Rede vom Hoppeditz
Eintrag vom Donnerstag, 12. November 2009
Lesen Sie hier noch einmal die Rede des Hoppeditz’ nach:
HOPPEDITZ 2009
INTRO
Neun Monat’ lang war ich verschütt’ Man fragte sich: “Wann dä wohl kütt?” Am elften Elften, das ist klar. So wie es seit Jahrzehnten war. (MÄRCHENERZÄHLER) Um elf Uhr zehn, die Spannung groß, der Blick zur Uhr: “Wo bleibt er bloß?” Und dann endlich, dann war’s so weit: Der Zeiger sprang auf Narrenzeit, Es stieg empor, geladen wie ein Blitz, den Schalk im Nacken: Hoppeditz!
ÜBERBLICK
Seit Ende Februar lag ich jetzt in d’r Kist’ Unfassbar, was seither geschehen ist: Abwrackprämie, Bundestagswahl, Wahl auch hier, sprich kommunal, Großverluste für Volkspartei’n, Länger Kirmes, Ja oder Nein? Kö-Bogen und Bürgersaal: Beides mehr wohl eine Qual. Schweinegrippe, U-Bahn-Baustellen, Abschiede von Junggesellen, Bänker schalten ab Gehirne, Abschied von der Glühbirne, Tausendfüßler wirklich weg? Kinder, nää – wat simmer jeck.
JECK, WE CAN
“Jeck we can”, heißt die Devise Und keine war je so wie diese Umstritten in der Narrenschar. “Ein Motto, oh, so wunderbar”, Das fanden manche, andre nicht: “Da weiß man nicht, wie man das spricht!”, so wussten welche einzuwenden. Man kann die Diskussion beenden Indem man feststellt: “Allerhand, das Motto ist jetzt mal bekannt!”
OBAMA
Wenn auch etwas ausgeborgt, von dem, der für Furore sorgt. Nicht nur bei uns, nein, in der Welt. Die ganze Menschheit auf ihn zählt: Obama weckte Hoffnungsschimmer! Schlimmer als Bush ging ’s eh nimmer. Angela Merkel hat ihn direkt besucht, und den Besuch gleich wieder verflucht. Denn kaum war vom Barack begrüßt sie worden, ist einfach der Michael Jackson gestorben.
So steht in den Büchern nun, wie ein Komplott: Angela kam und Michael wohr fott.
ELBERS
Wenn man den Dirk Elbers sieht, sieht man gleich, dass nichts geschieht. Er ist in sich selbst am ruh’n Und dieses Ruh’n bestimmt sein Tun. Seit Februar war ich nun fort: Was tat sich hier an diesem Ort? Hat Elbers, Dirk sich mal bewegt? Aufmerksamkeit erregt ? Er hat wohl irgendwo gehört, dass Regen mehr die Leute stört. Drum ließ das Regen er nun sein Und stellte Aktionismus ein. “Entscheiden soll ich? Geh mir weg!” Ich sach euch, Kinners: WIR sind jeck …!
CC
Gewählt wird auch hier im CC Vom Carneval das Committee. Schon seh’ ich wieder an der Spitze dort Als Chef Methusalem Oxenfort.
Der Karneval hat Tradition. Und das seit vielen Jahren schon. Doch wie fing wirklich alles an? Nur einer sich erinnern kann: Und der führt jetzt, ein weit’res Mal, den Düsseldorfer Karneval.
SPD DÜSSELDORF
Die SPD im Rat der Stadt Die sorgt für Zank und dieses satt. Doch das nur in den eig’nen Reih’n. “Wer soll NOCH Bürgermeister sein?” Ein Hick, ein Hack, dann doch die Hock. Die Grünen auch? – Nein, keinen Bock. “Wer kriegt den Fraktionsvorsitz?” “Wer hält das Ganze für ‘nen Witz?” Es war wohl mehr ein Trauerspiel. Geschlossenheit? Das war zu viel. Nach langem Winden ließ der Wurm es sein Der Raub nimmt seinen Platz nun ein, der von Beruf wohl Rechtsanwalt. Da sag’ ich nur: Moment mal! Halt! In DER Fraktion, da tät er – gut dran. Wär’ er beruflich mal ein Schiedsmann.
ABWRACK-(/ UMWELT-)PRÄMIE
Wie komm’ ich jetzt von “S-P-D” Zum Thema “Abwrackprä-mi-e” …? Vielerorts in diesem Land, auch Umwelt-Prämie genannt. Abgewrackt wurd’ hier wie wild. Manche Wagen fluchs gekillt. Doch ich sah, oh Joddojott, Die meisten waren gar kein Schrott: Autos, die noch gut in Schuss Bekamen hier den Todesschuss. Kisten, wo rein gar nix dran Die kloppte in die Tonne man. Was hat denn da die Umwelt von? Nix!! – Die meisten wussten ’s schon. Und jetzt, es ist nicht zu begreifen, jetzt fehlen auch noch Winterreifen! So pfiffig ist die Industrie:
“Och? Winterreifen brauchen die? Wer hätte das gedacht? Egal, bis Mitte Mai sind die gemacht.” Denen zu helfen hat echt keinen Zweck Ich sachet Euch: Die sind echt jeck.
BUNDESTAGSWAHL
Auch wenn es keiner hören mag, gewählt wurd’ auch ein Bundestag. Die Mehrheit kriegt die Kanzlerin Nur durch den schnieken Guido hin. Der Guido grinst, der Guido lacht, so hatte er sich das gedacht. Mit Seehofer ruck zuck per du Die Kanzlerin schaut mürrisch zu. Der Staat soll künftig allgemein Das Einsparpotenzial nun sein. In Sachen Bildung will man jetz’ Für unser Land nur Spitzenplätz’. Der Guido kann auch englisch reden. Wenn man das hört, wird wirklich jedem Klar, dass hier in diesem Staat Das Schulsystem noch Mängel hat.
SCHWEINEGRIPPE
Die Panik hier bei uns ist groß: Die Schweinegrippe, die ist los!
Die Grippe ist die Seuche nicht Mehr schon, wie man darüber spricht. Lässt man sich impfen, lässt man ’s sein? Es kennt sich aus doch da kein Schwein. Schadet ’s gar, wenn man sich sticht? Es tut mir leid, ich weiß es nicht. Wie sieht ’s an Karneval denn aus? Die Sau lassen wir gern da raus. Was stört uns Grippe oder Pest? Der Alkohol gibt uns den Rest. Könnt’ man was gegen Kater spritzen, würd’ morgen schon beim Arzt ich sitzen. Doch für die Grippe von ‘nem Schwein, da sag’ ich klipp und klar hier: Jein. Egal ob Schweine, Hühner oder Hippe Gefährlich ist normale Grippe! Zigtausend Leut’ sterben da dran Obwohl man lang schon impfen kann. Ein Irrsinn, wie ein jeder weiß. Was also soll der ganze Scheiß? Menschenmassen soll man aus dem Wege geh’n, Beim Impfen aber muss man Schlange steh’n! Geh’ mir mit dieser Impfung weg, ich sage dir, die sind doch jeck.
TUNNELBLITZER
Und Geld fehlt jetzt an allen Enden. Nur wir konnten das Blatt schon wenden Und eine Quelle uns erschließen, wo unverhofft die Euros sprießen. Es ist nicht Erdöl, nicht Uran, nein, das, was wir hier aufgetan das ist auch nicht so bald erschöpft: die Tunnelraser werd’n geschröpft. In beide Richtungen wird geblitzt Was unsrer Stadtkasse sehr nützt. So beantrage ich jetzt beim OB In aller Form, dass dem CC Man einen dieser Blitzer gönnt, Der uns voll finanzieren könnt’ Den Karneval könnt’ unbeschwert Man feiern so, wie’s sich gehört Das wär’ doch mal ein guter Zweck Mit vollem Ernst und trotzdem jeck
ALTSTADT
Uns schöne Altstadt ist zur Zeit Nicht nur Stätte der Geselligkeit. So zeigen manche Artgenossen
- Trotz Warnung – sich hier unverdrossen Und ungeniert gewaltbereit. Das geht der Mehrheit echt zu weit. Auch greift man an aus Übermut
Die Polizei. Das ist nicht gut. Ein zweites großes Ärgernis Der Junggesellenabschied is’. “DER” ging ja noch, doch es sind “DIE”!!! So viele Abschiede wie nie. Abschied ist falsch, die kommen wieder! Und gröhlen ihre schrägen Lieder. Ach, könnt’ man die Gewaltbereiten, doch einfach in die Richtung leiten
dass sie die Junggesellen verscheuchen Und deren Fortbleiben erreichen Dann wären alle Sorgen weg Nä halt, ich glaub ich bin wohl jeck.
FORTUNA
Doch gibt es auch noch frohe Kunde, die hier bereits in aller Munde. Voll Staunen erlebte hier ein jeder Mann, dass unsere Fortuna Fußball spielen kann. Mit Freude, Elan und großer Kraft, Ham sie den Aufstieg hier geschafft. Und wer hätte in kühnsten Träumen gedacht, dass Fortuna je die Arena voll macht? Der Aufstieg war super, da simmer all froh. Und sagen: Fortuna; – weiter so. Und was mich freut, wenn ich ’s richtig seh: Weit weg isser nicht mehr, der Kölner FC ….!
GLÜHBIRNENVERBOT
Ein Aufschrei ging durch unser Land Als jetzt die Glühbirn’ wurde verbannt. Der Aufschrei, der kam ganz zu Recht, denn was stattdessen kommt … – da wird mir schlecht. Neonröhren im Kurzformat. Und jede davon: so’n Apparat!!! Ich denk, wir Deutschen sterben aus …?! Hömma, mit sonner Art von Licht im Haus Da vergeh’n dir doch, bei aller Liebe, Auch noch die letzten Reste Triebe.
Energieersparnis käm’ dabei wohl raus Klar, lieber lässt man jetzt die Lampe aus! Gut, heut’ ist das kein Problem für manchen Mann Heut’ habt Ihr eh die Lampe an. Und jeht dat joode Stück kapott Schmießt du et nit janz eijnfach fott. Du bringst zum Sondermüll es weg! Ich sahre euch, Ihr seid doch jeck!!!
GASLATERNEN / TAUSENDFÜSSLER
Auf hört hier auch ein jeder Spaß Bei Straßenlaternen betrieben mit Gas. Der Schein, den diese Laternen verbreiten, scheint doch den Menschen Freud’ zu bereiten. Es hat noch was von alter Zeit, Von Kutsche und Gemütlichkeit. Hier kam nun wer auf die Idee Statt Gas zu nehmen LED. Auch hier will Energie man sparen. Die Stimmung kann zur Hölle fahren. Ich weiß, wie man Energie könnt’ sparen ein: Man lässt den Tausendfüßler-Abriss sein! Von Ansichtskarten weltbekannt Wird der vom Bild der Stadt verbannt? Und unterirdisch fließt dann der Verkehr? Wisst Ihr, was das pro Jahr wird kosten mehr?: An Notrufsäulen, Abluftrohren, Notausgänge muss man bohren, Tag und Nacht das Licht am brennen Und wir soll’n uns von Gaslaternen trennen? Wen und warum hat der Tausendfüßler gestört? Vielleicht weil er sich wie ‘n Insekt anhört? Und das passt nicht in unsre feine Stadt? Dann benennt ihn doch um, es gibt Namen satt! Wenn “Tausendfüßler” nicht mehr genehm
Dann ist doch “City-View” ganz schön. Sehen und gesehen werden Wo geht das besser hier auf Erden Als auf ‘ner Straße, die jeder kennt
Im ersten Stock – und nicht Basement? Oder will man der Stadt der Mode frönen, könnt’ man sich an den Namen “Cat Walk” gewöhnen. Oder “First Floor” oder “Window Shopping beim P und C” Aber wat soll dat mit der Abriss-Idee? Spart Energie, doch mit Sinn und Zweck. Sonst seid ihr wirklich ganzjahrsjeck
U-BAHN
Die U-Bahn wird mit viel Elan Von Bilk gebaut bis zum Wehrhahn Um an Fahrzeit einzuspar’n Drei, vier Minuten, was für’n Wahn. Und diese Zeit die spart auch nur, wer alles fährt, die ganze Tour. Steigst aber zwischendrin du zu Dann bist wohl der Gekniff’ne DU. Du rennst durch Gänge, die nun da, Fährst Rolltrepp’ oder Aufzug gar, Bist sechs Minuten unterwehchs Bis Du an deinem Bahnsteig stehß. Und sitzt endlich du dann drin in der U-Bahn Dann sachße dir: Nä, wat kammer hier Zeit spar’n! (MUSS SELBER LACHEN) Ich dacht’, die Zeitberechnung wär’ ein Gag. Nää, dat ist ernst, die sind so jeck!
ABSCHLUSS
Ich könnt’ mich stundenlang noch hier be-eiern Doch ich würd’ vorschlag’n: Lass’ uns feiern! Jeck we can, das können wir. Um jeck zu sein, da sind wir hier. Seht alles locker und nehmt ’s als Witz Wir seh’n uns wieder: Euer Hoppeditz
© Frank Küster
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