11. WM-Restaurant: Durch ganz Südamerika an einem Abend oder: Warum die Deutschen ein Schlabberlätzchen brauchen.
Eintrag vom Freitag, 18. Juni 2010
Ich war jetzt mal richtig tricky. Statt mich einzeln durch fünf verschiedene Restaurants zu testen, habe ich alle Südamerikaner der WM an einem Abend vereint. Auf der Blumenthalstraße in Derendorf. Paraguay, Chile, Argentinien, Uruguay und Bolivien. Ok. Bolivien ist nicht dabei, aber die Dame, die hier für die Rezepte verantwortlich ist, kommt aus Bolivien. Donja Elvira. Und weil die in der Heimat eine Saltenjas-Bäckerei hat, heißt der Laden eben “Casa de las Saltenjas Donja Elvira”. Vielleicht sollten wir kurz klären, was Saltenjas sind. Gibt’s an jeder Ecke in Südamerika (die originalen kommen aus Bolivien, in den anderen Ländern heißen sie gerne auch mal Empanada). Das sind so kleine gefüllte Teig-Taschen. Gebacken. Drin ist eine komplette Mahlzeit mit Fleisch, Fisch, Gemüse oder anderen Zutaten. Und das alles schwimmt normalerweise in einer leckeren Sauce. Normalerweise. Weil wir Deutschen das aber nicht kennen, voller Wonne rein beißen und unsere Klamotten danach total besudelt sind, gibt es für uns eine etwas “trockenere” Variante. Trotzdem ist die nicht dröge, sondern immer noch saftig.
Â
Saltenjas gibt es hier also in vielen Varianten. Zum Beispiel mit Hackfleisch, Oliven, Ei und Rosinen gefüllt. Mit Hähnchenbrust, Kartoffeln und Mango. Oder mit Chorizo, Porree und Tomaten. 2 Euro 50 das Stück. Obwohl ich nicht der Teigtaschen-Fan bin - diese schmecken wirklich richtig gut. Der Teig ist nicht zu dick, nicht zu fettig. Passt. Und vor allem mal was ganz anderes. Und da sind wir beim Stichwort: Ganz anders sind nämlich auch die Pommes. Meine Freundin bestellt Lomitos: Hüftsteak mit ofenfrischem Brot und typischer Marinade. Ich: Andentapas mit Hüftsteak. Dazu gibt es Pommes. Meins schmeckt super! Ich frage also: “Und, Anne? Wie schmeckt’s Dir?” Sie guckt sich unruhig um, beugt sich dann vor und flüstert: “Lecker, aber die Pommes… Tanja, die sind nicht gut!” Ich werfe die Stirn in Falten: “Wieso? Die sind doch super!” Anne guckt mich ganz komisch an und sagt: “Tanja, die schmecken komisch! Ich weiss nicht, was die damit gemacht haben, aber die haben sich wohl auch mit dem Salz vertan und stattdessen Zucker drüber gestreut.” Aahh! Jetzt dämmert’s bei mir: “Anne, dir ist schon klar, dass das Yucca-Pommes sind?!” - Ein verdutzter Blick: “Wie? Die sind gar nicht aus Kartoffeln?” - “Nein. Aus Yucca”. Anne lacht sich also tot. Und weil ich ja jetzt gerade so richtig in Klugscheißer-Fahrt bin, sage ich: “Yucca, Anne, Yucca. Das sind Pommes aus der Palme!” Ich ernte einen respektvollen und beeindruckten Blick. Als der freundliche, südamerikanische Kellner an den Tisch kommt, fragt Anne also: “Die Pommes, die sind also aus der Palme?” Er bricht innerlich vor Lachen fast zusammen, fängt sich aber und erklärt uns höflich, dass Yucca eine Wurzel ist und Ähnlichkeit mit der Süßkartoffel hat. Jetzt lach ich mich kaputt. Anne erst recht. Sie stammelt unter Tränen sowas wie “Pall… määä”. Nee, schön, man lernt ja nie aus.
Also, die Yucca-Pommes sind cool. Schmecken süßlich. Sehen aus wie sehr lange, selbstgemachte Pommes. Nur heller. Was auch noch super ist: Das Käse-Yucca-Gebäck. Sieht aus wie ein kleines Käse-Brötchen vom Becker. Innen aber eine ganz andere Konsistenz. Schmeckt Hammer! Und kommt knacke-heiß aus dem Ofen. Die Hacksteaks waren auch richtig lecker. Man muss nur wissen, dass es quasi wie ein Baguette ist. Wie ein Sandwich. Also das Fleisch IM Brot. Und nicht so ein Stück Fleisch auf dem Teller mit Sauce. Dazu ein Glas hausgemachte Limonade oder chilenischen Wein.
Mein Fazit? Das ist ein bunter, netter Laden. Salsa-Mucke im Hintergrund. Es gibt sogar auch Kurse. Das Essen ist lecker und vor allem wirklich mal was anderes. Ich fand die Yucca-Sachen total spannend. Und teuer ist es auch nicht. Ich habe nur ein bisschen Angst, dass da zu wenige Gäste hingehen, weil das Restaurant eben mitten im Wohnviertel liegt. Da kommt man nicht mal eben zufällig dran vorbei. Aber wenn man mit der Bahn zum Spichernplatz fährt, dann sind’s nur noch fünf Minuten zu Fuß. Wenn Sie also mal Lust auf was Neues haben, schauen Sie doch mal vorbei. Und die Argentinier machen wir mit dem Traubenschnaps betrunken. Dann stolpert Messi zum ersten Mal über seine eigenen Beine.    Der Beitrag zum Nachhören:  Â
Â
Â
Â
Â
Kommentar schreiben
Hinweise/Infos
Tanja Marschal hat diesen Eintrag am 18. Juni 2010 um 12.41 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.
