Sternewoche: 5. Jean Claude’s am Kaiserswerther Markt (Freitag)

Eintrag vom Donnerstag, 17. Dezember 2009

Ich hab’s geschafft. Nur noch dieses eine Restaurant in der Sternewoche und dann brauch ich mal wieder ne Pommes. Es geht zu Jean-Claude Bourgueil nach Kaiserswerth. (Der Untertitel dieses Films: “Wie Katrin Krause die Salami suchte.”) Und da gibt es nicht nur ein, sondern gleich zwei Restaurants in einem Haus. Unten das “Jean Claude’s” und eins höher “Im Schiffchen”. Die Kollegin Katrin Krause und ich gehen ins “Jean Claude’s”. Das soll laut Beschreibung jünger sein und leger.

Sternewoche: 5. Jean Claude’s am Kaiserswerther Markt (Freitag) 

Joa. Na ja. Das Restaurant hat auch was von Schiffchen und wir bekommen einen Platz in der Ecke. Ein Tisch, an dem man sich nicht gegenüber sitzen kann, sondern nur nebeneinander auf der Bank. Ist ok. Auch wenn die Kollegin Katrin süffisant sagt: “Hat was von Klo-Platz.” Ist aber nicht so. Stattdessen haben wir einen Panoramablick über das Geschehen und die Gäste. Wie immer haben wir die Wahl, ob wir ein komplettes Menü essen oder á la carte bestellen wollen. Den Preis vorweg: Menü mit sechs Gängen inklusive Wein: 106 Euro. Die Kollegin Krause schluckt erst einmal: “Tanja, das kann ich doch nicht bestellen. Das ist doch viel zu teuer!” - Ach, komm. Unser Chef musste eh schon unter’s Sauerstoffzelt, nachdem ich ihm die letzte Spesenrechnung auf den Tisch gelegt hatte. “Katrin, nimm! Ist eh das letzte Mal”. Also: Zwei Mal das Menü. Wenn denn dann mal jemand käme, damit wir bestellen können. Vielleicht haben die gerade Stress. Wart, flöt. Hmm… Seltsam. Nach uns sind noch drei Gruppen rein gekommen, die auch schon sitzen und die schon längst ihren Gruß aus der Küche haben. Und ihren Apperetif. Und überhaupt wird sich um alle bemüht, nur wir sitzen da wie die Hühner auf der Stange und gucken uns das an. Na ja, vielleicht bilde ich mir das nur ein. Irgendwann gibt’s dann auch für uns Getränke und den Gruß aus der Küche. So kleine Hörnchen mit toller Créme gefüllt und Kaviar on top. Lecker! Auch die Wan-Tans mit hausgemachtem Ketchup. Wow! Die Service-Damen sind super-professionell, wie sich das im gehobenen Restaurant gehört, mir aber persönlich etwas zu steif und ernst. Aber wer weiss, mit was für Gästen die sich ständig rumschlagen müssen. Können ja nicht alle so freundlich sein wie wir. Scheint aber auch keinen zu interessieren, dass ich mich jedes Mal bedanke und lächle. Die Vorspeise: Kaisertartar mit Avruga-Kaviar. Richtig, richtig geil. Selbst die Kollegin Krause sagt: “Ich dachte eigentlich, ich mag keinen Kaviar. Das ist ja richtig lecker!” Ist es. Dazu gibt es einen Chardonnay, den ich zuerst probiere. Ganz ehrlich: War jetzt nicht der Hammer, aber der französische Sommelier guckt mich derart streng an, dass ich fast Angst kriege und brav nicke. Er duldet auch keine Widerrede, nickt auch und sagt: “Alors!” Es folgt “Hummer Thermidor als Suppen-Komposition”. Also: Hummersuppe. Ganz, ganz lecker. Ganz feiner Geschmack. Nur etwas fettig, aber was soll’s. Unterdessen sagt die Kollegin Katrin Krause: “Aber weisst du was, ich freue mich schon auf die Salami!” Ich denke: “Salami?” Und sie sagt: “Toll, deswegen gibt’s ja auch die Brötchen.” Ich bin sehr verwirrt und frage: “Katrin, welche Salami?” Wie sie mich anstrahlt und auf das Menü zeigt: “Na, hier!” Ich lese: “SALMI von Zucht-Rebhühnern mit Quitten-Chutney”. Katrin, dat is keine Salami. Aber was es ist, ist lecker. Genauso wie die “Maultaschen von der braisierten Rehschulter in Trüffelbutter”. Der Merlot dazu ist auch ganz wunderbar. Als der Sommelier damit an den Tisch kommt, gucke ich auch mal streng. Was du kannst, kann ich auch. Unfreundlich zu gucken scheint etwas mehr Respekt zu bringen.

Das Restaurant ist voll mit Stammgästen und solchen, die ohne Platin-Kreditkarte gar nicht aus dem Haus gehen. Wie die umtänzelt werden. Da wird sich verbeugt, der Chef höchstpersönlich erscheint am Tisch. Ach herrlich! Ist ja wie im Kino. Ob ich neidisch bin? Nein. Bin ich wirklich nicht. Ich find’s ja toll, wenn man sich so um die Gäste bemüht, nur dass man die anderen (eigentlich nur uns) dann nicht so wirklich beachtet, das ist verdammt schwach. Wir ärgern uns aber nicht, müssen nur jetzt unserer schlechten Angewohnheit nachgehen und rauchen. Also raus - hier ist Nichtraucher. Gut so. Wir dürfen uns dann sogar in dem Durchgang zwischen Eingangstür und Empfang eine anmachen. Ein weiterer Gast kommt dazu. Wir reden. Und wieder rein. Während wir auf die Schwarzwälder Kirschtorte “neu gestaltet” warten, macht sich der Herr am Nebentisch genüsslich eine Kippe an. Jetzt muss ich fast laut auflachen. Es gibt eben Gäste, die dürfen drinnen rauchen und andere eben nicht. Das ist herrlich. Die Service-Dame ist ganz aufgeregt, es ist ihr sichtlich peinlich und sie entschuldigt sich drei Mal dafür, dass er das darf. Er ist doch so ein wichtiger Stammgast. Ach Leute, ist mir doch egal. Ich muss einfach nur schmunzeln. Noch ein Kaiserswerther Mokka, Gebäck und ein Dessertwein und die Welt ist in Ordnung. Was soll ich sagen? Jean-Claude Bourgueil ist ein Künstler. Er kocht einfach meisterlich. Chapeau! Das Drumherum war uns ein bisschen zu ernst, zu streng. Und ehrlich: Wenn ich im Sternerestaurant sitze, dann möchte ich mich auch wie alle anderen wie der König fühlen. Und nicht wie der Hofnarr.

Bisherige Kommentare

Kommentar von Marc Pojer

Das war herrlich beschrieben, ich musste laut lachen. Also mir würde der Bissen, mag er noch so lecker sein, bei dem Preis und diesem unfreundlichen Ambiente im Halse stecken bleiben. Da genieß ich lieber das Buffet bei unserem Chinesen für 14 Euro und freundlichem Personal und Gästen, die Menschen sind und nicht “ach so wichtige und schwerreiche Stammgäste”. Oder gönne mir, wenn ich im schönen Kaiserswerth bin, eine leckere Berliner Currywurst! Mit Pommes, Frau Marschal ;-)

18. Dezember 2009, 10.12 Uhr

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Tanja Marschal hat diesen Eintrag am 17. Dezember 2009 um 16.32 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.