Tortur beendet
Was war das für ein Tag gestern! Nachdem ich mitten in der Nacht mit der Deutschen Bahn in Düsseldorf angekommen war, fiel ich am Samstagabend vollkommen übermüdet ins Bett. Nichtsdestotrotz konnte ich kaum schlafen. Die Eindrücke der letzten Tage und die Vorfreude auf den Sonntag hielten mich wach.
Am Sonntagmorgen wachte ich also nach einer recht kurzen Nacht auf und begann meine Vorbereitungen auf den Kö-Lauf, zu dem ich mich in einem Anflug von Wahnsinn angemeldet hatte. Die Belastungen der vergangenen Tage merkte ich mittlerweile doch recht deutlich, die Beine waren schwer, und insgesamt fühlte ich mich recht ausgelaugt.
Trotzdem konnte ich meiner 8-Tage-7-Länder-Tour, die in Düsseldorf gestartet ist, mit dem Kö-Lauf ein tolles Ende bereiten. Über 10 km verbesserte ich meine persönliche Bestzeit trotz absolut überanstrengter Beine um fast zwei Minuten. Mein Trainer Holger Schütt hatte mir fast nicht zugetraut, die Strecke überhaupt durchzustehen.
Was bleibt von der Tour? Ich habe jede Menge tolle Eindrücke mitgenommen, die ich bei weitem noch nicht alle verarbeitet habe. Das Gefühl, allein mit der Kraft meiner Beine durch die halbe Republik gereist zu sein, macht mich schon sehr stolz. Dass die Gruppe, die sich in der vergangenen Woche zu einer richtig tollen und lustigen Gemeinschaft entwickelt hat, jetzt wieder auseinander fällt, finde ich persönlich sehr schade. Aber sicherlich sieht man sich bei dem ein oder anderen Fahrradtraining - ich freue mich drauf.
Gestern wurde mir mehrfach die Frage gestellt: Was ist dein nächstes, verrücktes Projekt? Und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich weiß es nicht! Ich will zu keiner Idee “nein” sagen. Letztendlich bin ich für fast alles zu haben, sofern es verrückt genug ist. Meine nächsten Ziele sind definitiv wieder der Marathon in Düsseldorf im kommenden Jahr - und einmal beim New-York-Marathon zu laufen, das wäre die Erfüllung eines Traumes.
Wenn ich daran denke, dass ich noch vor einem Jahr nicht einmal auf die Idee gekommen wäre, überhaupt auch nur einen Kilometer zu laufen - was für ein unglaubliches Jahr liegt hinter mir!
3. September 2007, Florian Kels
Der letzte Tag!
Ausgerechnet heute scheint es Petrus, der uns die vergangenen Tage fast immer die Stange gehalten hat, nicht gut mit uns zu meinen. Es regnet, es ist neblig und kalt. Nichtsdestotrotz werde ich mich jetzt natürlich ein letztes Mal auf meinen Sattel schwingen und mich in Richtung Alpen pedalieren. Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, wie wir alle heute Morgen ein letztes Mal unsere Koffer packten und unsere Vorbereitungen für diese Etappe machten. Obwohl es tierisch anstrengend war/ist, würde jeder wohl gerne noch ein, zwei oder vielleicht drei Tage dranhängen. Die Gemeinschaft, die sich über eine Woche zusammengefunden hat, werden wir wohl alle vermissen.
Die letzte Etappe hielt noch mal einige richtig heftige Steigungen für uns bereit. Bis auf 1.100 Meter ging die Reise für unsere Gruppe noch einmal hinauf in die Alpen, und das Wetter ließ uns nicht im Stich. Kaum waren wir vor die Hoteltür getreten, hörte es zumindest auf zu regnen, die Straßen trockneten, und wir konnten wie gewohnt trocken unsere Wege radeln.
Bei einem kühlen Weißbier ließen wir die Tour, die uns über unvorstellbar schöne Strecken und rasante Abfahrten geführt hat, Revue passieren, bevor es für mich hieß, Abschied zu nehmen. Meine Mitstreiter gönnten sich noch einen (verdienten!) Abend mit Sauna, Massage und Champagner. Ich hingegen will morgen beim Kö-Lauf an den Start und musste deshalb am späten Nachmittag in den Zug steigen, um pünktlich in Düsseldorf zu sein. Schönen Gruß an die Jungs im Allgäu, die hoffentlich noch ihre große Leistung feiern!
1. September 2007, Florian Kels

