Electric City und der idyllische Schreingarten
Eintrag vom Dienstag, 31. Oktober 2006

Wenn ich es dann doch mal schaffe und zur Ruhe komme in meinem Zimmer im 36. Stock, muss ich doch noch öfter laut lachen. So skurril sind teilweise die Situationen, die man als Europäer in Japan erlebt. Mein gestriger Besuch in der Sushi-Bar geriet durch zwei ebenfalls anwesende deutsche Touris zu einer spaßigen Sache, und zwar in dem Moment, in dem die beiden nichts ahnend Instant-Pulver für grünen Tee mit Sojasoße mischten und sich dann wunderten, dass das fürchterlich bitter schmeckt. Ich habe geschmunzelt, aber nicht laut los gelacht - wer weiß, was mir schon so alles peinliches passiert ist, ohne dass ich es gemerkt habe!?
Ohne Peinlichkeiten begann dann Tag vier der Tour durch Japan. Nach dem Fiasko vom vorigen Tag bin ich kleinlaut in den Saal mit europäischem Frühstück geschlichen und habe mir Kaffee, Cornflakes und Rührei gegönnt. Voller Energie und Cholesterin ging es dann für mich und einen Kollegen der Westdeutschen Zeitung auf Erkundungstour. Und hatte ich nur einen Moment geglaubt, mich ein bisschen an die Millionenstadt gewöhnt zu haben, wurde ich eines Besseren belehrt. Mit der U-Bahn - ohne (!) englische Beschriftung - ging es in Richtung Ginza, einer langen, exklusiven Einkaufsmeile mit vielen Kaufhäusern und Boutiquen und entsprechend großen Menschenmengen. Ein Gewusel ohne Gleichen entlang von unzähligen Hochhäusern und überdimensionalen Kreuzungen. Wir ließen uns treiben und erlebten nur einige Kilometer weiter den nächsten Kulturschock, und zwar im Viertel Akihabara (zu deutsch “Herbstblätterfeld”), bekannt durch den Beinamen “Electric City”, oder wie der geschockte Reporter sagt: laut und grell!
Wie angenehm war dann nur wenige Momente später der Besuch in einem ruhigen, grünen und idyllischem Schreingarten. Mit platten Füßen und schmerzenden Beinen ging es zurück in unser Hotel und dann nur wenig später mit den Bussen und den Düsys in die Suntory Hall, dem Ort des ersten Konzertes der Düsseldorfer Symphoniker. Beethoven und die richtig gut aufgelegten Musiker ließen 2.000 Japaner frenetisch jubeln.
Schon morgen müssen wir Abschied nehmen von Tokio. Mit dem “Schinkansen”, dem ICE Japans, geht es für uns zunächst nach Morioka, einer Stadt mit nur 288.000 Einwohnern nördlich von Tokio. Was mich dort erwartet, kann ich nur erahnen. Sayonara und Oyasuminasai!
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Philipp Klees hat diesen Eintrag am 31. Oktober 2006 um 15.29 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.

