Sternewoche: 2. Hummerstübchen (Dienstag)
Eintrag vom Dienstag, 15. Dezember 2009
Zwei Sterne hängen da am Himmel. An Peter Nöthels Hummerstübchen. Eins vorweg: Ich hatte einen Tisch am Samstag Abend reserviert, wollte aber vorher Fußball gucken gehen und nach dem Essen zum Pink-Konzert.
Was also anziehen? Schick wäre gut fürs Hummerstübchen, aber nicht zum Fuppes und auch nicht für den ISS Dome. Also entscheide ich mich für ein legeres Outfit mit T-Shirt. Hoffentlich gucken die nicht blöd im Restaurant… Obwohl: Hey, ich zahle, also kann es mir egal sein. Das Schöne daran: Den Service-Feen ist es auch total egal. Da kommt sogar noch ein lockerer Spruch zu meinem Spruch auf dem T-Shirt. Völlig entspannt. Und so fühle ich mich sofort pudelwohl. Was esse ich? Es gibt so viele tolle Gerichte auf der Karte, aber im Hummerstübchen Fleisch zu essen, empfinde ich fast als Beleidigung der Küche gegenüber. Also muss der Klassiker her: Das Hummermenü. Würde mit seinen fünf Gängen 125 Euro kosten. Ja, das ist eine stolze Summe, aber für fünf Gänge bei einem 2-Sterne-Koch? Und dann eben Hummer und keine olle Flunder. Da kann man nicht meckern. Weil mir fünf aber tatsächlich zu viel sind, entscheide ich mich für drei der Hummer-Gänge á la carte. Das rechnet sich zwar nicht wirklich preislich, aber was bringt’s, wenn ich nach dem dritten Gang schon nicht mehr kann. Es geht los mit einem Gruß aus der Küche. Kleine, feine Schweinereien, die Lust auf mehr machen. Von den offenen Weinen gönne ich mir einen kräftigen Silvaner. (Meine Begleitung verträgt keinen Wein, was aber super ist, denn so kann ich zwei Gläser mehr trinken und mein Chef, der die Rechnung zahlt, denkt das war für uns beide.) Der “Salat vom Hummer und Schwarzwurzeln mit Limone und Kresse” fällt also für mich aus. Ebenso die legendäre “Hummersuppe mit Champagner”. Stattdessen starte ich mit “Hummer auf Artischocken und Oliven mit Tomatenkompott in weisser Balsamicosauce”. Was für eine Geschmacksexplosion. Abgesehen vom grandiosen Hummer - noch nie habe ich so leckere Tomaten gegessen. Wo sind die her? Nicht aus dem Gewächshaus in Holland, das steht fest. Es ist einfach nur zum Reinlegen. Hups. Schon wieder ein Gruß aus der Küche. Wir werden aber verwöhnt. Danke. Und diese Service-Feen, die lautlos durch den Raum schreiten: Ich bin im Himmel. Das bestätigt sich auch beim Hauptgang:
“Hummer Thermidor mit Périgord-Trüffel, Senfsauce und Nudeln”. Eigentlich bin ich nicht (mehr) so der Trüffel-Fan. Zu viele Köche haben’s mir madig gemacht. Schlechter Trüffel. Zu viel drauf geklatscht. Und immer wieder, weil’s gerade “in” ist. Hauptsache man merkt nicht, dass die Nudeln matschig sind. - Aber das hier? Perfekt. Ohhhh, schenket Wein nach, ihr Feen. Apropos… Was trink ich denn zum Dessert? Einen Dessertwein? Macht Sinn. Und die Empfehlung vom Service ist ein Gedicht. Genauso wie die “Variation von der Tahiti-Vanille mit Passionsfruchtsauce”. Lass diesen Teller nie leer werden! Ich bin glücklich und satt, aber nicht ekelhaft voll. Ein ganz angenehmes Bauchgefühl. Aber Moment. Wie? Ist immer noch nicht schluss? Der Service bringt uns zum Abschluss selbstgemachte Pralinen. Und zwar so viele, dass ich das Gefühl habe, in einem belgischen Feinkostlädchen vor einer riesigen Glastheke zu stehen. Mit großen Augen und dem Fragzeichen im Gesicht, welche von den unzähligen ich denn essen soll? Am liebsten hätte ich gefragt: “Können Sie die auch einpacken? Fürs Pink-Konzert später…” Aber ich lass es dann doch.
Was soll ich sagen? Es war grandios. Das Essen ein Gedicht. Der Wein sowieso. Der Service unnachahmlich, ohne dabei auch nur eine Sekunde lang steif zu sein. Ich habe mich sauwohl gefühlt. Wenn es also mal etwas ganz Besonderes sein soll: Ab ins Hummerstübchen. Dafür müsste es eigentlich einen ganzen Himmel voller Sterne regnen. Einen “großen Wagen” plus “Orion” und die “Milchstraße” nehmen wir auch noch mit. Ein Tipp: Nehmen Sie ruhig das komplette Menü für 125 Euro. Das ist preislich am Besten. Und mehr als jeden Cent wert.
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Tanja Marschal hat diesen Eintrag am 15. Dezember 2009 um 12.18 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.
