Auf geht’s!

Eintrag vom Samstag, 25. August 2007

7.30 Uhr. Acht Tage auf dem Rennradsattel liegen vor mir - von Kalkum aus mache ich mich auf den Weg in die Redaktion von Antenne Düsseldorf.

7.45 Uhr. Auf dem halben Weg fällt mir auf, dass ich meine Trinkflaschen vergessen habe. Der Tag fängt, nach einer weitgehend schlaflosen Nacht, schon richtig gut an.

8.15 Uhr. Nach einer nicht ganz so gemütlichen Fahrt, wie sie eigentlich geplant war, und nach einer Beinahekollision mit einem Taxifahrer (Schönen Gruß! Ich hatte Vorfahrt!) komme ich bei Antenne Düsseldorf an.

8.45 Uhr. Live on air spreche ich mit Dennis Horn über das, was mir in der kommenden Woche bevor steht. So langsam entwickelt sich bei mir eine richtige Vorfreude!

9.30 Uhr. Am Treffpunkt bei Alma Sports in Oberkassel treffe ich auf Tour-Organisator Holger Schütt von Active First und meine Mitstreiter. Die Stimmung ist gut, auch wenn wir noch etwas irritiert sind, wenn Holger von “Das ist alles machbar!” spricht.

12.00 Uhr. So langsam kommt die Gruppe in Tritt. Die ersten Stunden haben wir genutzt, um unseren Rhythmus zu finden und uns an die ungewohnte Belastung zu gewöhnen. Es fängt an, Spaß zu machen. Die erste Mittagspause steht an, in irgendeinem Ort auf dem Weg zwischen Düsseldorf und Malmedy - ehrlich gesagt keine Ahnung, wo das gewesen ist. In einem Eiscafé wollen wir einen kleinen Snack zu uns nehmen, der allerdings etwas auf sich warten lässt. Die Entschuldigung des Bedienpersonals: “Ja, das dauert halt, wir haben nur eine Mikrowelle.” Hmm. Lecker. Frische Waffeln aus der Mikrowelle. Weiter geht die Fahrt.

Nachmittags. Der Rhythmus stimmt! Mit rund 30 km/h bewegen wir uns in der flachen Ebene Richtung Landesgrenze. Wir beginnen sogar, im belgischen Kreisel, also abwechselnd im Wind, zu fahren und verteilen so die Belastung auf die ganze Gruppe. Leider halten die Google-Earth-Karten nicht das, was sie versprochen haben, und ein ums andere Mal müssen wir anhalten, um den Kurs zu korrigieren.

16.55 Uhr. Wir verlassen Deutschland und überqueren die Grenze zu Belgien.

17.30 Uhr. Die Strecke wurde auf den letzten Kilometern deutlich hügeliger. Immer wieder reißt die Gruppe auseinander. Ich selbst halte mich im hinteren Teil unseres kleinen Feldes auf. Nicht, weil ich keine Kräfte mehr habe, ich muss mich immer wieder selbst bremsen. Sven Teutenberg hat mir dringend geraten, möglichst viel Kraft am Berg zu sparen: “Fahr immer langsamer, als du eigentlich kannst.” Also halte ich mich zurück, schließlich liegen noch weit über 900 Kilometer vor mir. Das Ende der Etappe kommt immer näher. “Nur noch ein richtig schöner Berg, dann sind wir da”, kündigt Holger an. Ich bin zwar skeptisch, weil ich nicht genau weiß, was Holger mit “richtig schön” meint. Der Schlussanstieg liegt also vor uns.

2 Kilometer vom letzten Berg. Ich bin schon jetzt weit abgeschlagen vom Rest des Feldes. Nur noch Jens ist bei mir, zusammen wollen wir den Berg meistern. Mein MP3-Player gibt den Geist auf, die Batterie ist alle. Ich hoffe, der Anstieg ist bald geschafft.

5 Kilometer vom letzten Berg. Max, der Fahrer unseres Begleitwagens, fährt an uns vorbei. Auf die Frage “Wie lang ist noch?” kommt nur ein trockenes “Sehr lang”. Ich hoffe, dass er das ironisch meint.

7 Kilometer vom letzten Berg. Dieser Berg ist verteufelt hart. Immer wieder hat es den Anschein, er wäre bald geschafft. Doch hinter der nächsten Kurve lauert die nächste Steigung. Lange kann ich diese Belastung nicht mehr durchhalten. Meine Wasservorräte neigen sich dem Ende zu, und Krämpfe kündigen sich an.

9 Kilometer vom letzten Berg. “Richtig schöner Berg”, hat er gesagt. Ich beginne, Holger zu hassen. Darüber hinaus frage ich mich, ob dieses Projekt nicht ein bis zwei Nummern zu groß für mich ist.

11 Kilometer vom letzten Berg. Ich hasse die ganze Welt. Ich bin mir sicher, dass ich hier nichts zu suchen habe! Ein Wadenkrampf zwingt mich, anzuhalten. Für diese Tortur entschädigt keine noch so lange Abfahrt, kein leckeres Essen im Hotel oder sonst irgendwas. Ich will ins Bett!

13 Kilometer vom letzten Berg. Es ist geschafft. Mit der letzten Kraft und dem letzten Tropfen Wasser erreichen Jens und ich den Gipfel. Als ob das Schicksal es besonders gut mit uns meint, befindet sich hier oben ein Restaurant. Wir erbetteln uns neues Wasser und machen fünf Minuten Pause. Frisch gestärkt geht es an die Abfahrt - die ein Riesenvergnügen ist. Mit rund 50 km/h sausen wir ins Tal hinab. Die Kletterei hat sich definitiv gelohnt!

21.00 Uhr. Duschen, Abendessen, gute Nacht. Auf den Muskelkater bin ich gespannt!

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Florian Kels hat diesen Eintrag am 25. August 2007 um 20.24 Uhr geschrieben. Sie können zu diesem Eintrag einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback auf Ihrer eigenen Homepage setzen. Beim Hinterlassen eines Kommentars wird Ihre E-Mail-Adresse im Blog nicht angezeigt. Sie dient ausschließlich der Antenne Düsseldorf Redaktion für mögliche Rückfragen. Kommentare und Trackbacks können Sie außerdem über einen eigenen Feed abonnieren.