8. WM-Restaurant: Nicht Fisch, nicht Fleisch oder: Portugal ohne Ronaldo.

Eintrag vom Donnerstag, 10. Juni 2010

Ach… Der Kollege Arne Klüh. Der sah so ausgehungert aus. Und dann ist er bei uns auch gerade noch in der Ausbildung und hatte Frühdienst. Also habe ich ihn auf den Arm genommen und ab zum Portugiesen nach Flingern. Ich hatte schon so viel vom “Clube Portugues” auf der Erkrather Straße gehört. So viele haben geschwärmt. Na, das klingt nach einem vielversprechenden Abend. Das Wetter spielt mit, die Sonne scheint, also ab nach draußen an die schönen Holztische. Da sitzt man wirklich schön. Natürlich bestellen wir Vinho Verde, DEN Wein aus Portugal, und vorweg gemischte Tapas (also verschiedene Vorspeisen, Fleisch und Fisch). Eine Speisekarte gibt es übrigens nicht am Tisch. Dafür geht man rein und sucht sich was von der Karte an der Wand aus. Das ist charmant, finde ich. Wir bestellen also die Tapas und werden gefragt, ob wir auch ein bisschen Brot und Ajoli dazu haben wollen. Och, warum nicht. Sehr, sehr lecker das Ajoli. Nur dachte ich, das gehört zum Service. Also nicht, dass mir die 3 Euro 50 für Brot, Oliven und Ajoli jetzt weh tun, die am Ende auf der Rechnung stehen, aber ich dachte: “Nett. Wie beim Griechen der Ouzo vorweg. Oder der Gruß aus der Küche.” Egal. Hat ja geschmeckt.

Die gemischten Tapas sind da. Da gibt’s Scampi, Oktopus, Hähnchen, Kaninchenstücke, Fleischklopse, gefüllte, frittierte Teigtaschen und einen Salat aus Kichererbsen, Krabben, Thunfisch und Sepia. Der war mal richtig gut! Super lecker. Aber der Rest? Langweilig. Ohne Wumms, ohne Pfiff. Lasch. Wir lassen die Hälfte liegen. Dann lieber doch noch was vom Brot… Unsere Hoffnungen liegen jetzt auf dem Hauptgang. Es gibt zum Beispiel Sardinen, Dorade in Salzkruste, Rabenfischsteak oder Taschenkrebs. Kaninchen, Rippchen oder das “Bife Benfica”. Sprich: Ein Steak, das besonders authentisch portugiesisch klingt. Das nimmt der Kollege Arne Klüh. Für mich wird es eine Dorade. Nicht in Salzkruste, sondern gegrillt. Dauert alles ein bisschen, aber macht nichts, wir haben uns viel zu erzählen. Wird ja auch frisch gemacht. Und der Wein schmeckt.

Dann ist es endlich soweit: Fisch und Fleisch im Anmarsch. Dazu gibt es Kartoffeln, Brokkoli und Möhren. Tja… Trotz des halben Liters Zitrone, den ich über der Dorade auspresse, wird es irgendwie nicht besser. Also, der Fisch an sich schmeckt schon. Nur ist die Haut dermaßen verkokelt, dass alles nach dieser schwarzen, verbrannten Hülle schmeckt. Das hat nichts mehr mit Grillaroma zu tun. Grummel.

Aber dann kann doch sicherlich das Bife vom Kollegen was, oder? Er schiebt so ein bisschen die Unterlippe vor, guckt mich mit zusammengekniffenen Augen an und meint: “Na ja… Also… Ist halt ein Steak so…” Komm, die Sauce, die ist aber doch jetzt bestimmt super… “Och… Joa… Also, probier mal. Die ist schon ok, aber die hat was von einer, die man auch in der Imbissbude kriegt…” Lass mal probieren! Stimmt. Schon irgendwie lecker, aber … Ich kann es gar nicht so in Worte fassen. Das war alles nichts Halbes und nichts Ganzes. Alles durchschnittlich ok. Entweder haben wir einen schwarzen Abend erwischt, ansonsten verstehe ich den Hype nämlich nicht, der um diesen Laden gemacht wird. Ja, da kann man toll sitzen, ja, die haben frischen Fisch, aber das hat halt alles nicht so gut geschmeckt, wie ich es erwartet hatte. Vieles einfach ohne Pfiff, ohne das gewisse Etwas. Eher lasch und langweilig. Austauschbar. Bis auf den Amendoa Amarga zum Abschluss (Mandellikör). Der war toll. Also: Alles in allem hat’s ganz ok geschmeckt, aber da muss ich nicht nochmal hin nur wegen des Essens. Die Atmosphäre ist super, aber sonst etwas enttäuschend. Fazit: In der WM- Todesgruppe mit Brasilien, der Elfenbeinküste und Nordkorea hätte Portugal (zumindest kulinarisch) keine Chance.      

 

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Tanja Marschal hat diesen Eintrag am 10. Juni 2010 um 10.20 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.