Zurück in Düsseldorf

Nach einem 18-Stunden-Trip mit der Busfahrt zum Flughafen Narita, einem Elf-Stunden-Flug nach Frankfurt und einer vierstündigen Busfahrt mit Vollsperrung auf der A3 bin ich wieder zurück in Düsseldorf. Hier erscheint mir alles sehr klein und weniger bunt und grell als in Japan. Es wird, denke ich, noch eine Weile dauern, bis ich mich tatsächlich wieder eingelebt haben werde. Die Erinnerungen an die neun Tage in Japan werde ich nie vergessen, und ich habe mich bereits dabei ertappt, die Preise für Flüge nach Japan verglichen zu haben. Die Woche im Land des Lächelns zusammen mit den Düsys wird ein Nachspiel haben: Ich kehre nach Japan zurück. Wann und wie, steht allerdings noch in den Sternen.
5. November 2006, Philipp Klees
Das Jetlag ist weg - und wir bald auch wieder

Es ist ein wirklich angenehmes Gefühl, wenn man dann tatsächlich nach einigen Tagen der Eingewöhnung in Japan zur richtigen Zeit müde wird und tatsächlich auch mal ein paar Stunden durchschlafen kann. Schade, dass wir schon morgen wieder nach Hause müssen. Ich denke aber, dass die Folgen der Zeitumstellung in Richtung Deutschland nicht so gravierend sein werden, wie in die andere Richtung.
Heute müssen die Düsseldorfer Symphoniker noch einmal ran, und zwar hier in Chiba. Quasi ein Heimspiel, denn Chiba ist die Partnerregion von Düsseldorf. Der Vormittag ist noch einmal frei - Zeit, sich die Stadt Chiba anzuschauen. Eine Stadt, die tatsächlich eine eigene Schwebebahn hat, die wesentlich leiser und größer als die in Wuppertal ist. Wieder mal eine von tausenden Überraschungen im Land des Lächelns.
Gerade sind wir vom Bummel durch die Stadt wiedergekommen und haben auch einige japanische Kaufhäuser erleben können. Mit zwölf Etagen und einem Sortiment, das schier unendlich ist. Geradezu erschlagend war der Besuch in der über drei Etagen verteilten Lebensmittelabteilung. Die Gerüche, die Auslagen und das Gewusel werde ich nicht mehr so schnell vergessen. Gleich spielen die Düsys zum letzten Mal in Japan, und für dieses Konzert hat sich besonderer Besuch aus Düsseldorf angekündigt: Oberbürgermeister Erwin schaut sich das Konzert an und wird auch auf einem anschließenden Empfang der Präfektur Chiba zu Gast sein.
Wir sind nach dem Konzert nun wieder im Hotel angekommen, und die Symphoniker haben auch den letzten Auftritt auf japanischem Boden grandios gemeistert. Es wird nicht der letzte sein; das hat Oberbürgermeister Erwin auf dem anschließenden Empfang bekannt gegeben. Die Düsys werden also auf jeden Fall nach Japan und Chiba zurückkehren.
Morgen dann steht unsere Rückkehr nach Deutschland auf dem Programm. Sehr früh heißt es, Abschied zu nehmen. Ein Elf-Stunden-Flug nach Frankfurt und dann noch eine Busfahrt von Frankfurt nach Düsseldorf steht uns dann noch bevor. Zeit genug, über das in der vergangenen Woche Erlebte nachzudenken.
4. November 2006, Philipp Klees
Nichts ist auch nur eine Minute zu spät

Was für ein Freitag in Japan! Dieser Tag brachte wirklich viel Abwechslung für die Düsseldorfer Symphoniker. Ständige Ortswechsel und Fahrten mit dem Bus, dem Schinkansen und einige Meter per Fuß brachten uns vom Norden des Landes letztendlich wieder in die Region nahe der Hauptstadt Tokio. “Zwischendurch”, am Nachmittag, stand noch das zweite Düsy-Konzert auf dem Programm, und zwar in Daisen City, einer auf den ersten Blick ziemlich trostlosen Stadt. Sie gilt aber als die Stadt der japanischen Feuerwerkskunst. Das einzige, das wir allerdings zu sehen bekamen, war das der Düsseldorfer Symphoniker im Konzertsaal. Dieser war bis auf den letzten Platz mit rund 1.000 begeisterten Zuschauern gefüllt. Am Tag der Kultur, einem der wenigen Feiertagen in Japan, waren auffallend viele Schulkinder in ihren Uniformen zum Konzert gekommen. Sie belagerten sowohl vor als auch nach dem Konzert den Infostand der Symphoniker, um Postkarten mit den Düsy-Motiven zu bekommen. Postkartensammeln scheint also nicht nur bei deutschen Teenies beliebt zu sein.
Dank des schnellen Abbaus durch die fleißigen Orchesterwarte der Tonhalle, die mit in Japan sind, konnten wir schnell unsere Zelte abbrechen und dann mit dem Schnellzug zunächst nach Tokio und dann mit dem Bus in die Stadt und die Provinz Chiba fahren. Unsere Tour ist wirklich minutengenau durchgeplant - in Deutschland unmöglich. Dies scheitert natürlich zuerst an den meist unpünktlichen Fernzügen. Hier in Japan ist das anders: Bei all unseren Touren ist nicht ein Zug zu spät gekommen. Dazu wird man noch zuvorkommend behandelt und ständig mit Essen und Trinken versorgt. Außerdem verbeugt sich der Schaffner jedes Mal, wenn er in das Abteil kommt. Das nenne ich das Service-Deluxe-Angebot der japanischen Bahn.
Hier in Chiba haben wir noch nicht viel gesehen. Morgen wird das zumindest vormittags hoffentlich anders. Denn dann hat das Orchester Ausgang und muss erst am frühen Nachmittag wieder topfit sein - zum dritten und letzten Konzert dieser Japan-Tournee. Ein ganz besonderer Gast hat sich angekündigt: Oberbürgermeister Erwin reist aus Düsseldorf an und wird morgen neben dem Konzertbesuch auch sicherlich weitere Kontakte zu den Vertretern der Düsseldorfer Partnerregion in Japan knüpfen.
Hier in meinem Zimmer im zehnten Stock (Es geht abwärts für mich!) erlebe ich wirklich das erste Mal auf dieser Japan-Reise das Gefühl, zur hier richtigen Tageszeit müde zu sein. Etwas spät, denn schon in zwei Tagen darf ich mich wieder an die Düsseldorfer Zeit gewöhnen.
3. November 2006, Philipp Klees
Indian Summer in Kakunodate

Tag sechs der Japan-Reise der Düsseldorfer Symphoniker geht so langsam zu Ende, und ich blicke zurück auf einen Tag, der für die Orchestermitglieder viel Entspannung gebracht hat. Sightseeing stand auf dem Programm, und das unter anderem in Kakunodate. Schon die Fahrt mit dem Bus brachte viele neue Eindrücke, unter anderem, dass Japan auch über ein paar grüne Flecken verfügt. Mit den bunten, herbstlichen Bäumen muss sich die Region in keinster Weise vor dem Indian Summer in den Vereinigten Staaten verstecken. 80 Prozent der über 126 Millionen Japaner leben in Städten - ihnen entgeht definitiv viel auf dem Lande.
Kakunodate ist eine Stadt mit viel Geschichte. Während wir als Gruppe durch so manche Samurai-Residenz schlenderten, kam ich mir ehrlich gesagt vor, wie ein japanischer Tourist in Neuschwanstein. Nach diesem Trip wird mir eines nicht mehr passieren: über Touristen mit Kameras in Düsseldorf zu lästern. Glauben sie mir, wenn Sie in solch eine fremde Kultur kommen, werden sie garantiert auch zum Knips- und Kameramonster.
Ich muss mir ehrlich gesagt an dieser Stelle selbst auch mal auf die Schulter klopfen. In Kakunodate haben wir Japan-Roulette gespielt: Wir gingen in ein Restaurant ohne englische und bebilderte Karte und orientierten uns bei der Bestellung nur am Preis und an den Gerichten, die die Nachbarn auf der Platte hatten. Ich erwischte eine köstliche Reis-Hühnchen-Schüssel mit Suppe, Ingwer und eingelegtem Gemüse. Was für ein Glück!
Über mehrere Zwischenstationen führten uns zwei wirklich aufgedrehte japanische Fremdenführerinnen zurück in unsere momentane Heimat Morioka. Hier wurden wir nach einem weiteren leckeren Essen Zeuge einer wohl einzigartigen Jam-Session: In einem Club, der nicht mehr als 30 Plätze bot, jammten einige Düsys mit japanischen Nachwuchsjazzern um die Wette. Ohne Worte, sondern nur durch die Musik, verstanden sich die Musiker, und auch wir Journalisten kamen über die Musik ins Gespräch mit Barbesuchern, die die Welt nicht mehr verstanden - dass “klassische Musiker” auch in diesem Genre zu Hause sein können. Schöne Eindrücke. Nicht die ersten und hoffentlich auch nicht die letzten auf diesem Trip ins Land des Lächelns.
Morgen, am siebten Tag der Düsy-Tour, müssen die Musiker wieder ran. In Daisen City, einer sehr jungen Stadt, die durch Zusammenlegung mehrerer Städte entstanden ist, werden die Düsseldorfer Symphoniker spielen. Hoffentlich dann auch mit einer solchen Brillanz und Einsatzfreude, wie schon beim ersten Konzert in der Suntory Hall in Tokio.
2. November 2006, Philipp Klees
Abschied von Tokio

Tag fünf der Japan-Reise ist angebrochen, und hier heißt es zum ersten Mal Abschied nehmen. Von Tokio, der Stadt, die irgendwie nie zur Ruhe kommt, von den Menschenmassen, den vielen Autos, den unzähligen Taxen, der Enge, den Hochhäusern, kurz: der Stadt der Extreme. Ein letztes europäisches Frühstück im Tokio-Dome-Hotel, dann ging es zunächst per Bus und dann mit dem Schinkansen Richtung Morioka, einer 280.000-Einwohner-”Mini-Stadt” im Norden der japanischen Hauptinsel.
Auf der zweieinhalbstündigen Fahrt blieb noch einmal Zeit, über das Erlebte und die extrem vielen neuen Eindrücke nachzudenken. Sei es über die Freundlichkeit der Japaner, sowohl im Hotel, aber auch auf den Straßen und in den Restaurants, sei es über den perfekten Service und die Organisation, die wir bislang erleben konnten. Wenn man aus einem Land kommt, in dem, wenn nicht gerade WM ist, doch oft der Griesgram und die Ungeduld in den Gesichtern der Menschen abzulesen ist, freut man sich über jedes Lächeln einer Bedienung, einer Hotelangestellten oder eine Verbeugung eines vorbeieilenden Passanten. Tokio ist ein schwirrender Bienenhaufen mit schier unglaublichen Möglichkeiten - mit Einwohnern, die sich scheinbar sehr gut arrangiert haben und einen Weg gefunden haben, mit Höflichkeit und Respekt miteinander umzugehen.
Respekt zolle ich nach wie vor auch den Musikern der Düsys. Sie schaffen es, in einer ungewohnten Umgebung, mit dem Stress der Zeitumstellung und den Begleiterscheinungen wirklich auf den Punkt fit zu sein. Das erste Konzert in der Suntory Hall in Tokio war schlichtweg grandios. Alles schien an diesem Abend zu passen. Die tolle Akustik und der tolle Saal schienen sich auf die Spielfreude der Musiker auszuwirken. “Wir spielten wie von einer Welle getragen”, sagte mir ein Musiker am nächsten Morgen.
Wenn man mehrere Tage in einer Millionenmetropole übernachtet und lebt, vermisst man eigentlich nichts. Denkt man. Dass man sehr wohl was vermisst, merkt man, wenn man wegfährt und es dann in einer anderen Stadt bekommt: frische Luft! Was für ein Aha-Erlebnis, als der Düsseldorfer Tross in Morioka aus dem Zug stieg. Durchatmen, und das bei durchaus viel kühleren Temperaturen als noch im schwülen Tokio.
Morioka ist grell und laut, und deshalb durchaus ein wenig vergleichbar mit der Hauptstadt. Morioka hat aber auch den Charme einer “normalen Stadt”, so dass sich später auch so etwas wie Abendstimmung breit machte. Rechtzeitig genug für eine Premiere: Herr Klees bestellt zum ersten Mal einen Sake, und noch dazu einen warmen. Was soll ich sagen: lecker! Das galt dann übrigens auch für das Essen, das wir in einem typischen japanischen Restaurant bekamen.
Jetzt schreibe ich die Eindrücke dieses Tages auf und habe mich die ganze Zeit gefragt, was ich von Tokio noch vermisse. Es ist der Blick aus dem 36. Stock über die Stadt. Diesmal ist es stattdessen nur der zwölfte. Morgen steht Sightseeing auf dem Programm, und das von 9 bis 17 Uhr.
1. November 2006, Philipp Klees

