Abschied von Tokio
Eintrag vom Mittwoch, 1. November 2006

Tag fünf der Japan-Reise ist angebrochen, und hier heißt es zum ersten Mal Abschied nehmen. Von Tokio, der Stadt, die irgendwie nie zur Ruhe kommt, von den Menschenmassen, den vielen Autos, den unzähligen Taxen, der Enge, den Hochhäusern, kurz: der Stadt der Extreme. Ein letztes europäisches Frühstück im Tokio-Dome-Hotel, dann ging es zunächst per Bus und dann mit dem Schinkansen Richtung Morioka, einer 280.000-Einwohner-”Mini-Stadt” im Norden der japanischen Hauptinsel.
Auf der zweieinhalbstündigen Fahrt blieb noch einmal Zeit, über das Erlebte und die extrem vielen neuen Eindrücke nachzudenken. Sei es über die Freundlichkeit der Japaner, sowohl im Hotel, aber auch auf den Straßen und in den Restaurants, sei es über den perfekten Service und die Organisation, die wir bislang erleben konnten. Wenn man aus einem Land kommt, in dem, wenn nicht gerade WM ist, doch oft der Griesgram und die Ungeduld in den Gesichtern der Menschen abzulesen ist, freut man sich über jedes Lächeln einer Bedienung, einer Hotelangestellten oder eine Verbeugung eines vorbeieilenden Passanten. Tokio ist ein schwirrender Bienenhaufen mit schier unglaublichen Möglichkeiten - mit Einwohnern, die sich scheinbar sehr gut arrangiert haben und einen Weg gefunden haben, mit Höflichkeit und Respekt miteinander umzugehen.
Respekt zolle ich nach wie vor auch den Musikern der Düsys. Sie schaffen es, in einer ungewohnten Umgebung, mit dem Stress der Zeitumstellung und den Begleiterscheinungen wirklich auf den Punkt fit zu sein. Das erste Konzert in der Suntory Hall in Tokio war schlichtweg grandios. Alles schien an diesem Abend zu passen. Die tolle Akustik und der tolle Saal schienen sich auf die Spielfreude der Musiker auszuwirken. “Wir spielten wie von einer Welle getragen”, sagte mir ein Musiker am nächsten Morgen.
Wenn man mehrere Tage in einer Millionenmetropole übernachtet und lebt, vermisst man eigentlich nichts. Denkt man. Dass man sehr wohl was vermisst, merkt man, wenn man wegfährt und es dann in einer anderen Stadt bekommt: frische Luft! Was für ein Aha-Erlebnis, als der Düsseldorfer Tross in Morioka aus dem Zug stieg. Durchatmen, und das bei durchaus viel kühleren Temperaturen als noch im schwülen Tokio.
Morioka ist grell und laut, und deshalb durchaus ein wenig vergleichbar mit der Hauptstadt. Morioka hat aber auch den Charme einer “normalen Stadt”, so dass sich später auch so etwas wie Abendstimmung breit machte. Rechtzeitig genug für eine Premiere: Herr Klees bestellt zum ersten Mal einen Sake, und noch dazu einen warmen. Was soll ich sagen: lecker! Das galt dann übrigens auch für das Essen, das wir in einem typischen japanischen Restaurant bekamen.
Jetzt schreibe ich die Eindrücke dieses Tages auf und habe mich die ganze Zeit gefragt, was ich von Tokio noch vermisse. Es ist der Blick aus dem 36. Stock über die Stadt. Diesmal ist es stattdessen nur der zwölfte. Morgen steht Sightseeing auf dem Programm, und das von 9 bis 17 Uhr.
Kommentar schreiben
Hinweise/Infos
Philipp Klees hat diesen Eintrag am 1. November 2006 um 15.30 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.

