Heißer Kaffee aus dem Automaten
Eintrag vom Sonntag, 29. Oktober 2006

Mit Hilfe von drei (!) Filmen, zwei warmen Mahlzeiten und jeder Menge Sitzfleisch habe ich den Elf-Stunden-Flug nach Japan locker überstanden. Am Sonntag, Ortszeit 7 Uhr, sind wir am Flughafen Narita gelandet, und das mehr oder weniger ohne Zwischenfälle. Die Sicht war gleich null, es ruckelte, und trotzdem blieben bei allen 80 Düsys, dem Anhang und mir alle Mahlzeiten da, wo sie auch hingehören. Schon nach der Zollkontrolle bestätigte sich aber für mich folgende Weisheit, die ich im Vorfeld dieser Reise aufgeschnappt hatte: “Die billigste Art für einen Europäer, einen anderen Planeten zu besuchen, ist die Reise nach Japan.” Finden Sie übertrieben? Na, dann fragen Sie sich mal, ob Sie bei uns jemals schon Verkehrslotsen gesehen haben, die sich vor dem Anhalten eines Wagens artig verbeugen. Oder haben Sie schon einmal eine heiße Dose mit Kaffee aus einem Automaten gezogen? Nur zwei Beispiele, die für mich glasklar den Beweis abliefern, dass hier die Uhren anders laufen … jaja, mittlerweile wieder acht Stunden vor.
Nach dem Eingewöhnen, einer Fahrt durch ein städtebauliches Chaos und einer ersten Erkundung der Zwölf-Millionen-Metropole Tokio unter der hervorragenden Führung des japanischen Soloflötisten der Düsys, Yo Washio, hieß es dann um 13 Uhr: Einchecken! In Tokio-Dome-Hotel mit über 50 Stockwerken, einem Freizeitpark in direkter Nachbarschaft und Glasaufzügen, die mit Rekordgeschwindigkeit außen am Gebäude fahren. Diesen Tagebucheintrag schreibe ich aus meinem Zimmer im 36. Stock, und wenn ich die letzten 30 wachen Stunden Revue passieren lasse, traue ich mich gar nicht mehr, einzuschlafen, weil ich Angst habe, etwas in dieser aufregenden Stadt zu verpassen. Sei es, wie heute gesehen, einen Büchermarkt, bei dem ich nicht einen Titel lesen geschweige denn verstehen konnte, sei es das leichte, gefühlte Schwanken unseres Hochhausturmes, sei es die Fahrt in einem schier undurchschaubaren U-Bahn-Netz. Auch mit japanischer Düsy-Hilfe klappte das hervorragend, und so führte uns Mr. Washio mit Hilfe mehrerer Züge an die Pazifikküste und die ehemalige Hauptstadt Japans, Kamakura, mit all ihren Schreinen und der zweitgrößten Budda-Statue Japans.
Nur unter größter Selbstdisziplin und mit Hilfe der angenehmen Gesellschaft mindestens einem Dutzend Düsys habe ich diesen Marathon fürs Erste geschafft. Ein Abendessen in einem typisch asiatischem Restaurant rundete den ersten vollen Tag in Japan ab. Mit dem Blick von oben auf die pulsierende und grelle Mega-City endet für mich Tag zwei meiner Reise.
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Philipp Klees hat diesen Eintrag am 29. Oktober 2006 um 15.18 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.

