Hyuga auf der Klosterstra├če - die Kritik

Eintrag vom Sonntag, 10. Januar 2010

Manchmal wird der Zufall zum Schicksal. Wie in diesem Fall. Ich war im Kino auf der Klosterstra├če und hatte so einen Hunger - ich h├Ątte ein ganzes Schwein verdr├╝cken k├Ânnen. Also der Blick nach links und rechts. Essen! Jetzt! Rechts ein Chinese “Yummy Yummy”. Nein, auf keinen Fall! War ich doch nach Weihnachten in Liverpool und habe dort im “Yum Yum” gegessen (Verwandte?). Und das war echt fies. Wenn man auf ein St├╝ck Fleisch bei├čt und merkt: Das ist gepresster Fleischersatz, dann rennt man schon mal zum Klo. Das “Yummy Yummy” kann ja nix daf├╝r, aber das geht jetzt halt gar nicht. Also links ins japanische Restaurant: “Hyuga” (Klosterstra├če 78 - 40211 D├╝sseldorf - 0211 1688404, google maps).

Hier das┬áGespr├Ąch aus dem┬áRadio

Ist jetzt nicht so sch├Ân eingerichtet, aber das kennt man ja von den Japanern hier. Soll mir egal sein. Ich hab Kohldampf und es sitzen fast nur Einheimische an den Tischen. Ein gutes Zeichen. Es gibt noch einen Platz an der Theke. Dort, wo der Sushi-Meister das Sagen hat. Meiner! Also, der Platz. Nicht der Sushi-Chef. Obwohl der was charmant Geheimnisvolles hat. Mich dann aber doch wieder an Antje, das Walross erinnert. Nur wegen des Schnurrbarts. Kaum sitze ich, gibt’s auch schon warme T├╝cher, mit denen ich mir genussvoll das Gesicht und die H├Ąnde s├Ąubere. Und zack - zwei Minuten sp├Ąter steht auch schon das Kirin-Bier im gek├╝hlten Glas vor mir und ein Gru├č aus der K├╝che. Ein japanischer Kartoffelsalat, auf den ich erst gar keinen Bock habe, dann aber doch probiere und einen ganzen Eimer voll haben will. Lecker!

Ich studiere erstmal die Karte. Nat├╝rlich die Klassiker: Sushi, Sashimi, also roher Fisch in allen Variationen und jede Menge Makis. Diese Reisrollen, die mit tausend Sachen gef├╝llt sind. Aber, und das ├╝berrascht mich, es gibt auch ganz viel gebratenes Fleisch (z.B. geschnezeltes Rindfleisch) oder gebratenen Fisch wie Rossmakrele mit Cayennepfeffer. Suppen mit wunderbaren Zutaten. Jede Menge kalte und warme Vorspeisen, Salate. Und das klingt teilweise sehr exotisch, teilweise aber auch total europ├Ąisch. Ich habe mich entschieden, also bestellen! Und das wird jetzt lustig. Hier geht’s n├Ąmlich richtig japanisch zu. Soll heissen: Keiner spricht Deutsch, aber einige wenigstens richtig gut Englisch. Ich mach’s aber ganz bequem mit Draufzeigen. Funktioniert immer.

Meine Fresse, ich bin hier wirklich in Japan gelandet. Und mir soll noch mal einer erz├Ąhlen, die Asiaten vertragen keinen Alkohol. Die sechs da hinten am Tisch hauen sich den Sake, also den Reiswein, hinter die Binde, da schlackern mir die Ohren. Was gibt’s f├╝r mich?
Einen Spinatsalat mit Sesam. Hammer lecker! Gebratene H├Ąhnchenfl├╝gel mit grobem schwarzen Pfeffer. Booohhr! Was kann man denn aus so einfachen Flatterm├Ąnnern machen? Wow! Ich leck mir die Finger ab. Hinterher Sushi. Rohen Thunfisch und japanisches Omlette. So zart, so toll im Geschmack. Makis: Einmal gef├╝llte Reisrollen mit frittierten Garnelen drin, dann welche mit Pflaume und Shiso-Blatt und welche mit Avokado, Krebsfleisch und scharfer Sauce. Was soll ich sagen? Das alles haut mich geschmacklich um. Von den f├╝nf Japanern auf der Klosterstra├če der Beste! (Habe allerdings noch nicht das “Nagaya” ausprobiert. Das soll japanische Sternek├╝che sein, aber von Sternen hab ich erst einmal genug). Und wenn Sie jetzt denken: Reis mit Pflaume und einem gr├╝nen Blatt gef├╝llt, das klingt komisch. Das war eine der gr├Â├čten Geschmacksexplosionen, die ich je hatte. Das ist jetzt aber auch nicht so eine deutsche Pflaume. Unglaublich! Die sechs Japaner in ihrem Sake-Rausch da hinten am Tisch haben mich angesteckt. Ich will auch ein Glas! Es kommt ein rechteckiges K├Ąstchen auf den Tisch. Innen rot lackiert. Da drin: Ein mutiertes (├╝berdimensional gro├čes Schnapsglas). Und dann kommt der freundliche Kellner mit einer ebenso mutierten wei├čen Flasche zu mir. Er sch├╝ttet ein. Das Glas ist voll. Er sch├╝ttet weiter. Ich gucke ihn mit gro├čen Augen an und will schreien: “Hey, das l├Ąuft ├╝ber! Hallloooo!” Als das K├Ąstchen dann auch noch voll ist, bis zum Rand, da h├Ârt er auf. Ah, verstehe. Ich greife zum Glas, in der Hoffnung, dass nichts ├╝berschwappt und will trinken. Hui, wie toll. Ein Farbenspiel f├╝r die Sinne. Glas im K├Ąstchen = Sake rot. Glas aus dem K├Ąstchen = Sake wei├č. Rot. Wei├č. Rot. Wei├č. So, jetzt aber genug gespielt. Probieren wir mal. Ich flipp aus. Echt.

Ich bin totaler Weinliebhaber, aber dass Reiswein ebenso voller Aromen sein kann, das war mir neu. Dieser Sake schmeckt wie schwarze Johannisbeere. Und auch wie frische Himbeeren. Und wie der duftet. Gut, kostet auch zehn Euro das Glas. War wohl nicht der billigste Fusel. Aber daf├╝r w├╝rd ich auch 15 bezahlen. Zumal man ja eigentlich zwei Gl├Ąser hat - mit dem Sake, der noch im K├Ąstchen ist. Nachtisch: Gr├╝ner Tee-Eis. Auch das: Wunderbar! Ich bin restlos begeistert, merke aber gerade, dass Reiswein bekloppt macht. Ich fange wild an zu kichern, als die Rechnung kommt. Aber das scheint normal zu sein. Und weil’s so lustig ist, bestell ich einfach noch einen. Gehe ja eh gleich ins Bett.

Das “Hyuga” ist Hammer. Alles war unbeschreiblich gut. Es gibt nichts zu meckern. Lasst mich eine Lobeshymne schreiben. Preislich relativ hoch, da unterscheidet es sich aber in keinster Weise von den anderen Japanern. Und so wird der Zufall zum Schicksal: Ich bin jetzt bestimmt jede zweite Woche da. ├äh, k├Ânnte ich noch was von dem lustigen Sake haben? Der Chef zahlt und morgen hab ich frei…

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hat diesen Eintrag am 10. Januar 2010 um 15.26 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.