Indian Summer in Kakunodate

Eintrag vom Donnerstag, 2. November 2006

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Tag sechs der Japan-Reise der Düsseldorfer Symphoniker geht so langsam zu Ende, und ich blicke zurück auf einen Tag, der für die Orchestermitglieder viel Entspannung gebracht hat. Sightseeing stand auf dem Programm, und das unter anderem in Kakunodate. Schon die Fahrt mit dem Bus brachte viele neue Eindrücke, unter anderem, dass Japan auch über ein paar grüne Flecken verfügt. Mit den bunten, herbstlichen Bäumen muss sich die Region in keinster Weise vor dem Indian Summer in den Vereinigten Staaten verstecken. 80 Prozent der über 126 Millionen Japaner leben in Städten - ihnen entgeht definitiv viel auf dem Lande.

Kakunodate ist eine Stadt mit viel Geschichte. Während wir als Gruppe durch so manche Samurai-Residenz schlenderten, kam ich mir ehrlich gesagt vor, wie ein japanischer Tourist in Neuschwanstein. Nach diesem Trip wird mir eines nicht mehr passieren: über Touristen mit Kameras in Düsseldorf zu lästern. Glauben sie mir, wenn Sie in solch eine fremde Kultur kommen, werden sie garantiert auch zum Knips- und Kameramonster.

Ich muss mir ehrlich gesagt an dieser Stelle selbst auch mal auf die Schulter klopfen. In Kakunodate haben wir Japan-Roulette gespielt: Wir gingen in ein Restaurant ohne englische und bebilderte Karte und orientierten uns bei der Bestellung nur am Preis und an den Gerichten, die die Nachbarn auf der Platte hatten. Ich erwischte eine köstliche Reis-Hühnchen-Schüssel mit Suppe, Ingwer und eingelegtem Gemüse. Was für ein Glück!

Über mehrere Zwischenstationen führten uns zwei wirklich aufgedrehte japanische Fremdenführerinnen zurück in unsere momentane Heimat Morioka. Hier wurden wir nach einem weiteren leckeren Essen Zeuge einer wohl einzigartigen Jam-Session: In einem Club, der nicht mehr als 30 Plätze bot, jammten einige Düsys mit japanischen Nachwuchsjazzern um die Wette. Ohne Worte, sondern nur durch die Musik, verstanden sich die Musiker, und auch wir Journalisten kamen über die Musik ins Gespräch mit Barbesuchern, die die Welt nicht mehr verstanden - dass “klassische Musiker” auch in diesem Genre zu Hause sein können. Schöne Eindrücke. Nicht die ersten und hoffentlich auch nicht die letzten auf diesem Trip ins Land des Lächelns.

Morgen, am siebten Tag der Düsy-Tour, müssen die Musiker wieder ran. In Daisen City, einer sehr jungen Stadt, die durch Zusammenlegung mehrerer Städte entstanden ist, werden die Düsseldorfer Symphoniker spielen. Hoffentlich dann auch mit einer solchen Brillanz und Einsatzfreude, wie schon beim ersten Konzert in der Suntory Hall in Tokio.

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Philipp Klees hat diesen Eintrag am 2. November 2006 um 15.34 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.