Die Diskussion um
Google Street View
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Google-Street-View-Auto
Quelle: Google
Die öffentliche Debatte rund um Street View nimmt kein Ende. Während einige in dem neuen Dienst von Google eine massive Gefährdung der Privatsphäre sehen, blicken andere auch positiv auf die Dinge und können die erhitzten Gemüter in Politik und Medien nicht verstehen.
So nennt Torsten Krauel bei WELT Online den Panoramadienst die "Landkarte der Zukunft". Wer sie durch Widersprüche verfälsche, werde dastehen "wie die unglücklichen Städter, die zu spät ihre mittelalterlichen Stadtmauern abrissen. Weil sie so viel Angst vor Räubern hatten, verpassten sie die offene Zukunft." Auch Julia Seeliger freut sich in der taz über den Start von Street View und findet es schade, "dass die Deutschen vorher so sehr an der Netz-Innovation herummotzen müssen."
Was die Kritiker sagen
Die deutsche Blogszene hat eine gespaltene Meinung zu Street View. Martin Weigert schlägt Google auf netzwertig.com vor, den Start des Panoramadienstes einfach abzublasen. Er habe ohnehin kein wirkliches Geschäftsmodell und würde dem Unternehmen in Deutschland noch lange Ärger bereiten. "Es ist traurig für die geschätzten ein Prozent der Bundesbürger, die sich auf die Möglichkeiten von Street View freuen. Weiter für Street View in Deutschland zu kämpfen, wäre angesichts der verbreiteten Kritik aber, wie Perlen vor die Säue zu werfen." Weiter stellt er fest: "Wenn Deutschland Google Street View nicht braucht, braucht Google Street View auch nicht Deutschland."
Etwas kritischer blickt Julius Endert bei CARTA auf die Strategie von Google. "Offenbar gibt es viele Menschen, die eine (von ihnen nicht näher begründbare) Angst vor der Öffentlichmachung des öffentlichen Raums durch ein Unternehmen haben. Die eine Zwangseingemeindung in Digitalien befürchten." Es helfe nicht weiter, über diese Bedenken von zwangsweisen Teilnehmern hinwegzusehen. Denn die Dienste Street View, Maps und Earth von Google seien alles Formen der Kartografie, der Abbildung unserer Welt in noch nie gekanntem Ausmaß. An dem Spruch "Wer die Karte beherrscht, regiert die Welt" aus den Zeiten der Eroberer sei auch heute noch etwas dran.
Ähnlich nachdenklich äußert sich Patrick Breitenbach auf dem Blog der Karlshochschule. Er sieht in der Kritik an Street View den Ausdruck einer tief sitzenden "Angst vor Überwachung von Außen". Der Dienst schaffe für Bürger und Politik ein völlig neues Szenario, denn hier agiere kein politisches oder ideologisches System, sondern erstmals schalte sich ein Konzern massiv in die Angelegenheiten eines Staates ein, ohne direkte Absprache mit dem Staat selbst. "Öffentlicher Raum (Verwaltung durch Staat) wird von Google dokumentiert, publiziert, privatisiert und monetarisiert. Bei aller Liebe und Begeisterung für Google Streetview Projekt darf man das nie vergessen." Google sei nicht Wikipedia – und somit keine gemeinnützige Stiftung – sondern ein Konzern mit klarer Ausrichtung auf Profitmaximierung. "Nicht uns als Volk, als Bürger der Netzgemeinschaft gehört Street View. Wir haben kaum Einfluss darauf. Es gehört ganz allein dem Googlekonzern und seinen privatwirtschaftlichen Kooperationspartnern".
Gerrit van Aaken schreibt auf praegnanz.de, dass ihn Street View grundsätzlich gar nicht interessiere. "Ich persönlich finde Streetview insgesamt ein bisschen egal. Ja, man kann da mal kurz reingucken, sich über die Nützlichkeit freuen, und das ganze auch schnell wieder vergessen - ähnlich wie ich immer wieder vergesse, dass es Google Earth gibt." Nicht in Ordnung finde er jedoch die "hämischen Reaktionen auf die geäßerten Ängste der Otto-Normal-Bürger". Er denkt, die Bedenken in Bezug auf Street View, das es zum Planen von Einbrüchen dienen könnte, findet er "gar keinen so blödsinnigen Aspekt". "Mal ehrlich – wie gut kennt Ihr euch aus im Einbrecherbusiness? Warum wisst ihr alle so genau, dass diese Vorstellung Schwachsinn ist? Ich weiß es jedenfalls nicht." Er habe grundsätzlich kein Problem mit Street View, sondern freue sich auf den Dienst. Doch er meint auch: "Macht euch mal nicht zu sehr über die Bedenken und Ängste der Leute lustig! Die geballte Arroganz, die da aus dem Netz schwappt, ist nämlich manchmal nur schwer zu ertragen."
Was die Kritiker der Kritiker sagen
Tobias Kühn vom GoogleWatchBlog dagegen schiebt den Wirbel um Street View auf nationale Eigenarten und vergleicht das Verhalten der Menschen in ihrer Angst vor Street View mit einer Katze, die sich vor dem Staubsauger fürchtet. Da komme etwas, das die Leute nicht einschätzen könnten. "Wir Deutschen sind eigentlich schon immer so eingestellt: Alles was neu ist, das verdammen wir erst einmal." Das sei eben "typisch deutsch". Ebenso typisch deutsch sei auch die Haltung der Politik. "Man bleibt fest dabei, dass Google sich auch gesetzlichen Regeln unterzuordnen hat. Und gibt es dafür keine Gesetze, so konstruiert man einfach mal den Lex Google." Dabei müssten wir – Kühn zufolge – vor nichts Angst haben. Außer davor, "dass wir bald völlig anders über ein Thema reden werden, welches aktuell der Füller des Sommerloch für einige Medien ist, so scheint es."
Als eine "künstliche Sommerloch-Empörung" der Medien, vor allem aber der Politik sieht die Debatte auch Dennis Knake. Er bezeichnet die Forderung nach dem Schutz der Privatsphäre aus den Reihen der Politiker als "blanken Hohn". "Auf der einen Seite können sie gar nicht genug Daten von uns bekommen, auf der anderen Seite führen sie mit Google Street View eine hervorragende Scheindebatte und geben sich als Hüter von Datenschutz und Privatsphäre aus." Er verstehe nicht, wovor "die ganzen Häuslebesitzer auf Streetview" angesichts von Vorratsdatenspeicherung, ELENA und dem Swift-Abkommen denn Angst haben und wirft die Frage auf: "Ließe sich Street View nicht irgendwie mit dem Thema Sicherheit und Terrorbekäpfung in Verbindung bringen? Ich wette, schnell würde sich die politische Meinung zu dem Projekt ändern."
Einen humorig angehauchten Blick – zu guter Letzt – wirft Sascha Lobo auf die Diskussion um Street View und stellt ein eigenes, ganz spezielles Widerspruchsformular vor. "Die meisten Leute haben zweifellos Nachbarn, denen man einen so schwerwiegenden Eingriff in die Digitale Öffentlichkeit wie einen 'Google Street View Widerspruch' zutraut. Und genau deshalb biete ich hier den 'Google Street View Widerspruch-Widerspruch' an. Die Benutzung ist ganz simpel, man füllt das formlose Formular aus und schickt es an Google. Und zwar präventiv, falls man seltsame, offlinige Nachbarn hat, oder als Gegenwiderspruch, wenn man schon von einem Widerspruch weiss."









