Silvia in Afghanistan
Das Antenne Düsseldorf Reportageblog
Antenne Düsseldorf-Reporterin Silvia Ochlast geht nach Afghanistan. Sie berichtet für eine Woche täglich über das Leben unserer Soldaten im Krisengebiet; immer im Dienst, immer in Gefahr. Alle Eindrücke und Erlebnisse gibt es hier im Blog.
Und? Wie war´s?
Diese Frage ist schwer zu beantworten. Aber es ist die Frage, die man als erstes gestellt bekomme. Ich war nur eine kurze Zeit in Mazar-e-Sharif und kann nur versuchen sie zu beantworten. Dem Soldaten oder der Soldatin, die 4-6 Monate da waren, wird es viel schwerer fallen. Es ist nicht leicht zu verstehen, wie das Leben dort ist, wenn man nicht einmal den Staub der Wüste Afghanistans geschmeckt hat. Es ist ein ganz eigener Geschmack, der sich am Körper festsetzt, in der Kleidung haftet und jede kleine Ecke ausfüllt. So schmeckt der Norden von Afghanistan, eine Mischung aus Erde, Sand und Dingen, über die man lieber nicht nachdenkt. Der Sand und der Staub setzen sich in der Lunge und den Atemwegen fest. In den ersten Tagen ist es, als würde man gegen eine Erkältung ankämpfen. Wahrscheinlich versucht der Körper sich freizuhusten. Doch auch daran gewöhnt man sich. Aber der erste Atemzug, wenn man aus dem Flieger steigt ist eine Befreiung. Die Luft ist staubfrei. Die Wälder grün und die Vögel zwitschern. Kitschig, aber Deutschland.
Und so sieht es aus, nachdem ich mein Tuch gewaschen habe, das ich vor Mund und Nase hatte:
Ich komme von einer Reise wieder, die in einer andere Welt geführt hat. Das Camp der ISAF Truppen ist eine kleine Stadt für sich. Über 6000 Menschen leben dort, es gibt Küchen, Straßen und sogar Verkehrsregeln. Tempo 20! Wer schneller fährt kann von den Feldjägern aufgegriffen werden. Für das heimische Gefühl sorgt die Bürokratie, die auch im Camp Marmal vertreten ist. Eine Stadt muss funktionieren und so arbeiten viele Soldaten an ihrer “Verwaltung”. Damit ein gepanzertes Fahrzeug rausfahren kann, muss es repariert werden und die Menschen, die das machen leben natürlich auch vor Ort. So gibt es diejenigen, die das Camp nie verlassen und es gibt Soldaten, die rausfahren. Es ist gefährlicher nach draußen zu fahren, aber auch der Soldat, der im Camp bleibt hat mit dem Klima zu kämpfen und den Umständen. Auch wenn es kleine Erinnerungen an Deutschland gibt
Man ist nie allein. Auf einer Stube sind meistens 2 Personen, in Zeiten des Kontingentswechsel auch mal drei. Das Lager wird an allen Punkten bewacht, auf den Straßen fährt meistens ein Auto und in der Kapelle ist oft noch ein anderer Soldat. Wer denkt die Wüste ist doch still, liegt auch hier falsch. Um die kleine “Stadt” am Leben zu halten brummen zahlreiche Generatoren, Flieger starten und landen, ein Hubschrauber kreist, Schießübungen knallen oder Menschen reden. Eins allerdings ist es hier zum Abend hin: dunkel. Die Beleuchtung wird runtergefahren, denn das Camp soll nicht als heller Punkt im Nichts erstrahlen. Als perfektes Ziel. Am Abend sieht man die Taschenlampen durch die Gegen leuchten, damit die Menschen nicht in die Betongräben fallen. Fast das gesamte Lager ist asphaltiert und die Gräben sind wichtig, falls es regnet. Denn hat es einmal angefangen, schwimmt Camp Marmal. Der Regen, der vom Marmolgebirge runterläuft, kann im staubtrockenen Boden nicht einsickern und flutet dann die Straßen. Wasser ist noch ein anderes Thema. Selten habe ich so viel getrunken, wie in Afghanistan. Es ist wie ein ständiger kleiner Kampf gegen das Austrocknen. An jeder Ecke sind massenweise Wasserflaschen gelagert, was erstmal sehr seltsam aussieht, ich aber nach einem Tag verstanden hatte.
Der Besuch der Bevölkerung wird mir wohl noch lange im Kopf bleiben. Ein kleiner Ausflug ins Mittelalter, nur dass die Menschen mal eben ihr Handy zücken und telefonieren. Nomaden die in Erdhöhlen leben, Lehmhütten und dann doch schnelle Motorräder in den Straßen. Ich habe das Gefühl fast jeder hat ein Handy, was recht komisch ist, weil noch nichtmal überall Strom liegt. Afghanistan, ein Land voller Gegensätze und es stellen sich mir mehr Fragen, als ich Antworten kriegen konnte.
Ich bewundere die Leistung der Soldaten vor Ort, egal, was sie machen und auch vollkommen egal, ob man den Einsatz nun gut heißt oder nicht. Sie arbeiten 7 Tage die Woche und das oft über 10 Stunden täglich. Im Staub, bei Hitze, bei Gefahr und weit entfernt von den Lieben zu Hause. Fast jeder konnte mir die genaue Zahl der Tage sagen, die er noch arbeiten muss oder gearbeitet hat. Es ist wie ein Countdown, an dem sie hängen, bis es wieder zurück geht. Bis sie endlich den Fuß in den Flieger setzten können und in ein Land fliegen, das verglichen mit dem Erlebten hier, doch nur wenige Probleme hat.
Abschließend hat mich die Ankunft am Flughafen fast zu Tränen getrieben. Müde und erschöpft stehen die Soldaten am Gepäckband, während draußen schon die Menschen warten, um endlich die Ehemänner, Frauen, Mütter und Väter in die Arme zu schließen. Die Koffer waren noch nicht auf dem Band, als ein kleines Mädchen mit blonden langen Haaren durch die Sicherheitssperre gelaufen kam. Sie blieb kurz stehen und betrachtete die Soldaten. Dann wurde ihr Gesicht rot, sie fing an zu weinen, und rannte auf einen Mann zu. “Papa” rief sie laut durch die Reihen der Wartenden und stürzte sich in seine Arme.
Erleichterung und Wiedersehensfreude für diejenigen, die wieder da sind. Doch auch hier musste ich an die denken, die noch im Staub der Wüste arbeiten und hoffe einen kleinen Einblick in ihr Leben gegeben zu haben.
Silvia zum Nachhören:
Gehört am 31.10.2011 um 08:37 Uhr bei Antenne Düsseldorf
“Die stärksten Eindrücke aus Mazar-E-Sharif”
30. Oktober 2011, Silvia Ochlast
Ein Stück Heimat: Selbstgebackenes Brot
Heimweh plagt jeden und auch die Soldaten in Afghjanistan versuchen sich ihren Aufenthalt zu erleichtern, indem sie sich ein Stück Heimat dorthin holen.
Silvia zum Nachhören:
Gehört am 28.10.2011 um 16:45 Uhr bei Antenne Düsseldorf
“Ein Stück Heimat: Selbstgebackenes Brot”
28. Oktober 2011, Silvia Ochlast
Die Sicherheit in Mazar-E-Sharif
Heute spricht Silvia mit Objektschützer Philip: Er hat die Aufgabe für Sicherheit im Camp zu sorgen.
Hören Sie hier mehr.
Silvia zum Nachhören:
Gehört am 28.10.2011 um 09:24 Uhr bei Antenne Düsseldorf
“Die Sicherheit in Mazar-E-Sharif”
28. Oktober 2011, Silvia Ochlast
Ort der Stille im Kriegssgebiet
Alle sitzen mit staubigen Klamotten und erschöpft von der Hitze des Tages in der kleinen Kapelle im Camp. Die Waffe hängt an der Seite und die Augen einiger Soldaten sind geschlossen. Es ist einer der wenigen, wenn nicht sogar der einzige Ort, an dem Ruhe herrscht. Kein Hubschrauber startet, kein Funkspruch schreckt auf, keine gepanzerten Fahrzeuge wirbeln Staub auf und keiner hetzt an einem vorbei. Die Offiziere Günther F und Thomas B beschreiben diesen Ort treffend: “Glaubensfragen sind egal, es zählt der Ort der Stille, draußen gibt es Menschen denen die Beine weggesprengt wurden und hier drinnen gewinnt man Abstand.” Für sie ist die Andacht, bei der leise Musik läuft und der Militärseelsorger gemeinsam mit den Soldaten Kerzen entzündet, der Höhepunkt der Woche. ” Dieser Abend gibt Kraft für den Alltag” In Deutschland gehen sie nicht in die Kirche, hier ist das anders. Im Einsatz ist die kleine Kapelle am Straßenrand der Ort, ohne Eile. Der Kerzenschein taucht den Raum in warmes Licht. Keine grellen elektronischen Lichter sind hier, die sonst zum Alltag gehören. Es ist der einzige Ort, der für die beiden die Möglichkeit schafft abzuschalten. Ob evangelisch oder katholisch ist hier völlig egal, es ist eine andere Welt, in die einige Soldaten eintreten, um für einen kurzen Augenblick die Last des Kriegseinsatzes zu vergessen.
27. Oktober 2011, Silvia Ochlast
Bekanntgabe der Standortschließungen
Silvia interviewt Kommodore Neumann zur Bekanntgabe der Standortschließungen bei der Bundeswehr und informiert sich über die Reaktionen der betroffenen Soldaten.
Silvia zum Nachhören:
Gehört am 27.10.2011 um 12:05 Uhr bei Antenne Düsseldorf
“Bekanntgabe der Standortschließungen”
27. Oktober 2011, Silvia Ochlast
Der Morgen nach dem ersten Einsatz
Heute Morgen lassen Silvia und die Soldaten ihren gestrigen Einsatz noch einmal Revue passieren.
Silvia zum Nachhören:
Gehört am 27.10.2011 um 09:45 Uhr bei Antenne Düsseldorf
“Der Morgen nach dem ersten Einsatz”
27. Oktober 2011, Silvia Ochlast
Ala Chapan, ein Tag mit den Objektschützern
Meine Schultern schmerzen noch von der Last der Sicherheitsklamotten. Ich war jetzt 2 Tage mit den Objektschützern unterwegs. Die Soldaten hier im Einsatz, die für Sicherheit sorgen. Ich habe einen riesen Respekt davor, was sie jeden Tag und auch in der Nacht leisten. Kiloschwere Ausrüstung, die Gefahr auf eine Mine zu treten oder angeschossen zu werden und ständige Wachsamkeit sind ihr Alltag. Über 40 Kilo trägt ein Sanitäter über lange Zeit mit sich, um auf alles vorbereitet zu sein. Ihm bin ich dankbar, denn wäre etwas passiert, hätte er geholfen und alles dabei. Mit einem muss man immer rechnen: Der Einsatz könnte länger dauern: Wasser, Sanipakete und Notrationen gehören zur Ausrüstung. meine Blutgruppe wurde vorher notiert, was mir auch noch bei keiner Reportage passiert ist und zugegeben etwas merkwürdig zu Anfang ist.
Ich durfte einen besonderen Tag erleben, als Antenne Düsseldorf Reporterin im Dingo
Die schaukelige Fahrt mit dem Dingo ist ein Erlebnis und ich fühlte mich doch relativ sicher in dem Fahrzeug. Schwieriger wurde es beim Aussteigen. Plözlich ohne Schutz der Panzerung auf der Straße, die Marktstraße war belebt, überall sind Menschen und auch hier habe ich wieder Respekt vor der Arbeit, jeder Winkel wird genau betrachtet, bei komischen Geräuschen habe ich mich an die Soldaten gestellt, die in meiner Nähe waren und mir das Gefühl von Schutz gegeben haben. Denn es ist ein seltsames Gefühl, wenn jedes Auto angehalten wird, jedes Motorrad kontrolliert wird. Da schleicht sich der Gedanke schnell in meinen Kopf: Was wenn der einen Sprengsatz dabei hat?
Silvia zum Nachhören:
Gehört am 26.10.2011 um 13:11 Uhr bei Antenne Düsseldorf
“Wie lebt es sich in einem Dingo?”

Jede Brücke muss kontrolliert werden, damit der Rest der Truppe ohne Gefahr weiter gehen kann, aber einer muss kontrollieren und der setzt sich in diesem Moment auch der Gefahr aus
Diese Soldaten sehen ein ganz anderes Afghanistan, als diejenigen die im Camp ihre Dienst tun. Eine kleine Straße in einem Ort, in der man mit den Menschen spricht und Informationen austauscht, ihre Fragen beantwortet und auch ihren Sorgen zuhört
Ich durfte Eindrücke sammeln, die ich sonst nie bekommen hätte und die Bilder nur zu einem Bruchteil wiedergeben.
Auch Momente in denen ich schmunzeln mußte, wie bei diesem Popcornverkäufer
Und ich durfte geröstete Nüsse von einem Laden probieren, der an der Straße liegt und in dem Männer noch über einem kleinen Feuer die Nüsse rösten
An diesem Geschäft werden Holzbalken verkauft. Die Holzbalken werden hier auf Baustellen als Stützen genutzt.
Viele Kinder arbeiten hier übrigens. Nicht alle gehen zur Schule, aber auch wenn sie zur Schule gehen, müssen sie häufig nachmittags noch arbeiten hat mit unser Dolmetscher Mohammed erklärt
Die Reaktion der meisten ist sehr freundlich, viele hier verstehen, dass die ISAF Truppen für Sicherheit sorgen. Was sie allerdings nicht verstehen ist, dass wir aus Deutschland kommen. Viele Bewohner von Ala Chapan halten Soldaten immer für Amerikaner. Aber von fast allen bekommt man ein Lächeln
Fernsehgeschäfte sehen anders aus, als in Deutschland. Ich würde mal sagen, etwas älter
und auch die Obststände gehen zur Straße, die staubig ist
Diese vielen Eindrücke nehme ich mit, und freue mich über diese besondere Truppe. Ich bin dankbar, dass ich 2 Tage lang ihren Alltag begleiten durfte. Mein nächster Brief wird nicht an Freunde in Deutschland geschickt, sondern an diese Menschen, die in der Gefahr eine unglaubliche Leistung volllbringen!
Mit all den Eindrücken falle ich ins Bett, während die Sonne über dem Camp untergeht
Silvia zum Nachhören:
Gehört am 26.10.2011 um 08:37 Uhr bei Antenne Düsseldorf
“Ausflug auf den Markt”
Silvia zum Nachhören:
Gehört am 26.10.2011 um 15:11 Uhr bei Antenne Düsseldorf
“Erstzer Einsatz zu Fuß”
26. Oktober 2011, Silvia Ochlast
Wäsche waschen!
Heute sollten alle zu Hause in Deutschland ihre Waschmaschine loben! Wie leicht hat man eben mal ein eine Maschine angeschmissen, während die läuft erledigt man hier und dort was und wenn die Wäsche fertig ist, dann kommt sie vielleicht sogar noch in den Trockner. Geringer Arbeitsaufwand, im vergleich zu Wäsche waschen in Ala Chapan.
hier muss die Wäsche an den Flus geschleppt werden und gemeinsam mit allen anderen hocken die Frauen hier und waschen. Wobei Fluß stark übertrieben ist, kleiner Bach trifft es eher. Und es ist eine Herausforderung in der staubigen Umgebung überhaupt zu waschen.
Also zu Hause: die Waschmaschine hat ein ordentliches Lob verdient. Wenn ich wieder zu hause bin und meine Sachen wasche, werden es wohl diese Bilder sein, an die ich denke und erleichtert feststellen werde, wie leicht wir es doch haben!
26. Oktober 2011, Silvia Ochlast
Bingo und Mandeln!
Ich habe einen Bingoabend miterlebt. Bei Bingo denkt man ja eher mal an den All inklusiv Urlaub und weniger an Afghanistan, aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht! Aber genau dieses Abschalten ist hier wichtig. Der Bingo Moderator ist aus Kunduz hier ins Camp gekommen, um den Soldaten einen Abend Abwechslung vom Alltag zu bieten. Wie wichtig diese kurze Zerstreuung am Abend ist, habe ich selbst erlebt. Alle waren ausgelassen und es wurde viel gelacht, ein Kontrast zu einem Einsatztag draußen. Diese Zeit des einfach mal zusammen sitzen und Spaß haben ist hier meiner Meinung nach Überlebenswichtig. Viele Möglichkeiten abends gibt es nicht. Hier kann man nicht schnell Freunde anrufen und zum Bierchen rüber kommen oder ins Kino fahren. Für mich sind es die kleinen Dinge, die hier einem doch das Gefühl geben ein Stück zu Hause zu haben.
Der Bingofeldwebel aus Kunduz:
Ich habe außerdem bei afghanischen Dolmetschern die Gastfreundschaft kennengelernt. Der Tee war ein Traum und dazu gab es Mandeln aus Afghanistan, Walnüsse und getrocknete Maulbeeren. Übrigens das erste Mal in meinem Leben, dass ich überhaupt eine Maulbeere gegessen habe.

Silvia zum Nachhören:
Gehört am 24.10.2011 um 13:41 Uhr bei Antenne Düsseldorf
“Bingo in Mazar-E-Sharif”
25. Oktober 2011, Silvia Ochlast
Besuch einer Schule
Antenne Düsseldorf Reporterin Silvia besucht eine afghanische Schule und bringt den Kindern Postkarten und Hefte von deutschen Schülern mit. Hören Sie hier mehr zu ihrem Besuch.
Silvia zum Nachhören:
Gehört am 25.10.2011 um 13:12 Uhr bei Antenne Düsseldorf
“Eindrücke von Hauptfeldwebel Philip”
Silvia zum Nachhören:
Gehört am 25.10.2011 um 16:44 Uhr bei Antenne Düsseldorf
“Postkarten von deutschen Schülern”
25. Oktober 2011, Silvia Ochlast



























