibt es schon mal leckeres Weißbrot, das wir in unglaublich geniales Olivenöl mit Fleur de Sel tauchen. Hmm! Dazu ein Prosecco für sechs Euro das Glas, der wirklich richtig gut ist. Nicht so eine Plörre wie aus dem Supermarkt. 1A-Tropfen. Wir bestellen also beim aufmerksamen Service, der meiner Freundin gleich erklärt, dass Ochensbäckchen nicht jedermanns Sache sind. Sie hat die Teile noch nie gegessen und wird es auch nicht, weil die Beschreibung des Kellners mit “geleeartig” und “komische Konsistenz” ihr dann doch Falten auf die Stirn wift. Stattdessen wird’s das “normale” Rind in Rotweinsauce. Meinen Steinbutt gibt’s nicht mehr, also nehme ich ein Thunfischfilet und einen dazu empfohlenen Weißen. Der ist ganz großartig, kostet aber auch fast 9 Euro das Glas. Stolz!
Nachdem ich mich fast schon am Weißbrot satt gegessen habe, muss ich erstmal raus und meiner schlechten Angewohnheit nachgehen. Da steht schon ein rauchendes Pärchen vor der Tür. Leider muss ich ihr Gespräch belauschen und innerhalb von 30 Sekunden merke ich, dass ich in Oberkassel bin. Hier geht es nicht um den nächsten Rucksackurlaub durch Thailand, sondern um das Sommerhaus in Napels, Florida, und das Appartment in Dubai. Und ich erfahre auch, dass die neue Wohnung der Dame ein richtiges Schnäppchen ist mit 1.800 Euro kalt.
Apropos kalt - ich geh lieber wieder rein. Und da kommt dann auch das Essen. Wir können es kurz machen: Der Thunfisch mit getrüffeltem Kartoffelbrei war richtig lecker. Das Rinderfilet von meiner Freundin butterzart und auch richtig lecker. Keine Offenbarung, aber schon fein. Dagegen schwach: Wir haben exakt die gleichen Beilagen. Die anderen Gäste auch, egal was sie bestellt haben. Überall der Kartoffelbrei, Brokkoli, Blumenkohl und Möhren. Und die Saucen: Ja, völlig ok, aber jetzt auch nicht wirklich fantasiereich.
Wir nehmen kein Dessert (da wären zum Beispiel “Crème Brûlée von der Espressobohne”, “Tiramisu” oder “Käsevariationen”), bekommen aber eine Art große Schublade auf den Tisch gestellt. Mit ganz vielen unterschiedlichen kleinen Schokoladen drin. (Ich glaube, man sollte sich ein oder zwei nehmen. Psst. Ich hab sechs eingesteckt.) Will ich Ihnen das Saittavini weiter empfehlen? Schließlich gibt es schon so viele Lobeshymnen auf den Oberkasseler Italiener. Sagen wir mal so: Man sitzt da wirklich traumhaft. Sehr romantisch. Der Service ist nett. Das Essen richtig lecker.
Aber ich finde, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht. Da zahlt man Oberkassel mit. Für das, was da auf dem Teller war, war’s einfach eine Spur zu teuer. Wenn man nur ein Gericht nimmt und ein Gläschen Wein dazu trinkt, dann passt das schon mal, wenn man sich was gönnen will. Aber für einen langen Abend mit drei Gängen und viel Wein - das haut rein.
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Tanja Marschal hat diesen Eintrag am 22. Januar 2010 um 14.09 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.
